Bei der Diskussion über Verträge mit der EU, den sogenannten Bilateralen III, spielte Gesslers Hut eine Rolle. Dieser Hut schaffte es bis auf eine Seite der NZZ. Da sitzt der blaue Hut mit einem mit EU-Sternen besetzten Rand auf einer Stange Zum Bericht über die homerisch lange Debatte, wo viele versuchten, ein Haar in der Suppe zu finden, erwähnte die Urner Ständerätin Heidi Z’graggen den Gessler-Hut mehrmals. Dabei führte dieser Hut doch zur wunderbaren Entstehung der Eidgenossenschaft. Den Urnern schenkte er den Mythos Tell und die grosse Erkenntnis, dass sie sich in ihrer Lage nicht isolieren sollten. Sie sprachen in Schwyz und in Unterwalden vor und luden aufs Rütli ein.
Im Angesicht der listreichen Zeit wollten sich die Urner aus der Isolation befreien, um Partner zu gewinnen. Man muss Gesslers Hut als ein Glückszeichen betrachten. Er war ein Ansporn zu einem Bund, der sich Eidgenossenschaft nannte.
Viele Rednerinnen und Redner, die den EU-Vertrag ablehnten, gingen nicht präzis auf ihn ein. Dies bemängelte der genaue Kenner und grosse Föderalist Benedikt Würth. Er sprach von faktenfreien Voten. Er hielt dies auch seinem Freund und Banknachbarn Beat Rieder vor, welcher ausgeführt hatte, er könne das Vertragspaket nicht einmal einen Kolonialvertag nennen, dies wäre noch zu harmlos.
Dass die Bilateralen III einen Unterwerfungsvertrag darstellen, wird uns schon lange eingebläut. Dieses Schlagwort leitet die Wahrnehmung. Die Gegner suchen in den äussersten Verzweigungen dieses neuen Wurzelwerks nach Anhaltspunkten, um es schlecht zu reden. Der Sozialdemokrat Cédric Wermuth fand denn auch: «Man darf vor lauter Kommas den Blick für das grosse Ganze nicht verlieren». Das war eine schöne Umdeutung des geflügelten Wortes: «Vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen».
Betrachtet man die faktengestützten Reden, sitzt der EU-Hut auf einem recht freundlichen Kopf, der bereit war, mit der Schweiz auf Augenhöhe zu verhandeln. Nach zähem Ringen musste der Bundesrat eingestehen, dass ein guter Vertrag vorliege, der die Ziele erreiche, die er sich gestellt hat
In der krisenhaften Zeit von heute führt dieser zu einem Einvernehmen unseres Landes mit der EU als dem wichtigsten Wirtschaftspartner. Auf jeden Fall bleibt unser Land im Gespräch mit der Europäischen Union. In der aktuell unsicheren Zeit, wo an den Grenzen zu Europa überall Hüte auf Stangen stehen, braucht die Schweiz mehr denn je wohlgesinnte Nachbarn.
Auf die Frage, was eine Ablehnung bedeuten würde, flüchtete sich ein Gegner in den faktenfreien Konjunktiv und rang sich schliesslich zum trotzigen Glauben durch: «Die Schweiz hat es immer geschafft, sich aus schwierigen Situationen zu befreien. Sie besitzt unglaubliche Stärken, diese haben sie auch so unglaublich stark gemacht.» Obwohl die Schweiz ein Land ist, das sich nicht verteidigen und nicht einmal sicher Drohnen abwehren kann, glaubt er noch immer an ihre Stärken. Sich in der Mitte Europas einigermassen sicher fühlen zu können, schenkt etwas Zufriedenheit. Und weil die Gessler-Hüte weit weg an anderen Grenzen stehen, dürfen wir es wagen, die Stärke als selbstbestimmte Kraft zu loben.
