FrontGesellschaftErlebnisse mit James Bond

Erlebnisse mit James Bond

Vor 56 Jahren wurde der James-Bond-Film «Goldfinger» auf der Furka gedreht. Für ein neues Buch besuchten die Autoren Peter Waelti und Steffen Appel die Drehorte. Ich war auch dabei.

Als ob es gestern gewesen wäre. Wir standen am 5. Juli 2020 oberhalb Realp in einer Kurve und schauten ins Urserental hinunter, genau wie vor 56 Jahren, als Sean Connery an derselben Stelle gedankenverloren hinunter blickte. Ich fotografierte ihn und dieses Bild wurde jetzt zum Flyer und zum Titelbild des Bildbandes «The Goldfinger Files», das am 3. September in Zürich an einer Vernissage aus der Taufe gehoben wird.

Sozusagen als Vorfreude besuchten die Autoren zusammen mit Mitgliedern des offiziellen James-Bond-Fanclubs aus Deutschland und der Schweiz die Drehorte. Wir trafen uns im Hotel Schweizerhof in Andermatt zur Orientierung des Buches. Der deutsche Co-Autor Steffen Appel erklärte, dass seine Frau Ines die Idee zum Buch hatte. Zusammen mit dem Schweizer Buchautor Peter Waelti sammelte er alle verfügbaren, bisher unveröffentlichten Bilder von den Dreharbeiten 1964. Und da kam einiges zusammen. So entstand der Bildband, der tagebuchartig gestaltet ist und mehr als 300 Bilder zeigt. Er gibt unter anderem Einblicke in das Originaldrehbuch und die Drehpläne.


Dreharbeiten im Jahre 1964 beim Hotel Belvedere auf der Furkastrasse. Der Rhonegletscher im Hintergrund.


56 Jahre später: Buchautor Steffen Appel fährt mit dem Aston Martin in Richtung Passhöhe. Der Gletscher hat sich zurückgezogen

Der erste Drehort war hinter dem Hotel Belvedere beim Rhonegletscher. Steffen Appel zeigte ein Foto aus dem Film und fuhr mit seinem in England erstandenen Aston Martin DB 5 auf den Spuren von James Bond zur Furkapasshöhe. Der Unterschied ist frappant. Die Strasse war damals nicht geteert und der Rhonegletscher hat sich weit zurückgezogen.


Zusammen mit den Buchautoren Steffen Appel, Peter Wälti und dem Aston Martin beim Belvedere.

Auf der Urnerseite kamen Erinnerungen hoch. Die Filmcrew und die Schauspieler haben mich damals herzlich begrüsst. Ich durfte nicht nur mit Sean Connery und dem Regisseur Guy Hamilton und vor allem mit den Kameraleuten sprechen. Das Mittagessen aus der Bordküche schmeckte ausgezeichnet, und auf meinen Wunsch hin nahm James Bond den Widersacher mehrmals in den Schwitzkasten, eine Szene, die im Film nicht vorkommt. Aber so stellt man sich James Bond in Aktion vor.


Sean Connery nahm den Widersacher in den Schwitzkasten.

Beeindruckt war ich über die technischen Installationen. Da kletterten Kameraleute auf ein grosses Gerüst und bereiteten den Dreh vor. Sean Connery’s Gesicht wurde mit Puder behandelt. Der Regisseur mass durch einen Belichtungsmesser das Sonnenlicht. Kameraassistenten stellten die erforderlichen Belichtungszeiten an der Kamera ein und über Funk wurde dem Fahrer des Goldfingers Rolls-Royce gemeldet, dass er nun starten soll. Mit quietschenden Reifen raste das Fahrzeug über die kurvenreiche Strasse, gefolgt vom Austin Martin.


Hier stand Sean Connery (Titelbild des neuen Buches)

In einer Drehpause gelang mir ein Porträt von Sean Connery, auf dem man seinen Haaransatz sah, der die Geheimratsecken etwas verdeckte, was zu etwelchen Diskussionen führte. Dieses Bild wurde im Jahre 2007 als Flyer für die von der Kulturförderung des Kantons Luzern und der Stiftung Fotodok organsierten Ausstellung «Josef Ritler 40 Jahre Fotojournalismus» im Kunstpanorama Luzern veröffentlicht. Ironie der Geschichte: Auf die in der ganzen Stadt Luzern ausgestellten Plakate angesprochen, tönte es etwa so: «Da hast Du gut ausgesehen. Du siehst aus wie James Bond.»

Nach dem Ausflug auf die Furka durfte ich mit Autor Steffen Appel im Aston Martin nach Andermatt zurückfahren. Dabei fiel mir ein roter Knopf auf, der den Schleudersitz auslösen sollte, zumindest im Auto, das James Bond fuhr. Steffen Appel beruhigte mich. «Keine Sorge. Das ist nur eine Attrappe, die ich nachträglich einbauen liess.»

 

 

Fotos: Josef Ritler

 

https://www.tele1.ch/nachrichten/james-bond-am-furkapass-neues-buch-zu-dreharbeiten-138369538

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