Gesellschaft

Mit den Enkeln ausfliegen

Startpunkt Winterthur: Kleine Reisen mit kleinen Menschen

Grosseltern kennen die Situation: Ein mehrtägiger Besuch der Enkel steht bevor. Der Wetterfrosch kündigt Regentage an. Ein Schlachtplan tut not – schon damit das Haus nach dem Enkelbesuch nicht vollkommen auf dem Kopf steht und es Tage dauert, es wieder in den gewohnten Zustand zu versetzen. Der Plan enthält Tagesausflüge in die Region in Kombination mit UHU-Aktivitäten: «Ums Huus umme».

Alle wollen ins Technorama!

Winterthur ist kein schlechter Ausgangsort. Einen Besuch wert ist immer wieder das Technorama, das heute den stolzen Namen «Swiss Science City» trägt. Es kommt als Erstes auf die Schlachtplanliste, denn dieser Ort bietet auf drei Etagen Faszinierendes zum Anfassen für Jung und Alt. An den über fünfhundert Experimentierstationen kann man durch Be-greifen Zusammenhänge begreifen. Bis 25. August ist zudem das MobileMusikMuseum zu Gast – ein tolles Musikerlebnis mit Platsch- und Plantschklavier, mit Gluckertröten, Schwimmtrommeln, Tauch- und Wellengongs.

Wasserspiele vor dem Technorama

Wenn allerdings acht Reisecars vor dem Eingang stehen und sämtliche Parkplätze belegt sind, vertagt man diesen Besuch doch lieber – so geschehen am ersten Tag des Enkelbesuchs. Muss man schon vor dem Eingang Schlange stehen, wird das Gedränge drin entsprechend gross sein.

Attraktionen in Stein am Rhein

Zum Glück stehen auf der Aktivitätenliste noch andere Ziele, die sich für schlechtes Wetter eignen. Zum Beispiel das Wohnmuseum «Lindwurm» in Stein am Rhein (Unterstadt 18). Die Fahrt dorthin ist von Winterthur aus gerade noch kurz genug, ohne dass alle fünf Minuten aus dem Fond des Wagens eine hohe Stimme fragt: «Wann sind wir endlich da?»

Der schöne Riegelbau des Museums, das eigentlich ein Wohnhaus ist, demonstriert bürgerliche Wohnkultur im 18. Jahrhundert. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene wandern mit Spass durch die vielen Räume, die liebevoll mit alten Originalmöbeln und Bildern bestückt sind. Man erklimmt die Stockwerke bis zum Dachstock, um dann in das spartanisch eingerichtete Gesindehaus hinüberzuwechseln und die kargen Lebensbedingungen der Knechte und Mägde dieser Zeitepoche kennenzulernen. In einem Kinderzimmer dürfen die Kinder altes Spielzeug ausprobieren und sich verkleiden.

 

Verkleiden macht Spass, besonders in alten Bauernmöbeln

Im Hof leben ein paar echte Hühner, und ein echter Hahn kräht. Erstaunlicherweise laufen viele Besucher an diesem Bijou von Museum vorbei, weil sie seine Besonderheit gar nicht realisieren.

Neben seinen pittoresk bemalten Bürgerhäusern bietet Stein am Rhein noch zahlreiche weitere Attraktionen. Mit den Enkeln im Schlepptau bietet sich auch im Hochsommer das Krippenmuseum an, «KrippenWelt Stein am Rhein» (Oberstadt 5). Es ist im ältesten, noch original erhaltenen Haus der Stadt, Baujahr 1302, zu finden und zeigt – jährlich wechselnd – jeweils fünf- bis siebenhundert Krippen aus aller Welt.

Krippen spiegeln den Ort ihrer Herstellung – irgendwo in der christlichen Welt

Darunter ist auch eine raffiniert beleuchtete und animierte Hirtenszenerie, in der sich Figuren bewegen, eine Kuh wiederkäut, ein Wasserfall strömt, wo es Nacht und wieder Tag wird und auch einmal kurz schneit. Durch geschickte Verspiegelung wirkt der Schaukasten riesig gross und zieht auch zappelige Kinder erstaunlich lange in seinem Bann.

Hohenklingen wurde 1457 von den Bürgern von Stein am Rhein gekauft

Auch die Burg Hohenklingen (rechts) hoch über dem Städtchen ist ein Anziehungspunkt für Kinder. Man kann das Innere besichtigen, steile Treppen erklettern und durch Schiessscharten blicken. Von oben sieht man die gesamte Rhein- und Seenlandschaft.Und wer Glück hat, passiert beim Bummel am Rheinufer Unerwartetes: Ein rund zwölfjähriger Bub zieht mit der Angel einen rechten Burschen von Fisch aus dem Wasser, schlägt ihm mit einem Metallstab auf den Kopf, schneidet mit einem scharfen Messer den Bauch auf, entnimmt fachkundig die Eingeweide und wirft sie zurück ins Wasser. Die Enkel schauen ungerührt zu – tief beeindruckt von so viel Können.

 

 

Der Wildpark Bruderhaus

Hellt es auf, kündigt sich ein sommerlicher Vormittag an, ist der Wildpark Bruderhaus auf dem Winterthurer Eschenberg ein Dauerbrenner für Familien mit kleinen Kindern. Hier bummelt man gemütlich vorbei an den Gehegen von Wisent, Luchs, Hirsch, Mufflon, Wildschwein, Przewalskipferd und Wolf. Man liest den Kindern die eine oder andere Informationstafel vor, lässt sie sich auf dem grossen Spielplatz austoben und verköstigt sie im Selbstbedienungsrestaurant mit Bratwurst und Pommes frites und – sehr wichtig – Ketchup.


Wisente und Spielplatz im Tierpark Bruderhaus (Winterthur)

 

 

 

Rehe im Naturmuseum

Sind gelegentliche Schauer angesagt, empfiehlt sich das Naturmuseum Winterthur (Museumsstrasse 52), das noch bis zum 26. Oktober eine kindgerechte Sonderausstellung über Rehe zeigt. Hier erfährt man aber noch vieles andere über die Natur. Auch spielen kann man hier und in einem nachgebauten Dachsbau herumkrabbeln.

 

Reheausstellung im Naturmuseum Winterthur

Schwere Vögel auf dem Flughafen

 Ist das Wetter mehrheitlich trocken, ist der Flughafen Zürich eine gute Wahl. Vor dem Zaun bei Rümlang gibts einen Schauplatz, an dem die schweren Vögel bei ihren Starts vorbeikommen. Man beobachtet, wie sich die dicken Brummer mit gewaltigem Lärm langsam von der Rollbahn lösen und in die Luft emporarbeiten. Landen sieht man sie bei Oberglatt.

Grossvater und Enkel an der Piste

Zur Abrundung des Ausflugs dürfen die Zuschauerterrassen im Flughafen (Docks B oder E) nicht fehlen. Man schaut auf das Geschehen hinab und – viel wichtiger – es lockt eine Flugzeugattrappe mit Rutschbahn. Im Sommer ist von hier aus mittwochs und an Wochenenden auch die Zuschauerterrasse E auf dem Dock E mit dem Gratis-Shuttlebus erreichbar.

 

Flugzeugattrappe mit Rutschbahn auf dem Flughafen Zürich

Himbeeren ernten, Hühner füttern

Ja und dann sind da noch die ganz nahen Ziele, die für kleine Kinder gleichermassen attraktiv sind wie der riesige und lärmige Flughafen: Die neue Himbeerplantage im Hegifeld zum Beispiel.

Himbeerstauden grösser als das Ernte-Team

Hier kann man grosse, reife Himbeeren direkt vom Strauch in einen Sandkesseli hineinschichten, wobei jede zweite Beere im Mund landen darf. Oder aber die Hühner von Bauer Max auf dem Eidberg, die sich um die hineingeworfenen Brotkrümel streiten, wobei der prächtige Hahn – ganz Kavalier – seinen Hühnern die leckeren Bissen überlässt.

 Hühnerfüttern bei Bauer Max

Hier gibt es auch eine Scheune, wo man Eier holt, das Geld in ein Kässeli wirft und wo ein verstaubter alter Pferdewagen zu bewundern ist.

 

 

 

 

Gleich um die Ecke lädt das urchige Restaurant Frohsinn ein zu einem Zmittag im Gärtchen hinter dem Haus einmal mehr kinderfrreundlich mit Schaukeln und Rutschbahn. Zur Begrüssung erhalten die kleinen Gäste je einen Papiersack mit Malstiften, Malvorlagen und Klebern.

 

 

 

Ritterturniere, Künstler und Gaukler

Noch steht uns das Mittelalterspektakel «Kyburger in der Stadt» bevor. Es findet auf der Zeughauswiese vom 28. bis 31. August 2014 statt – mit Konzerten, Ritterturnieren, Eselrennen, Showkämpfen, Falknern, Künstlern, Gauklern, Feuershow, mit Markt und Lagerleben. Es ist Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten «750 Jahre Stadtrecht», die sich über das ganze Jahr erstrecken. Es dürfte sich lohnen, dieses Spektakel für einen Ausflug mit den Enkeln im Kalender vorzumerken.

Fotos: Christine Kaiser, 1 Foto Krippenmuseum

Unter dem Titel «Nahreisen» veröffentlicht die Seniorweb-Redaktion bis Mitte September wöchentlich besuchenswerte Nahziele. Jedem Redaktionsmitglied war es freigestellt, ein beliebtes Nahziel auszuwählen.