FrontGesundheitBlütenpracht und rote Augen

Blütenpracht und rote Augen

Nun fliegen sie wieder, die Bienen, die Schmetterlinge – und die Pollen. Für Allergiker sind letztere ein Übel, das nicht nur gefühlt immer früher beginnt. Dazu kommt, dass gewisse Pollen starke Kreuzreaktionen auslösen können: Plötzlich werden auch gewisse Nahrungsmittel nicht mehr vertragen.

Als ich ein Kind war – ist doch schon ein Weilchen her – wohnte in der Nachbarschaft ein Knabe, der unter Heuschnupfen litt, an schönen Tagen im Sommer mit Triefnase und roten Augen zur Schule kam. Ihm wurde mit einer Mischung aus Neugier und Faszination begegnet, denn er war die absolute Ausnahme.

Heute dreht sich keiner mehr um, wenn jemand von seiner Pollenallergie erzählt. Ein Brennen in den Augen oder vermehrtes Niesen an sonnigen Tagen ist weit verbreitet. An einer veritablen Empfindlichkeit gegen Blütenstaub, die das Leben stark einschränkt und bis zu allergischem Asthma führen kann, sind nach Angaben des aha!Allergiezentrums Schweiz rund 20 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Allergien können in jedem Alter auftreten

Dass Allergien seit meiner Kindheit massiv zugenommen haben, wird niemand bestreiten. Allergische Reaktionen gegen was auch immer sind ein Volksleiden. Unter dem Begriff Allergie wird eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Stoffe verstanden. Sie kann bereits im Kindesalter auftreten, schwächt sich vielfach in der Adoleszenz ab, verändert sich oder weitet sich auf weitere allergieauslösende Stoffe aus, was dann Kreuzallergie heisst. Allergien können aber auch erst in höherem Alter «plötzlich» auftreten.

Pollenallergie ist die häufigste allergische Erkrankung und Betroffenen sind im Frühling besonders gefordert. Was heisst da Frühling? Hasel und Erle überlassen ihre Pollen bereits ab Januar dem Wind, im Moment sind die Birken und Eschen sehr aktiv.

Gräser fangen jetzt dann an zu blühen mit einem Höhepunkt im Juni und Juli. Gräser sind wegen ihrer langen Blütezeit, ihrer Verbreitung und wegen ihrer grossen Menge an Pollen die wichtigsten Pollenallergene in der Schweiz. Die Bezeichnung Heuschnupfen ist deshalb nicht ganz falsch, auch wenn das «Heu» im Januar noch von den Bäumen fliegt.

Es sind die Eiweissbaustoffe in den Pollen, die allergen sind. Und das, wie beim Hasel, oftmals schon im Spätwinter.

Bei einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem auf die an sich harmlosen Eiweissbaustoffe in den Pollen. Durch das Einatmen oder bei Hautkontakt werden bei Betroffenen Abwehrstoffe wie Histamin und andere ausgeschüttet, was zu Entzündungen der Bindehaut der Augen und der Nasenschleimhaut führt. In der Folge davon kann es auch zu Beschwerden im Hals- Nasen-Ohren- Bereich kommen und, einen Stock tiefer, auch die Atemwege, die Lunge beeinträchtigen.

Corona oder allergisch?

Zur Zeit wird alles noch etwas schwieriger. Oder leichter? Corona oder Heuschnupfen, diese Frage stellen sich momentan viele, wenn die Nase läuft. Husten und Kopfschmerzen plagen. Von Tests mal abgesehen, gibt es nur wenige Anhaltspunkte: Entzündete Augen, Juckreiz in Gaumen und Nase und typische Schnupfensymptome sprechen eher für eine Allergie, währenddem kompletter Verlust des Geschmack- und Geruchssinn und /oder Fieber, Kopfschmerzen und trockener Husten eher auf eine Covid-19-Infektion hindeuten. Oder einfacher gesagt: Allergiker fühlen sich zwar wegen ihrer Symptome im Alltag eingeschränkt, aber nicht krank. Im Gegensatz zu Covid-19 Erkrankten – wenn diese dann überhaupt Symptome haben.

Allerdings wurden in etlichen Ländern Daten erhoben, die darauf hinweisen, dass eine grosse Pollenbelastung auch eine Corona-Infektion begünstigt. Denn beide Faktoren – Pollen und Coronaviren – belasten den Körper, schwächen dessen Abwehrkräfte. Dem gegenüber steht die Masken-Tragpflicht. Weil alle Arten von Pollen deutlich grösser sind als die Viren, hält eine gut sitzende und schützende Maske die allergenen Dingern wenigstens unterwegs von der Nase fern.

Vermeidungsstrategien

Nur: Pollen sind überall und haften an Körper und Haaren und dringen durch offene Fenster in die Wohnung. Da hilft dann wiederum nur die «mechanische Reinigung».Also am Morgen lüften und dann die Fenster geschlossen halten, die während des Tages draussen getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer aufbewahren und bei starken Reaktionen jeden Abend die Haare waschen.

Gräser sind anmutige Symbole des Sommers – und haben der Pollenallergie den Namen «Heuschnupfen» verpasst. (Alle Bilder pixabay)

Natürlich können Allergien auch medikamentös behandelt werden. Die Desensibilisierung lassen wir mal aussen vor, denn diese Therapie muss lange vor dem Pollenflug eingeleitet werden. Aber Augentropfen und Nasensprays können helfen, aber auch Antihistaminika in Tablettenform. Sie blockieren die allergischen Reaktionen im Körper. In schweren Fällen wird auch Kortison verschrieben, zum Beispiel als Nasenspray.

Ausprobieren!

Es gibt auch Alternativen: Meiner Tochter, einer starken Allergikerin und Asthmatikerin, brachten Hypnosesitzungen eine deutliche Besserung, währenddem die von vielen gepriesene Akupunktur keine Wirkung zeigte.

Dass homöopathischer Globuli medizinisch keinen Nutzen bringen, ist längst belegt. Davon bin ich auch überzeugt. Dass die «Kügelchen» mir die entzündeten und brennenden Augen im Frühling zuverlässig lindern, obwohl ich überhaupt «nicht daran glaube», kann allerdings nicht wegdiskutiert werden.

Daneben zeigen auch Schwarzkümmelöl, frühzeitig, also vor der Pollensaison eingenommen, und Pestwurzextrakte Wirkung. Gelartige Nasentropfen bilden eine mechanische Barriere auf der Nasenschleimhaut und reduzieren so die Menge der in den Körper eindringenden Allergene. Die Reaktionen auf die einzelnen Behandlungen im Alternativbereich sind individuell. Was heisst, dass jede und jeder die einzelne Methoden ausprobieren muss.

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