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Age-Dossier: «Zwischendrin – wie verletzliche Menschen altern»

Im neuen Age-Dossier «Zwischendrin» geht es um besonders vulnerable Menschen, die zwischen dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung und nötigem Unterstützungsbedarf ihren Weg suchen.  

Menschen möchten ein selbstbestimmtes Leben führen, Sinnvolles tun und gute soziale Kontakte pflegen. Aber das geht nicht immer. Wir sind verletzlich und wenn Beeinträchtigungen im Alter zunehmen, werden unserer Selbstbestimmung Grenzen gesetzt.

Im Age-Dossier «Zwischendrin» erhalten wir Einblick in herausfordernde Lebensphasen von drei Menschen, die nach passender Unterstützung suchen, wenn Kräfte nachlassen, wenn lebensbestimmende Einschränkungen vieles verunmöglichen, was früher leichter zu bewältigen war.

  1. Ursula Schluep konnte trotz kognitiven Einschränkungen lange selbständig leben. Als es zuhause nicht mehr ging, zügelte sie in ein Wohnheim. Kann ein Wohnheim das frühere Zuhause ersetzen? Wer kann was tun, damit das Wohnheim zu einem neuen Zuhause wird?
  2. Fritz Mühlestein kam gegen Ende der KV-Lehre mit harten Drogen in Kontakt. Es folgten Phasen von Drogenentzug in Kliniken, Aufenthalt in Wohnheimen, Rückfälle, weitere Klinikaufenthalte. Mit 63 arbeitet er halbtags von 8 bis 12 in einer geschützten Arbeitsstelle. «Diese Struktur ist mir eine grosse Hilfe.» Seit 2018 wohnt er in der VESO Wohngemeinschaft Gutschick. Für Administratives und für die Reinigung seines Zimmers erhält er Unterstützung. Wie weiter?
  3. Marianne Brennwald (80) begleitet ihren Partner Ueli Leuenberger (75) seit Jahren in seiner fortschreitenden Demenz? Was kann sie für ihn tun, wann ist es zu viel? «Die Herausforderung für unsere gemeinsame Zukunft liegt darin, für uns beide den ‘richtigen’ Moment zu treffen, an dem ich spüre, jetzt muss Hansueli in eine Institution. Mir ist ganz wichtig, dass es für ihn erträglich ist.»

Hansueli Leuenberger: «Ich möchte für Marianne keine Last sein.» (Foto@Age-Stiftung, Frederic Meyer)

Grundsätzlich gibt es in der Schweiz rechtliche, institutionelle, zivilgesellschaftliche und private Unterstützung. Wann genügen wertvolle Hilfeleistungen von An- und Zugehörigen vollauf? Wann ist es gut, auf Institutionen wie Pro Senectute, Rotes Kreuz, Caritas, Pro Infirmis oder Freiwilligenorganisationen zuzugehen? Können technologische Hilfsmittel als Mobilitäts- und Kommunikationshilfen Erleichterung bringen? Notrufsysteme? Eine smarte Wohnungsausstattung? Wie weit reichen ambulante Versorgungsstrukturen wie Spitex, Betreuungs- und Mahlzeitendienste? Wann erleichtern betreute Wohnformen oder Tages- und Nachtstrukturen den Alltag? Wann sind stationäre Einrichtungen wie Heime passend? Und wer finanziert das alles? AHV, IV, EL, Kranken- und Unfallversicherung, spezielle Leistungen wie Beiträge an Pflege- und Heimkosten, Sozialhilfe?

Für Betroffene und Angehörige ist es oft eine grosse Herausforderung, jeweils den passenden Mix zwischen Selbstbestimmung und Unterstützungsbedarf zu finden. Drei Fachleute, die Inklusionsexpertin Saphir Ben Dakon, der Direktor der Städtischen Gesundheitsdienste der Stadt Zürich Claudio Della Giacoma und der Gemeinderat Daniel Rüetschi aus Suhr beleuchten im Dossier «Zwischendrin» die institutionelle Praxis aus verschiedenen Perspektiven.

Titelbild des neuen Age-Dossiers, das seit 31. März 2026 erhältlich ist.

In der kritischen Synthese sieht die Age-Stiftung Handlungsbedarf. Die Unterstützungsstrukturen seien historisch gewachsen und zum Teil veraltet. Viele Akteurinnen und Akteure würden zu sehr ihr eigenes Terrain pflegen oder es gebe aus rechtlichen Gründen zu wenig Spielraum für Vernetzung und für gemeinsame Übergänge. «So entstehen Leerräume. Es sind Felder, in denen Betroffene zwischen Stuhl und Bank fallen.»

Die Age-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, dazu beizutragen, dass ältere Menschen bis ans Lebensende möglichst selbstbestimmt und gesellschaftlich eingebunden sein können. Deswegen gibt die Age-Stiftung zu diesen Themen Studien heraus, fördert zukunftsfähige Projekte für ältere Menschen und pflegt Partnerschaften zu öffentlichen und privaten Organisationen, welche die Thematik voranbringen.

Im Vorwort des Dossiers sagt Fleur Jaccard, die Geschäftsführerin der Age-Stiftung. «Wir generieren Wissen und teilen Erfahrungen. Wir machen darauf aufmerksam, was fehlt, was stärkt und wo sich Möglichkeiten zur Mitgestaltung auftun.» Angesprochen seien Betroffene, Fachleute und Fachorganisationen und die Öffentlichkeit. Dem kann ich nur zustimmen. Es ist zu hoffen, dass dieses Age-Dossier bei Betroffenen, Angehörigen, Fachleuten und uns, die wir selbst verletzlich sind, die nötige Beachtung findet.

Das neue Age-Dossier «Zwischendrin – wie verletzliche Menschen altern» kann hier kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden.

Titelbild: Ausschnitt aus dem Titelbild des Age-Dossiers «Zwischendrin» mit Marianne Brennwald und Hansueli Leuenberger und der Frage: Wie geht es weiter? (Foto@Age-Stiftung, Frederic Meyer Kontrast.ch)

 

 

 

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1 Kommentar

  1. Es ist wichtig und richtig die Fakten zusammen zu tragen und publik zu machen, was alte Leute beschäftigt. Noch wichtiger scheint mir der nächste Schritt: die Umsetzung niederschwelliger Angebote und die Motivierung Betroffener, sich einzubringen. Zum Beispiel einen wöchentlichen Treff im Quartier. Dort könnten weitere Pläne geschmiedet werden wie z.B. einen gemeinschaftlichen Besuch im Theater oder Kino; einen regelmässigen Buchklub, einen kostenlosen Friseur, einen freiwilligen und kostenlosen Ausflug oder sogar eine Gruppenreise etc.etc.
    Wir sollten den Gedanken loslassen, dass von aussen kommen soll, was Betagten gut tut und Freude macht und auf Eigeninitiative setzen und nicht noch ein «Papier» in die Welt setzen. Schon der englische Titel «New Age» verscheucht doch die meisten. Wir sind hier in der Schweiz und nicht in Amerika. Die alte Generation denkt immer noch mehrheitlich in der Muttersprache.

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