StartseiteMagazinGesellschaftWo die spanische Seele erlebbar und spürbar ist

Wo die spanische Seele erlebbar und spürbar ist

Andalusien, die grosse autonome spanische Region an der Südküste des Landes ist eine wunderbare Reisegegend, besonders im Frühjahr, wenn die Natur sich noch frisch und grün präsentiert. Im Sommer steigen die Temperaturen öfters auf über 40 Grad. Es gibt viel Sehenswertes mit Geschichte, unter anderem die Alhambra in Granada oder die Mezquita Kathedrale in Córdoba.

Wir beginnen unsere Rundreise mit einem Flug nach Málaga, wo wir das Mietauto entgegennehmen und uns auf den Weg nach Ronda machen, eines der bedeutendsten touristischen Ziele Südspaniens. Die aussergewöhnliche Lage auf einem Felsplateau und die Bedeutung als Geburtsstätte des modernen Stierkampfes haben zur Anziehungskraft der Stadt beigetragen. In unserem Fall jedoch waren wir damit beschäftigt, innert Kürze in den vielen kleinen Boutiquen im Stadtzentrum ein Notfallset zusammenzustellen, weil einer unserer Koffer es aus unerklärlichen Gründen nicht bis nach Málaga geschafft hatte. Aber das ist eine andere Geschichte…

Am nächsten Tag reisen wir bereits weiter in die Provinz Cádiz nach Tarifa, ans Meer. Der südlichste Ort des europäischen Festlands liegt an der Strasse von Gibraltar (die hier nur 14 Kilometer breit sein soll) und war einst stets Schauplatz historischer Ereignisse. Der schöne Küstenort bietet einiges. Einst bekannt als kleiner Fischerort leben heute in Tarifa rund 18’000 Einwohner. Bei Wind- und Kitesurfern ist der Ort aufgrund der stets ausgezeichneten Windbedingungen beliebt. Vom Hafen aus sind Fahrten mit der Fähre bis nach Tanger/Marokko möglich. Und bei guten Witterungsbedingungen kann man auch tatsächlich auf den südlichen Kontinent sehen.

Der Geruch des Meeres in Cádiz

Nun geht’s weiter nach Cádiz, eine alte spanische Hafenstadt, die auf einer Landzunge im Südwesten des Landes liegt. Das Besondere daran ist nicht nur, dass die Stadt fast allseitig vom Meer umschlossen ist, sondern auch die längst vergangenen Glanztage, als Cádiz der Sitz der spanischen Marine war. Es lohnt sich, ein paar Tage hier zu verweilen. Einerseits garantiert der Ort Erholung am Meer. Andererseits auch einiges, was sich zu besuchen lohnt, wie etwa die am Ufer gelegene Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert, die Altstadt oder der «Mercado Central», der ausser sonntags täglich von 9 bis etwa 15 Uhr geöffnet ist.

Vom Meer umschlossen: die Hafenstadt Cádiz mit der Kathedrale.

Rund um den Mercado, finden sich viele Tapasbars im sogenannten «Rincón Gastronómico», in denen man sich auch abends verweilen kann. Es lohnt sich allerdings, kurz die geltenden Öffnungszeiten abzuklären. Auf unserer Reise wurden wir vom grossen Stromausfall (Spanien, Portugal und Südwest Frankreich) überrascht. Aber auch hier zeigen sich die Spanier von ihrer entspanntesten Seite. Niemand ärgert sich, man nimmt die Situation so hin, wie sie ist und macht das Beste draus. Auch wenn das Restaurant-Personal die Bestellung wieder auf einem Notizzettel notiert, statt ins elektronische Bestellsystem zu tippen. Lachend die Schultern zucken sie erst dann, wenn man neckisch nach einem Espresso fragt.

Flamenco live im «Las Setas» in Sevilla.

Der Rhythmus des Flamenco

Auch in Sevilla, unserem nächsten Ziel, zeigt sich die spanische Bevölkerung ganz gelassen. Sevilla gilt mit Recht als «Wiege des Flamencos». Es ist stets möglich, diese faszinierende Kunstform des spanischen Tanzes an verschiedenen Orten live zu erleben. Uns gelang es (allerdings im Voraus gebucht) Tickets für eine Vorstellung im «Las Setas» (auch bekannt als Metropol Parasol) zu erstehen. Las Setas (Die Pilze) steht für das 2011 fertig gestellte Bauwerk des deutschen Architekten Jürgen Mayer. Diese grösste Holzkonstruktion der Welt erstreckt sich über die Plaza de la Encarnación und zieht täglich Einheimische wie Touristen an. Bemerkenswert und beliebt sind auch die Bepflanzung und die zahlreichen Sitzmöglichkeiten, wo man sich kurz ausruhen kann.

Verziete Kacheln im «Casa Pilatos» in Sevilla.

In der Stadt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Baudenkmäler, respektive Paläste aus vergangenen Jahrhunderten zu besuchen. Sie bestechen durch ihre Architektur, aber auch durch wunderschön angelegte grosse Gärten mit leuchtenden Blumen. Das Innere dieser Bauten – in unserem Beispiel «Casa Pilatos» – überzeugen mit den bekannten kunstvoll verzierten Kacheln. Die «Azulejos», wie diese heissen, sind bunt bemalte und glasierte Keramikfliesen, die ihre Verbreitung besonders seit dem Spätmittelalter in Spanien und auch Portugal Verbreitung fanden. Innenräume wie auch Fassaden von Palästen, Kirchen, Klöstern und Bürgerhäusern wurden damit geschmückt.

Verbindung von islamischen und christlichen Stilelementen

Diese Form der spanischen, beziehungsweise maurischen Dekorationsform treffen wir nun auch in Córdoba an. Die Kirchen-/Tempelanlage Mezquita liegt mitten in der Altstadt. Neben Muslimen haben hier auch die Karthager, Römer und Westgoten ihre Geschichte hinterlassen. Die weltweit grösste Moschee auf gut 24’000 Quadratmetern Fläche ist ein Besuch wert. Schon die berühmten doppelbögigen Säulenreihen im Rotweiss des arabischen Baustils zeigen die orientalische Architektur, die sich im Wandel der Jahre durch die von Christen erbaute Kathedrale ergänzt hatte.

Die Moschee in der Tempelanlage Mezquilta in der Altstadt von Córdoba.

Kurz zusammengefasst: Die Mezquita gilt als Zeuge für den Frühbarock, die Renaissance, spanisch-flämische Einflüsse sowie griechisch-römische, westgotische wie auch byzantinische Kunst. Wer Zeit hat, kann sich gut einen Tag lang verweilen, es gibt viel zu sehen. Oder wie mein Mann in unser Ferienbuch schrieb: «Selbst 1000 Fotos können das alles nicht wiedergeben.»

Zu Fuss durch die Alhambra: Ein einmaliges Erlebnis

Auch Granada bietet eine Fülle von Sehenswertem. Die arabischen Einflüsse sind auch hier überall sichtbar: marokkanische Fliesen und arabische Lampen zeigen auf, wie nahe Marokko liegt.

Die Alhambra in Granada – ein historisches Gesamtkunstwerk.

Für den Besuch der Alhambra sollte man genügend Zeit einplanen, das wussten wir. Wir haben uns einen privaten Führer geleistet, der uns während dreieinhalb Stunden durch die riesige Anlage lotste und uns geschichtlich und architektonisch perfekt über das historische Gesamtkunstwerk aufdatierte. Dass er  uns geschickt an grossen Touristenmassen vorbei manövrierte, machte alles noch angenehmer.

Der Ursprung der Anlage, die zum Weltkulturerbe gehört und die jährlich von mehr als drei Millionen Menschen besucht wird, ist zwischen dem 9. Und dem 12. Jahrhundert zu finden, wo sie als militärische Zone genutzt wurde. Die Alhambra war aber auch ein Fort, ein nasridischer Palast und eine Medina bis Ende des 15. Jahrhunderts, als sie nach der Rückeroberung Granadas durch die katholischen Könige zu einem christlichen Gerichtshof wurde.

Farben- und lebensfrohes Málaga

Unsere Reise führt uns für den Heimflug zurück nach Málaga, diesem Schmelztiegel von geschäftigen Einheimischen, wissbegierigen Touristen in einer lebensfrohen Ambiance, die täglich von neuem startet. Vorher aber besuchen wir den Mercado Central de Atarazanas, einer der lebendigsten und farbenfrohesten Orte Málaga. Die zentrale Markthalle ist nicht nur ein traditionsreicher Platz, sondern auch ein Ort, an welchem Geschichte, Architektur und andalusische Lebensart zusammentreffen. Genauso, wie man sich das südliche Spanien vorstellt. Lebensfroh, laut und bunt.

Der Mercado Central de Atarazanas in Málaga verkörpert die andalusische Lebensart.

Titelbild: Las Setas (die Pilze) in Sevilla gilt als die grösste Holzkonstruktion der Welt. Fotos: Annamaria Ress


Annamaria Ress wirkt seit gut 40 Jahren beruflich im Journalismus. In dieser Zeit fischte sie viel in «lokalen Teichen», besuchte zahlreiche Gemeindeversammlungen, recherchierte über Neu- und Umbauten und schrieb viele Portraits über Menschen, die sich ihr öffneten. Acht Jahre wirkte sie im Gemeinderat ihres Wohnortes mit und absolvierte die Ausbildungen «Politische Kommunikation» (ZHAW) und «Redaktions-Management» am MAZ Luzern. Ausserdem war sie fast 16 Jahre lang Chefredaktorin von zwei lokalen/regionalen Magazinen. Bis heute erachtet sie diese Aufgabe als eine der schwierigsten in ihrem Beruf, aufgrund von herausfordernder differenzierter Nähe und dennoch nötigem Abstand zu den Menschen und ihren Anliegen. Vorangehend war sie etliche Jahre beim «Anzeiger von Uster» und «Zürcher Oberländer» als Redaktorin tätig und nahm viele Aufträge als freie Journalistin wahr. Die Begeisterung für Menschen und ihren Biografien nimmt für die «Geschichtensammlerin» kein Ende, weshalb sie sich als Autorin bei Seniorweb engagiert. annamaria@ress.ch

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