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Röslein rot und andere Kalamitäten

Juni ist der Rosenmonat schlechthin. Nie blüht die «Königin der Blumen» üppiger als unter der ersten Sommersonne und nie verwelkt sie trauriger im steten Nieselregen. Rosen sind wunderschön im Knospenstadium und erinnern an die Vergänglichkeit, wenn sie verwelken und ihre Röcke fallen lassen.

Rosen und Lyrik, das ist ein besonderes Kapitel. Wer auch nur einen Funken Romantik und Poesie in der Seele verspürt, versuchte sich durch die Jahrhunderte hindurch irgendwann im Frühsommer an der Rose abzuarbeiten. Sie wird als Metapher für Liebe und Schönheit verwendet, manchmal sogar für Leidenschaft. Nur: Wer so eine frisch erblühte Rose an sich presst oder sie der holden Angebeteten an den Busen drückt, merkt:  «Keine Rose ohne Dornen». Das Sprichwort ist nur ein bisschen falsch. Weil die Dornen genau genommen Stacheln sind, die nur auf den Zweigen aufsitzen und sich zum Beispiel mit dem Daumen abstreifen lassen.

«Keine Rose ohne Dornen» heisst es im Volksmund. Was nicht ganz stimmt. Stacheln sind es, die uns im Rosenstrauss pieksen.

Der Dichter Gottfried Keller schrieb mit «In eines Armen Gärtchen» eine gar rührende Liebesgeschichte zwischen einer «wunderschönen Rose» und einem Schmetterling – oder ist er nur der Liebesbote? Es ist ein Gedicht voller schmerzlicher Erinnerungen und Wehmut und endet mit der Zeile: «Wir träumen nur, wir lieben und wir wandern.» Armer Dichter! Er hat lebenslang nach der Liebe gesucht – und höchstens mal einen Schmetterling gefangen.

Rosen bringen oft Liebesleid

Dem deutschen Schriftsteller Hermann Löns ging es «Im Rosengarten» auch nicht viel besser: «Betrübt muss ich von weitem stehn / Und nach dem Rosengarten sehn.» Ludwig Uhland, deutscher Dichter des 19. Jahrhundert, schrieb ein langes Gedicht über einen gut bewachten Rosengarten, der allerdings nur Streit und Kampf und Blutvergiessen brachte. Fazit: «Und wo der Rosengarten war, / Soll der Liliengarten werden. / Wer ist es, der die Lilien / Mir treulich nun bewacht? / Bei Tag die liebe Sonne, / Der Mond und die Sterne bei Nacht.»

Verlieben sich Schmetterlinge auch? Und dann noch in Rosen? Heinrich Heine weiss die Antwort.

Heinrich Heine trauert in «Die alte Rose» ebenfalls einer jungen «Rosenliebe» nach, mit einem sarkastischen Schluss allerdings: Nein, verrate ich nicht! In «Der Schmetterling ist in die Rose verliebt» geht er die Sache dann um etwas pragmatischer an und endet mit: «Ich aber lieb euch all’: Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl, Abendstern und Nachtigall.

Ja, Rosen sind im Alter keine Schönheiten mehr. Aber wer ist das schon? (alle Bilder pixabay)

Japaner, habe ich mal gelesen, seien keine Rosenfreunde. Sie liebten die Chrysanthemen, die im Gegensatz zur Rose viel «edler» verblühen würden. Und doch stammt mein schönstes Rosengedicht von einem japanischen Dichter, von Kitaisara Hakushu: «Ich habe Brot gekauft / und habe rote Rosen geschenkt bekommen: / wie glücklich bin ich / beides in meinen Händen zu halten.»

Ist doch Poesie pur. Und eine Lebensweisheit, die die Rose aus der Liebe, Herz und Schmerz-Ecke heraushebt, sie zur Trägerin einer essenziellen philosophischen Haltung macht.

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1 Kommentar

  1. Beim Thema Rosen kommt mir die Filmkomödie «Der Rosengarten von Madame Vernet», Originaltitel «La Fine Fleur» in den Sinn.
    Ich habe diese leicht daherkommende Komödie mit Tiefgang von Pierre Pinaud mehrmals gesehen und immer hat mich die Menschlichkeit und die beiläufige Sozialkritik in der Handlung, in der Hauptrolle vortrefflich gespielt von der passionierten Rosenzüchterin Eve, der treuen Mitarbeiterin Véra und den aus Not angeheuerten Obdachlosen Fred, Nadège und Samir, im authentischen Milieu eines Gartenbetriebs, fasziniert.
    Die Liebe zu den Rosen und zugleich das Verständnis und die Liebe zum Menschen ist das Fundament und der Inhalt dieser Filmkomödie. Einfach sehenswert.

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