StartseiteMagazinKultur«Artiste étoile» Augustin Hadelich begeistert am Lucerne Festival

«Artiste étoile» Augustin Hadelich begeistert am Lucerne Festival

Das Lucerne Festival ist eröffnet! Unter dem neuen Intendanten Sebastian Nordmann gab es ein zweitägiges „Pre-Opening“: am 13. August ein „Klassik für alle: Open Air“ auf dem Europaplatz, und die Live-Übertragung des Eröffnungskonzerts „Lakeside Symphony“ auf dem Inseli.

Man möge mir verzeihen, aber mir liegen solche Events und mit Reden versetzte Konzerte nicht. So entschied ich mich für das erste Konzert nach der Eröffnung am Samstag. Hier stellte sich der Geiger Augustin Hadelich vor, der diesjährige „artiste étoile“ des Festivals. Hadelich hat in den USA studiert und Karriere gemacht, geboren ist er aber in Italien als Sohn deutscher Eltern. Bereits als Zwölfjähriger gab er sein Debut beim Lucerne Festival.

Aus den USA nach Europa

Mittlerweile hat sich Hadelich auch in Europa etabliert. Er trat mit dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem Gewandhausorchester Leipzig und mit dem Tonhalle-Orchester Zürich auf. Im Spätsommer geht er mit den Berliner Philharmonikern auf Europatournee, und in der kommenden Saison sind Residenzen beim Konzerthaus Wien und in der Elbphilharmonie Hamburg geplant.

Hadelich ist ein stilistisch vielseitiger Geiger. Neben den grossen klassischen Konzerten spielt er auch Jazziges. Für seine CD „American Road Trip“ mit Werken amerikanischer Komponistinnen und Komponisten, Jazz und Folk erhielt er 2025 den Opus Klassik. Sein Profil passt also ausgezeichnet zum diesjährigen Festivalthema „American Dreams“.

Der Geiger Augustin Hadelich mit dem Lucerne Festival Orchester. (Bilder Lucerne Festival/ Patrick Hürlimann)

Im Konzert vom Samstag präsentierte Hadelich das Violinkonzert op. 14 des damals 28jährigen Amerikaners Samuel Barber (1910-1981). Aufmerksam begleitet hat ihn das Lucerne Festival Orchestra unter Klaus Mäkelä. Dieses Violinkonzert ist ein unkonventionelles Werk in konventioneller Form. Klassisch-schlank instrumentiert, ist es harmonisch interessant und feingliedrig gesetzt. Eröffnet wird es mit einem dahinströmenden Moderato, der Schlusssatz ist ungewöhnlich leicht und hoch virtuos, ein spritziges „Presto in moto perpetuo“.

Hadelich liebt dieses Konzert voller Überraschungen. Und er spielt es auch so. Sein Ton ist schlank und eher im Orchesterklang aufgehoben als darüber hinausstrahlend. Dennoch ist sein Spiel stets deutlich hörbar, auch wegen des von Klaus Mäkelä hervorragend transparent gehaltenen Festival-Orchesters. Diese farblichen Nuancen, diese innigen Kantilenen und die hoch empfindsame Gestaltung – gebannt hörte man Hadelich zu. Zarte, perfekt intonierte Flageoletts gingen einher mit einem prickelnd-spritzigen Finale – das Publikum war hell begeistert.

Farbenprächtiger „Feuervogel“

Als Gegenpol zu Barber stand Igor Strawinkys „Feuervogel“-Ballett. Auch dieses 50minütige Orchesterwerk ist ein erster Geniestreich, der Russe war damals erst 28jährig. Zu diesem Auftrag kam er unverhofft. Der legendär Ballett-Impresario Sergej Diaghilew hatte für diese Ballettmusik mehrere arrivierte russische Komponisten angefragt, und alle lehnten ab. Der junge Strawinsky witterte seine Chance und schrieb diese farbenprächtiges und mitreissende Ballettmusik in nur sechs Monaten.

Der erst 30jährige finnische Dirigent Klaus Mäkelä bestach durch die Klangbalance, mit der er das Orchester führte.

Im Konzert war dieser „Feuervogel“ die Stunde des Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung des erst 30jährigen finnischen Dirigenten Klaus Mäkelä. Strawinskys rhythmisch komplexe, farbenreich instrumentierte Partitur mit diesen wunderbaren Musikern zu hören, kam einer Offenbarung gleich. So riesig die Besetzung war, Mäkele hatte die Klangbalance des Orchesters immer unter Kontrolle. Die schnellen Wechsel von wuchtigen Ausbrüchen zu den leisen, kammermusikalischen Passagen gelangen brillant.

Das Beste vom besten

Das Lucerne Festival Orchester vereint die besten Musikerinnen und Musiker aus namhaften Orchestern – einige davon gastieren ja auch in Luzern. Strawinskys Feuervogel-Musik habe ich noch nie so transparent und im Zusammenspiel perfekt gehört. Diese Klangkontrolle, diese Ausdruckskraft, diese musikalische Hingabe waren von einem anderen Stern.

Klaus Mäkelä dirigierte auswendig und strahlte eine bewundernswerte Ruhe aus. Er leitete das riesige Orchester mit viel Übersicht und einer klaren, ganz von der Musik beseelten Gestik. Seine verinnerlichte Kraft und seine hoch musikalische Empfindsamkeit gehen einher mit viel Lust und Freude am Musizieren. Begeisterter Applaus auch für diese grandiose Leistung.

www.lucernefesstival.ch
13.08. – 13.09. 2026

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