StartseiteMagazinLebensart«No Time To Lose»: 150 Jahre Musik- und Tanzkultur

«No Time To Lose»: 150 Jahre Musik- und Tanzkultur

Die neue Ausstellung «No Time To Lose – von Stubeten Dancings und Discos» im Nidwaldner Museum, Salzmagazin Stans ist eine Zeitreise durch 150 Jahre Nidwaldner Musik- und Tanzkultur.

Im Fokus stehen jene Orte und Strömungen, die das musikalische Leben der Regionnachhaltig geprägt haben: Von heimischen Stubeten über mondäne Hotelorchester. Von Discos und Festivals über Hitparadenstürmer aus Punk, Pop und Rock mit Ausstrahlung bis nach Los Angeles und Tokio.


Musikanten auf der Walz: Ils Fränzlis da Tschlin bei Sils, zwischen 1895 und 1918, Kulturarchiv Oberengadin, Zuoz

Musik ist in unserem heutigen Leben allgegenwärtig. Ob beim Feiern, bei der Arbeit oder unterwegs: Musik ist ständig verfügbar. Doch wie fand sie den Weg in unseren Alltag? «No Time To Lose – von Stubeten, Dancings und Discos» erzählt die Geschichte der populären Musik im Kanton Nidwalden in den letzten 150 Jahren.


Gabriel Käslin (in der Mitte) mit seiner «Käslin-Musik», ca. 1910, Beggriäder Mosaik Nr. 32 1999, Beckenried

Das musikalische Vergnügen in Nidwalden wird dabei in seinem Wechselspiel mit Nachbarkanton Obwalden, der Zentralschweiz, der Schweiz und der Welt angeschaut. Von Konflikten mit dem Gesetz über sich wandelnde moralische Vorstellungenbbis hin zu technischen Neuerungen zeigt die Ausstellung, wie sich Musik und Gesellschaft gegenseitig beeinflussten – und bis heute beeinflussen.


Engelberger Dorfmusik (heute Musikgesel/schaft Engelberg), 1896, Privatbesitz Peter Linder, Engelberg

Hits von Volksmusikgrössen und Popstars «made in Nidwalden» sind ebenso zu hören wie in Vergessenheit geratene Songs und Kompositionen.  Von Ländler- und Volksmusik bis zu Schlager. Die Ausstellung verdeutlicht, dass Volksmusik in Nidwalden weit mehr war als ländliche Unterhaltung.


Früher traf man sich zum Vergnügen beim Dancing

Sie prägte das gesellschaftliche Zusammenleben an Stubeten oder Tanzanlässen in Gasthäusern. Eine zentrale Figur war der Beckenrieder Ländlerpionier Gabriel Käslin, der mit seiner «Käslin-Musik» landesweit auftrat. Die Melodie seines «Schäfli-Schottisch»,  wurde später zum Fundament für den Mundartklassiker «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa!» der Minstrels, der 1969 zum internationalen Erfolg avancierte und sich in 27 Ländern über 1.5 Millionen Mal verkaufte.


Im Hotel Krone in Sarnen, Konzert 1912, Damenkapelle Europa-Klänge

Drei Jahrzehnte davor, an der Landesausstellung 1939, wurde der Ländler im Sinne der Geistigen Landesverteidigung noch als Schweizer Nationalmusik präsentiert. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blühte die einheimische Musik auf und Schweizer Schlager wie «Guete Sunntig mitenand», «’s Landi-Dörfli» und das Margritlilied wurden populär. In den darauffolgenden Jahrzehnten löste die Unterhaltungsmusik, geprägt durch Namen wie Hazy Osterwald, die Ländler- und Volksmusik auch in Nidwalden als Tanzmusik ab.


Gabriel Käslin (in der Mitte) mit seiner «Käslin-Musik», ca. 1910

Mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs ab den 1870er-Jahren entstanden in Unterwalden Kur- und Salonorchester, die in den Hotels von Stansstad, Beckenried oder Engelberg spielten. Was zunächst als musikalische Dienstleistung für ein wohlhabendes Publikum begann, wurde in der Zwischenkriegszeit zu einem Wirtschaftsfaktor: Dancings und Hotelbars entwickelten sich zu Orten, an denen Jazz-Bands, Swing und internationale Tanzmusik spielten.

In Ob- und Nidwalden entstanden ab 1850 kleine lokale Musikkapellen, die zum Tanz aufspielten. Hier die «Zusen-Musik», bestehend aus Mitgliedern des Musikvereins Hergiswil, ca. 1900.

Tanzabende wurden nahezu täglich angeboten, und viele Betriebe warben gezielt mit moderner Musik. Gleichzeitig prägten moralische Vorbehalte der katholischen Kirche und gesetzliche Regulierungen Tanz und Vergnügen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Mit der wachsenden Mobilität der Nachkriegszeit und der Verbreitung neuer Medien gelangten auch Rock und Pop nach Nidwalden.


Unterwaldner Tanzstubete

Bands gründeten sich, Kulturorte wie das Chäslager entstanden, und lokale Musikerinnen und Musiker begannen, sich stärker an internationalen Vorbildern zu orientieren. Besondere Aufmerksamkeit in der Ausstellung erhalten drei Formationen, die über die Region hinaus ausstrahlten: Phil Carmen, der in Nidwalden musikalisch sozialisiert wurde und 1985 mit dem Titel «On My Way in L.A.» einen internationalen Hit landete. Why Blood, die mit ihrem Song «Mexicana Hotel» 1980 in Japan Platz sieben der Hitparade belegten.


Älplertanz in Stans 1943

Und die Band Mainstreet, die mit dem Album «No Time To Lose» (dem Titel der aktuellen Ausstellung) 1981 nationale Erfolge feierte und deren Song «Hollywood 26 25 24» 1982 in die Schweizer Hitparade einstieg. Parallel zur Rock- und Pop-Bewegung fanden in Wolfenschiessen zwischen 1980 und 1984 legendäre Punkkonzerte statt, an denen Kulturgrössen wie Stephan Eicher oder Beat Schlatter und Bands wie LiLiPUT mitwirkten.


Ernst Brunner, [Tanz im Wirtshaus], Kanton Bern, 1942,

Wie die Originaltrophäen des Jodlerklubs Wiesenberg für ihren ersten Nidwaldner Nummer-1-Hit der Schweizer Hitparade «Das Feyr vo dr Sehnsucht» zusammen mit Francine Jordi.

Die Ausstellung dauert bis 1. November 2026.

Fotos: Josef Ritler

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.

IBAN CH71 0028 7287 1801 7101 L

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Newsletter & Mitgliedschaft

Lernen Sie uns über den kostenlosen Newsletter kennen und werden Sie Mitglied von Seniorweb.

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Reduzierter Preis beim Kauf einer Limmex Notfall-Uhr
  • Vorzugspreis für einen «Freedreams-Hotelgutschein»
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-