Die Ausstellung «Bankenland Schweiz» im Landesmuseum Zürich zeigt die Geschichte des Schweizer Bankwesens von der Antike bis zur digitalen Finanzwelt. Neben historischen Objekten wird auch die Rolle des Vertrauens, der Krisen und der Wandel des Bankenalltags beleuchtet.
«Bankenland Schweiz», die neue Schau im Landesmuseum in Zürich geht der Frage nach, wie aus einem kleinen Alpenland einer der bedeutendsten Finanzplätze der Welt wurde. Dabei wird der Bogen von den ersten Geldgeschäften der Antike bis zur heutigen digitalen Finanzwelt gespannt und gezeigt, wie eng das Schweizer Bankgeschäft mit der Geschichte des Landes verbunden ist.
Nationalbank in Bern. Das Gebäude des Architekten Eduard Joos (1869-1917) wurde von 1907-1912 geplant und gebaut. Foto: Photo-House Rüedi S.A., Lugano 1956
Wer sein Geld nicht unter der Matratze oder im privaten Tresor verstecken will, bringt es zur Bank. Der Bank vertraut man. Hier wird unser Vermögen nicht nur verwahrt, sondern noch vergrössert, zumindest in guten Zeiten. Bevor es Banken gab, vergruben die Menschen ihr Geld im Boden. Solche Münzhorte sind aus der Antike und dem Mittelalter in grosser Zahl überliefert. Aus der römischen Zeit sind über 17’000 Münzhorte mit zusammen über sieben Millionen Münzen von Portugal bis nach Ostasien bekannt.
Neuzeitlicher Münzhort von Ueberstorf FR. Auswahl französischer Goldmünzen und Schweizer Silbermünzen, nach 1555
Bereits in der Antike und im Mittelalter kannten Gesellschaften mit einer auf Geld basierten Wirtschaft Geldwechsel, Kreditvergabe und Vermögensverwaltung. Der Vater des römischen Kaisers Vespasian machte als Geldleihgeber auf dem Gebiet der heutigen Schweiz Kreditgeschäfte. Mit dem Aufkommen des Christentums waren Zinsgeschäfte durch das Wucherverbot nicht mehr erlaubt. Die Herrschenden verpflichteten deshalb Nicht-Christen, hauptsächlich Juden, im Geldverleih tätig zu sein. Das führte dazu, dass im Umfeld der ersten Pestwelle Mitte des 14. Jahrhundert vielerorts Juden vertrieben oder ermordet wurden. Man schob ihnen die Schuld an der Pest zu und entledigte sich seiner Schulden bei den Kreditgebern. In Basel, in Zürich und anderswo wurden 1348 der jüdische Friedhof verwüstet und die in der Stadt verbliebenen Juden umgebracht.
«Der Geldwechsler und seine Frau», Ölgemälde auf Holz aus dem Jahr 1514 des flämischen Künstlers Quentin Massys (1466-1530). Foto: Wikimedia Commons
Im 15. und 16. Jahrhundert wanderten andere auf das Kreditwesen oder auf den Geldwechsel spezialisierte Personen ein und glichen ihr unternehmerisches Risiko durch horrende Zinsen aus: Norditalienische Geldhändler und Pfandleiher, «Lombarden» genannt, aber auch «Kawertschen», südfranzösische Geldhändler. In der Folge setzte die Obrigkeit Vorgaben wie Höchstzinsen fest. Ab dem 17. Jahrhundert übernahmen einheimische Privatbankiers das Geldgeschäft und boten ihren Kunden Anlegemöglichkeiten an. Ab 1752 wurden Staatsbanken gegründet, die als Kreditgeber ganze Wirtschaftszweige wie das Textilgewerbe oder den Detailhandel stützten.
Wechslerwaage von Jacques Blanc aus Genf, um 1700, und ein Set von Münzgewichten für die verschiedenen Währungen.
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wandelte sich die Schweizer Geldwirtschaft. Persönlichkeiten wie Alfred Escher (1819-1882) ebneten den Weg zu einem modernen Bankensektor. Für die Finanzierung des Gotthardtunnels gründete er 1856 die ehemalige Schweizerische Kreditanstalt, später Credit Suisse. In allen Kantonen entstanden Kantonalbanken. Heute halten die 24 noch bestehenden Kantonalbanken 30 Prozent des Inland Bankengeschäfts der Schweiz.
Alfred Escher Denkmal vor dem Hauptbahnhof Zürich. Als treibende Kraft der Industrialisierung transformierte Alfred Escher die Schweiz in einen modernen Staat, baute das Eisenbahnnetz auf, gründete die Credit Suisse und etablierte die heutige ETH Zürich. Foto: rv
Die erste Sparkasse in der Schweiz wurde 1812 gegründet. Arbeitnehmer der Industrie legten ihr Erspartes auf einem Sparheft an. Im Jahr 1850 gab es in der Schweiz 181 Banken, 150 davon waren Sparkassen. Sie vereinigten die Hälfte der auf Schweizer Bankkonten liegenden Gelder. Bis 1987 konnten verheiratete Frauen, obgleich sie meistens das Haushaltsgeld verwalteten, kein eigenes Bankkonto eröffnen. Kinder wurden mit einem Sparheft zum Sparen animiert. Ich erinnere mich noch gut an mein schweres dunkelgraues «Sparkässeli», das wir hin und wieder zur Sparkasse an der Zürcher Bahnhofstrasse brachten. Die Schalterhalle wirkte auf uns Kinder mächtig und ehrfurchtgebietend.
Sparbüchse der Leih- und Sparkasse vom Linthgebiet, 1967-1970. Die heute unter dem Namen «LLB Schweiz» bekannte Leih- und Sparkasse vom Linthgebiet wurde 1848 in Uznach SG gegründet.
Die Schau stellt auch die Gründung der Schweizerische Nationalbank (SNB) vor, die ab 1907 als unabhängige Zentralbank die Geld- und Währungspolitik der Schweiz führt. Sie ist keine gewinnorientierte Geschäftsbank, sondern regelt den Geldumlauf und berät den Bund in Währungsfragen. Ihre Hauptaufgabe ist die Stabilität des Schweizer Frankens. Interessant ist auch zu erfahren, dass die Schweizer Banken vor 1907 ihre eigenen Banknoten druckten.
Bank in Basel, Banknote zu 50 Franken, Zug 1879.
Banken stehen in der Schweiz bis heute für Diskretion, Sicherheit und Stabilität. Das Thema Vertrauen ist die Grundlage jedes Bankgeschäfts. Doch zeigt die Ausstellung auch, dass dieses Vertrauen immer wieder erschüttert wurde: durch Bankenkrisen, Diskussionen um das Bankgeheimnis oder jüngste Ereignisse wie die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS. Von diesen Herausforderungen aus wird eine Brücke zur heutigen digitalen Welt geschlagen, vom E-Banking bis zur Kryptowährung. Technische Innovationen haben den Umgang mit Geld massiv verändert. Durch das Vertrauen in die digitale Verwaltung der Bankgeschäfte schwindet die persönliche Beziehung zur eigenen Bank.
Titelbild: Schweizerische Kreditanstalt am Paradeplatz in Zürich, wurde nach Plänen von Jakob Friedrich Wanner (1830-1903) zwischen 1872 und 1877 erbaut. Historische Aufnahme um 1885.
Alle Fotos: © Schweizerisches Nationalmuseum
Bis 8. November 2026
«Bankenland Schweiz» im Landesmuseum Zürich. Weitere Informationen finden Sie hier

