StartseiteMagazinGesundheitZucker – Genuss und Gefahr

Zucker – Genuss und Gefahr

Fettleber, Übergewicht, Karies und Diabetes, das sind nur einige der gesundheitlichen Probleme, die ein zu hoher Zuckerkonsum bewirkt. Eine Zuckersteuer muss her! Fordern die einen. Die gönnen uns auch gar nichts, denken andere. Dabei wäre es doch einfach: Masshalten! Nicht mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag – und viele Probleme wären vom Tisch.

Zucker, das ist nicht etwas, was man sich im Laufe der Jahre angewöhnt hat. Bereits die Muttermilch ist süss und die Extraktion von Süssstoff aus Pflanzen ist über 8000 Jahre alt. Lange galt Zucker als Luxusgut, aber mit der industriellen Produktion wurde es zum allgegenwärtigen Genussmittel – und zum Krankmacher.

Dabei muss präzisiert werden: Fructose, in Früchten und der Milch enthalten, ist, in normalen Mengen genossen, kein Problem. Fructose oder Fruchtzucker lässt den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen wie Glukose, der vor allem in süssen Früchten wie Trauben oder Bananen und in stärkehaltigen Produkten wie Kartoffeln und Getreide vorkommt.

Zucker begleitet uns seit der Geburt. Und Süssigkeiten sind nicht nur für Kinder verführerisch.

Aber diese Differenzierung ist zweitrangig. Fakt ist: Bei den meisten von uns ist der Zuckerkonsum viel zu hoch. 25 Gramm täglich sollten es sein, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, wobei der in Früchten und der Milch enthaltene Zucker nicht miteingerechnet werden muss.

Eine Zuckerbilanz

Aber rechnen wir mal zusammen: Drei, vier Würfelzucker in den täglichen Kaffees, dazu mal ein Guetzli, mal ein Stückchen Schokolade. Am Morgen ein gesundes Müesli, ein Brot mit der köstlichen Erdbeerkonfi, am Mittag Vitamine in Form von Salat mit dem super Dressing vom Traiteur, am Nachmittag eine Glace zur Erfrischung und vor dem Schlafen ein Bettmümpfeli. Das in der Schokolade enthaltene Serotonin soll ja schlaffördernd sein.

Da kommt einiges zusammen. Ist aber noch nicht alles. In den industriell gefertigten Lebensmitteln versteckt sich häufig Zucker: Ob Pizza, Dressings, Fertigsuppen, Ketchup, Würste, Joghurt, Salatsaucen, Brot und vieles mehr, Zucker ist ein Geschmacksträger, der gerne und reichlich eingesetzt wird.

Fruchtsäfte und Smoothies sind ja fast gesund – wenn da nicht der hohe Zuckeranteil wäre.

Dazu kommen die Getränke. Ob in Orangensaft, Süssmost, Limonaden, Cola, Tonic, Softdrinks, Ice Teas oder Smoothies, überall ist reichlich Zucker enthalten. Nur Wasser ist neutral, kann aber mit etwas Zitrone, einem Zweig Pfefferminze oder Zitronenmelisse aromatisiert oder als selbst gebrauter Kräutertee genossen werden.

Zuckerersatzstoffe sind auch keine Lösung

Wer jetzt auf die Idee kommt, auf Zuckerersatzstoffe auszuweichen, kann das süsse Leben leider trotzdem nicht unbeschwert geniessen. Zuerst einmal: Ahornsirup, Rohrohrzucker, Birkenzucker, Kokosblütenzucker oder Honig sind, auch wenn sie Mineralien oder Vitamine in Kleinstmengen enthalten, nicht besser oder gesünder als Haushaltzucker. Vielleicht mit etwas Karamell gefärbt, was aber nur optische Auswirkungen hat.

Synthetische Süssstoffe und Zuckeraustauschstoffe haben zwar Vorteile, zum Beispiel in Bezug auf Karies und Diabetes, aber eben auch Nachteile. Üblicherweise werden sie ja als Hilfe beim Abnehmen empfohlen. Wer erinnert sich nicht an die Assugrinspender, die vor Jahren in so vielen Damenhandtaschen mitgeführt wurden. Sie sind verschwunden. Wohl, weil die meisten Konsumenten merkten, dass sie nicht viel nützten.

Kalorienfrei, aber satt wird man davon nicht

2023 wurde im Auftrag der WHO eine systematische Untersuchung durchgeführt, die zeigte, dass die Zuckeraustauschstoffe zwar kalorienfrei sind, aber auch keinen Einfluss auf die Sättigungshormone haben. Dafür wurden sie mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen in Verbindung gebracht und, wenn sie aus geschmacklichen Gründen in Kombination mit normalem Zucker verwendet wurden, den Blutzuckerspiegel stärker ansteigen liessen als Zucker allein. Das hemmt nicht nur die Fettverbrennung, es löst auch wieder Heisshunger aus.

Wer Süsses liebt, muss jetzt ganz stark sein: Mehr als ein Truffe sollte es nicht sein, sonst ist die Gefahr für die Gesundheit grösser als der Genuss. (Alle Bilder pixabay)

Wichtigste Erkenntnis ist aber wohl, dass die synthetischen Zuckerersatzstoffe das schlechte Gewissen überlisten, anstatt mithelfen, den Zuckerkonsum zu reduzieren. Denn das ist der einzige sinnvolle Weg: die Verhaltensänderung. Also weniger verarbeitete Lebensmittel konsumieren oder zumindest die Zutatenliste und Nährwerttabellen auf den Verpackungen konsultieren, beim Kochen und Backen weniger Zucker verwenden und ganz allgemein bei Süssem ein gesundes Mass finden. Ein persönlicher Tipp: Schokolade in kleinen Stücken langsam im Mund zergehen lassen. Dämpft die Lust auf Süsses, ohne dass auf einmal die halbe Tafel weg ist.

 

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