StartseiteMagazinGesundheitWenn es im Magen rumort

Wenn es im Magen rumort

Rund ein Prozent der Menschen leidet unter Zöliakie, einer Überempfindlichkeit gegen zahlreiche Getreidesorten. Viele wissen gar nicht, dass ihre Bauchschmerzen auf diese Autoimmunkrankheit zurückzuführen sind.

Geteiltes Leid ist halbes Leid: Das mag die beiden Cousinen Sabrina (12 ) und Tina (10) manchmal trösten. Bei den beiden Mädchen wurde vor vier Jahren festgestellt, dass sie an Zöliakie erkrankt sind. Vor allem die Ältere hatte sich des Öfteren über Bauchschmerzen beklagt und an Gewicht verloren. Bei der Jüngeren machten sich diese Symptome in abgeschwächter Form ebenfalls bemerkbar.

Das sind – neben einem Blähbauch, Wachstumsstillstand oder einem Entwicklungsverzug – typische Beschwerden bei Kindern mit Zöliakie. Diese Krankheit kann sich aber auch im Erwachsenenalter jederzeit bemerkbar machen, mit teilweise anderen Symptomen. Anzeichen wie Müdigkeit, Blutarmut, Durchfall, Verstopfungen oder Bauchschmerzen kommen bei älteren Menschen allerdings derart oft vor, dass man nicht so schnell an Zöliakie denkt. Zudem sind Fehldiagnosen nicht selten, weil Fachleute bei häufig diffusen Beschwerden nicht sofort auf eine Zöliakie schliessen.

Etwa jede(r) Hundertste

Schweizweit sind schätzungsweise 1% der Bevölkerung von einer Glutenunverträglichkeit betroffen. Doch nur ein Bruchteil der Erkrankten zeigen das klassische Vollbild einer Zöliakie. Rund 80 bis 90 Prozent sollen nur wenige oder gar keine Symptome aufweisen. Bei Gluten handelt es sich um ein Protein, auch Klebereiweiss genannt, das in verschiedenen Getreidesorten enthalten ist.

Die Krankheit gilt es klar abzugrenzen von der Weizenallergie, einer klassischen Nahrungsmittelallergie; ebenso besteht ein Unterschied zwischen einer Glutenunverträglichkeit und einer Hystamin-Intoleranz, auch wenn es sich bei beiden um Lebensmittel-Intoleranzen handelt.

Ursachen noch nicht ganz eindeutig

Trotz intensiver Forschung ist die Ursache für eine Zöliakie immer noch nicht ganz geklärt. In die engere Auswahl kommen genetische Veränderungen oder Infekte. Leiden Familienangehörige ersten Grades unter der Erkrankung, soll ein rund zehnmal höheres Krankheitsrisiko bestehen. Eine Tendenz, öfter an Zöliakie zu erkranken, haben zudem Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen, Diabetes mellitus Typ 1 sowie der Schilddrüse. Eventuell spielt auch die Ernährung im Säuglingsalter eine Rolle. Es gibt Hinweise darauf, dass Babys, die bis zum sechsten Monat gestillt werden, ein geringeres Risiko haben, Zöliakie zu entwickeln. Klar belegt ist diese These aber nicht.

Sicherung der Diagnose

Bei Verdacht nimmt der Arzt (Gastroenterologe) Blut ab und fahndet nach Zöliakie-Antikörpern. Zusätzlich sichert er die Diagnose mit einer Gewebeentnahme im Dünndarm ab. Mediziner geben folgendes zu beachten: Wer sich im Voraus glutenfrei ernährt, erschwert die Diagnosestellung. Deshalb sei es wichtig, die Diagnose zuerst abzuwarten und erst dann mit der Therapie zu beginnen.

Zöliakie lässt sich zwar nicht heilen. Mit einer lebenslangen Ernährungsumstellung auf eine glutenfreie Ernährung gehen die Beschwerden aber in den meisten Fällen stark zurück oder verschwinden ganz. Wer sich als Betroffene(r) nicht an eine glutenfreie Diät hält, muss dagegen damit rechnen, dass der Dünndarm mittel- bis langfristig stark geschädigt wird.

Erlaubt und nicht erlaubt

Sabrina und Tina wissen, dass sie nicht alles essen dürfen. Aber immerhin: In Zürich, wo die beiden zu Hause sind, bieten sich ihnen zahlreiche Alternativen. Hörnli zum Beispiel, das Lieblingsgericht von Tina, gibt es in vielen Läden auch glutenfrei zu haben. Schokolade dürfen sie ebenfalls essen, weil sie nicht gleichzeitig unter einer Laktose-Intoleranz leiden, welche oft mit einer Zöliakie einher geht. Und sogar Fondue kommt manchmal auf den Tisch, allerdings nicht mit glutenfreiem Brot, weil das leicht zerbröseln würde. «Aber dann gibt es halt Fondue mit Kartoffeln.»

Glutenfreie Esswaren sind gekenntzeichnet mit dem Symbol durchgestrichener Ähren. Bild: zvg

«Gerste, Roggen, Hafer, Weizeneiweiss, Dinkel, Einkorn»: Im Schnellzugstempo können sie Produkte nennen, die auf der Verbotsliste stehen. Gluten befinden sich nicht nur im Getreide, sondern versteckt auch als Emulgatoren, Trägerstoffe für Aromen oder Bindemittel in verarbeiteten Lebensmitteln wie Gewürzen, Chips oder Wurstwaren. Als Faustregel wird empfohlen, die Zutatenliste nach Weizenstärke, Gerstenmalzextrakt oder Malz zu studieren.

Symbol beachten

Zugreifen dürfen Menschen mit Zöliakie überall, wo auf den Produkten durchgestrichene Ähren sind, das Symbol für glutenfrei. Der Hinweis «kann Spuren von Gluten enthalten», braucht Betroffene nicht zu beunruhigen. Solche Hinweise machen Produzenten vor allem, um sich abzusichern. Eine gewisse Vorsicht ist allerdings in Restaurants angesagt. Als Problem könnten sich verunreinigte Löffel erweisen. In Einzelfällen reichen bei stark Betroffenen schon Spuren von Gluten aus, um innerhalb weniger Minuten heftiges Bauchweh zu erzeugen.

Die beiden Cousinen umgehen diese potenzielle Gefahr. Wenn zum Beispiel irgendwo auswärts eine Geburtstagsparty steigt, nehmen sie das vorbereitete Essen von zu Hause mit. So kann nichts schiefgehen.


Glutenfreie Ernährung

Eine glutenfreie Ernährung braucht weder einseitig noch fad zu sein. Von Zöliakie-Betroffene können jegliche Formen von Obst und Gemüse essen, ebenso naturbelassenes Fleisch und Fisch, Nüsse, Milchprodukte,

Hülsenfrüchte und Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Quinoa, Mais, Reis und Hirse. Zudem ist die Auswahl an glutenfreien Produkten wie Mehl und anderen Ersatzprodukten in den letzten Jahren stark gestiegen.

Ein paar Alternativen für glutenhaltige Lebensmittel:

– Glutenfreies Brot aus Kartoffelmehl, Buchweizen oder Quinoa-Mehl statt «normales» Brot

– Reiswaffeln statt Toast

– Kartoffeln oder Pasta aus Linsen, Kichererbsen oder Bohnen statt Nudeln

– Gepuffte Quinoa, Amaranth oder Hirse statt Müesli-Flocken

– Naturbelassener Fisch oder selbstpanierte Fischstäbchen mit gehackten Nüssen statt Fischstäbchen

– Selbstmariniertes Fleisch mit Kräutern statt Wurstwaren


 

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