Tausende aus der ganzen Schweiz strömten übers Wochenende nach Menzingen ZG zum Scheller- und Trychlertreffen. Bundesrat Albert Rösti beschwor die Vielfalt der hiesigen Kultur.
Vor allem am Sonntag war das verträumte Dorf nicht mehr zu erkennen. Rund 3000 Aktive in 10 Gruppen aus allen Kantonen der Schweiz verwandelten den Dorfkern in ein urchiges, geselliges Gemeinschaftsfest. Es wurde das 15. Eidgenössische Scheller- und Trychlerfest gefeiert.

Im Gleichschritt durchs Dorf
Rund 800 Helferinnen und Helfer, zahlreiche Sicherheitsleute, Zivilpolizisten und der Zivilschutz sorgten unter anderem dafür, dass die Feierlichkeiten reibungslos verliefen. Allein am Samstag haben mehr als 5000 Leute mitgeholfen.
Das Trychlen ist ein Jahrhundert alter Brauch in der Schweiz. In den letzten Jahren wurde es zu politischen Zwecken missbraucht. Dies war am diesjährigen Treffen gar kein Thema. Der OK-Präsident Karl Nussbaumer stellte klar, dass man nichts mit den Freiheits-Trychler etwas zu tun haben möchte.

Mädchen lauscht den Klängen der Dorfmusik
Für Bundesrat Albert Rösti hat das Trychlern eine besondere Bedeutung. Er sagte zu Seniorweb: «Für mich hat das Trychlern eine besondere Bedeutung und Tradition. Wenn man in der Landwirtschaft aufgewachsen ist, sind die Trychler einem besonders nah.»
Auch Mitte-Präsident Gerhard Pfister verriet Seniorweb, dass er eine besondere Beziehung zu diesem Brauchtum hat. «Ich komme aus Oberägeri und dort gibt es am Chlaustag immer einen Umzug mit Trychler und Geisslerchlöpfer mit Samichlaus, die von Haus zu Haus gehen. Das ist für mich etwas wunderschönes, das ich mit meiner Kindheit verbinde. Ich habe mich als Kind im Geisslechlöpfe versucht.»

Für Nachwuchs ist gesorgt
Was im Jahre 1979 mit dem ersten Trychertreffen als Jux begann, wurde 2019 offiziell zum eidgenössischen Erlebnis ernannt. Seither wird der Anlass alle drei Jahre in verschiedenen Kantonen durchgeführt. Vor allem junge Menschen scheinen heute ein steigendes Bedürfnis nach Heimatgefühl und Schweizer Tradition zu entwickeln. «Wenn ich sehe, wie viele junge Menschen hier teilnehmen, habe ich keine Angst um das Heimatgefühl», sagte Bundesrat Albert Rösti.

Bundesrat Albert Rösti und Mitte-Präsident Gerhard Pfister erinnern sich an ihre Kindheit
Es braucht Muskeln, Ausdauer und ein kühles Bier, um als Trychler bei den heissen Temperaturen durchzuhalten. Denn zwei Trychlen mit Joch wiegen rund 30 bis 35 Kilogramm, der Lärm ist ohrenbetäubend. Es fällt auf, dass die Trychler beim grossen Umzug durch den Dorfkern wie in Trance zu sein scheinen. Sie bewegen sich im Gleichschritt an den Menschenmengen vorbei, die Schweissperlen auf der Stirn kaum wahrnehmend und oft auch Brissago rauchend. Sie bildeten Formationen und rhythmische Einlagen, viele von Ihnen ohne den Schutz von Ohrstöpseln.

Bundesrat Albert Rösti mit den Kuhglocken
Um ein beständiges Heimatgefühl und die Kultur aufrechtzuerhalten, könnte man tatsächlich John F. Kennedy zitieren. Das tat der Zuger Regierungsrat Heinz Tännler zum Abschluss seiner Ansprache tatsächlich: «Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.»
Fotos: Josef Ritler

MENZINGEN und nicht Menznau!!!