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Mit KI Kunst machen

Das Aargauer Kunsthaus in Aarau präsentiert mit der Ausstellung «Künstliche Kreativität» Werke von vierzehn Kunstschaffenden, die die neue Technologie der KI auf vielfältige Weise nutzen und sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Maschine auseinandersetzen.

Bei der Erfindung neuer Technologien gehören Kunstschaffende stets zu den Ersten, die lustvoll damit experimentieren. So knüpft auch die Künstliche Intelligenz an frühere Medienumbrüche in der Kunst an: vom Buchdruck zur Druckgrafik, von Fotografie, Film, Video bis zur Digitalisierung. Trotz grosser Befürchtungen führten diese Neuerungen nicht zur Abschaffung bestehender Medien, sondern begünstigten neue Ausdrucksformen.

Im Vermittlungsraum ist das Publikum eingeladen, die Möglichkeiten und Grenzen von KI zu erkunden und zu erleben. Foto: rv

Die Arbeiten in der Ausstellung Künstliche Kreativität im Kunsthaus Aarau zeigen, wie unterschiedlich KI eingesetzt wird: als Werkzeug, als Teil des kreativen Prozesses auch in Beziehung mit dem Publikum. Dabei entstehen neue Fragen: Wie verändern sich künstlerische Prozesse? Was heisst Autorschaft, wenn Maschinen an Bildern, Texten oder Entscheidungen beteiligt sind? Und wer trägt Verantwortung, wenn kreative Arbeiten zunehmend mit KI entstehen?

Robi Voigt (*1979), «QUANTUM DREAMS. AARGAU», 2026. Foto: David Aebi, Burgdorf

Robi Voigt trainierte eine generative KI mit Abbildungen von Sammlungswerken des Aargauer Kunsthauses. Aus den erzeugten Bildsequenzen hat er ein Video erstellt und mithilfe von KI den gesprochenen Kommentar dazu generiert. Als Betrachterin steht man mitten in einem Flow von sich schnell bewegenden Videoszenen und versucht, eines der bekannten Bilder aus der Sammlung zu erkennen. Was aber nur selten gelingt.

Ausstellungsansicht. Niculin Barandun (*1987), «Neural Fiction», 2024. Die Projektion reagiert auf die Körperhaltung der Betrachtenden, wie etwa auf den Besucher links oder auf die Fotografin rechts. Foto: rv

Im Videotriptychon Neural Fiction von Niculin Barandun wird das Bild der Besuchenden in Echtzeit von generativer KI in wechselnde psychedelische Szenen versetzt. So nimmt eine Figur auf der Projektion vorübergehend meine Haltung beim Fotografieren ein. Für Niculin Barandun ist KI keine Effektmaschine, sagt er im Katalog: «Meine Arbeit macht spielerisch erfahrbar, wie gesellschaftliche Konventionen Identität formen und sich in den Daten niederschlagen, mit denen KI lernt.»

Theresa Reiwer (*1987), «Lasting Generation», 2024. Videostill aus Mehrkanal-Videoinstallation, in Zusammenarbeit mit David Egger, HAU Hebbel am Ufer, Hauptstadtkulturfonds. © Theresa Reiwer

Auch in der Arbeit von Theresa Reiwer, die in Berlin arbeitet, erscheinen die Besuchenden als KI-generierte Echtzeitanimationen in einer psychedelischen Welt. Die Künstlerin entwirft in ihrer Videoinstallation Lasting Generation eine utopische Vision von KI und inszeniert ein fiktives Symposium, in dem fluide Avatare über ein verantwortungsvolles Miteinander von Natur, Mensch und Technologie verhandeln.

Monica Studer (*1960), Christoph van den Berg (1962), «HALLUC» (still # 163), 2024. Screenshot auf VR-Animation. © Monica Studer, Christoph van den Berg

Was Wahrheit und was Fiktion ist, ist für Kunstschaffende zentral, besonders wenn sie mit KI arbeiten. Theresa Reiwer erinnert sich, wie KI bei einem drängenden Softwareproblem eine Lösung vorgab, doch was so schlüssig schien, war frei erfunden. Modelle wie Large Language Models (LLMs) werden darauf trainiert, plausibel zu wirken, erklärt sie, und nicht darauf, wahr zu sein. So stellen auch Monica Studer und Christoph van den Berg in ihrem Video Putumayo das Thema Wahrheit in den Mittelpunkt. Die scheinbar dokumentarischen Videointerviews mit einem Wissenschaftler wirken glaubwürdig, sind aber KI-generiert, während die Echtzeitanimation mit Szenen aus dem Amazonas ohne KI auskommt.

Hochschuh & Donovan (Katrin Hochschuh *1986 und Adam Donovan *1974), «Interconnected», 2025. Foto: © Dana Schmidt

In einem abgedunkelten Raum entdeckt man Interconnected von Hochschuh & Donovan. In einem grossen Kreis am Boden bewegt sich ein Schwarm von 50 kleinen massgefertigten beleuchteten und tönenden Robotern. Steht man am Rand des Kreises und bewegt die Hand, kommen sie auf einen zu. Automatisch versucht man wie im Zoo, die kleinen Roboter heranzulocken. Bei dieser Arbeit geht es dem Künstlerpaar um menschliche Emotionen, die KI auslösen kann: «KI ist zur sozialen Akteurin geworden, die unsere Gesellschaft unbewusst, emotional und letztlich auch politisch prägt».

Tobias Gutmann (*1987) & Sai Bot (KI-System, seit 2019), «Face-o-mat», seit 20013. Hier kann man sich mit der vom Künstler trainierten KI «Sai Bot» ein Selbstporträt herstellen. Foto: David Aebi, Burgdorf

Die Begegnung zwischen Menschen, Kulturen und Orten ist ein Kernthema im Schaffen von Tobias Gutmann, der in Papua-Neuguinea geboren, heute in Zürich lebt und arbeitet. Im Rahmen seines Face-o-mat Projekts begegnete er über 5000 Menschen auf der ganzen Welt und porträtierte sie in abstrakten Formen. Aus diesem Projekt entwickelte er seinen Künstlerzwilling Sai Bot. Eine künstliche Intelligenz, die von mit ihr agierenden Menschen ein Bild in Gutmanns Zeichenstil herstellt. Mit diesem transmedialen Projekt erforscht er eine neue Art der kreativen Begegnung zwischen Mensch und Maschine, die ihn selbst gewissermassen ersetzt.

Titelbild: Ausstellungsansicht. Foto: David Aebi, Burgdorf

Bis 10. Januar 2027
Künstliche Kreativität im Aargauer Kunsthaus in Aarau, in Kooperation mit dem HEK (Haus der Elektronischen Künste, Basel)
Katalog zur Ausstellung mit verschiedenen Essays und Interviews mit den beteiligten Kunstschaffenden zu ihrer Arbeit mit KI. ISBN 978-3-03747-134-0

 

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