FrontDigitalSüsser Betrug im Internet

Süsser Betrug im Internet

Im Internet kursiert derzeit eine Masche, die als „Honeypot“, also Honigtopf bezeichnet wird. Was hat es mit diesem süssen Versprechen auf sich?

Von Kristoffer Braun / Levato

Honig und Betrug? Wie soll das denn bitte zusammenhängen? Es handelt es sich dabei um eine Metapher und das Prinzip dabei ist recht einfach: Das süsse Versprechen des Honigs im Honigtopf lenkt von dem eigentlichen Betrug ab. Der süsse Honig lockt dermassen vielversprechend, dass man allzu gerne für einen Augenblick alles andere vergisst. Das unvorsichtige Opfer bleibt dann quasi am Honig kleben und der Betrug kann starten.

Beliebt ist das Prinzip zurzeit vor allem auf Facebook und hat dort in den letzten Monaten für Furore gesorgt, auch einige grosse Medien berichteten über entsprechende Vorfälle. In Facebook ist der eigentlich Betrug nicht finanzieller, sondern ideeller Natur. Da in Facebook die meisten Inhalte, die man sieht, selbst gewählt sind, scheinen die Fotos, Kommentare und Nachrichten im ersten Moment recht sicher. Mit Spam oder Betrug rechnet man dort nicht unbedingt, da es sich ja um die eigenen Freunde handelt. Da wird schon kein Krimineller oder Betrüger dabei sein. Das jedoch ist genau der Schwachpunkt: immer dann, wenn sich der Nutzer sicher fühlt, wird es am gefährlichsten!

Die Honigtopf-Methode bei Facebook wird sicher bald noch mehr Verbreitung finden, denn der Trick ist leicht anwendbar und man benötigt keine großen “Hacker-Kenntnisse”. Doch was verbirgt sich nun hinter der Honigtopf-Methode?                                                                                                                     

Die Honigtopf-Methode bei Facebook

Bei Facebook ist es sehr beliebt, fremde Inhalte (ein Foto oder einen Satz oder einen Kommentar) auf der eigenen Facebook-Seite weiter zu verteilen. Man nennt dies “teilen”. Das ist im Prinzip nichts anderes, als wenn man im wahren Leben einen tollen Spruch hört und sich sagt: “Da ist was dran, den merke ich mir.” Oder wenn man einen Witz hört oder eine unglaublich interessante Geschichte, dann merkt man sich dies. Und bei nächster Gelegenheit gibt man bei anderen Freunden und Bekannten diesen Spruch, den Witz oder die Geschichte zum Besten. Man hat eben etwas zu erzählen.

In Facebook ist dies sehr verbreitet und beliebt. Auch weil dieses “Teilen” sehr einfach geht, es ist nämlich nur ein einziger Klick. Und schon hat man allen seinen Facebook-Freunden den Spruch, den Witz, das Foto oder die Geschichte “weitererzählt”. Man nimmt also einen Inhalt einer anderen Facebook-Seite und veröffentlicht diesen auf seiner eigenen Facebook-Seite.

Bei der Honigtopf-Methode macht sich der Betrüger nun eine Funktion zunutze, die Facebook seit langer Zeit anbietet. Und zwar das nachträgliche Korrigieren und Verändern eines eigenen Inhalts. Als Beispiel: Ich veröffentliche einen Spruch oder eine Geschichte oder ein Foto. Einige Tage später bemerke ich einen peinlichen Rechtschreibfehler oder eine Ungenauigkeit in meiner Geschichte, die ich zum Besten gegeben habe. Dann gibt Facebook mir als dem Urheber die Möglichkeit, das im Nachhinein zu ändern. Ich kann den Rechtschreibfehler korrigieren oder die Geschichte anpassen. Und das ist ja eigentlich eine gute Idee, nicht jeder von uns schreibt beim ersten Entwurf alles perfekt und wünscht sich daher die Möglichkeit, im Nachhinein etwas zu verändern.

Dies gibt aber nun dem Urheber einer Geschichte, eines Fotos oder eines Spruchs sogar soviel Freiraum im nachträglichen Ändern, dass er den kompletten Inhalt ändern kann, und nicht nur einen kleinen Rechtschreibfehler. Ich könnte also an einem Samstagabend zur Halbzeit des Fussballspiels einen enttäuschten verärgerten Kommentar zum leidlichen Spiel meiner Lieblingsmannschaft auf Facebook schreiben. Mein Freundeskreis ist ebenfalls verärgert und gibt mir recht und teilt nun diese meine Enttäuschung. Nach 90 Minuten gewinnt meine Mannschaft aber doch und mir ist es peinlich, dass ich so verärgert und voreilig in der Halbzeit etwas gemotzt habe. Dann ändere ich meinen Inhalt von enttäuschten Sätzen auf ein Loblied. Und jetzt kommt das Entscheidende: Ich habe alleinig die Änderung an meinem eigenen Inhalt vorgenommen, aber gleichzeitig werden auch alle von meinen Freunden geteilten Inhalte geändert. So haben meine Freunde meinen verärgerten Beitrag aus der Halbzeit geteilt und denken weiterhin, sie hätten meinen Ärger in den eigenen Freundeskreis verbreitet. Weil ich aber meine Sätze geändert habe, steht nun überall dort plötzlich das Loblied!

Ohne mein Wissen komplett geändert

Es ist so, also ob Sie sich einen lustigen ermunternden Spruch als Poster in ihrer Wohnung und im Büro aufhängen und der Hersteller des Posters kann nun jederzeit den Spruch des Posters ändern.

Das führen nun einige Betrüger bei Facebook auf die Spitze. Ein Spruch oder eine Wutrede zu meiner Fussballmannschaft, die sich ändert, ist ja kein Beinbruch und kein Betrug. Wenn man aber ein eindeutiges Foto, das ganz klar zu einer gesellschaftlichen Thematik Stellung bezieht, teilt und der festen Überzeugung ist, man hat jetzt jedem in Facebook klargemacht, wie man dazu steht, indem man dieses eindeutige Foto, das man entdeckt hat, teilt. Und dieses Foto wird jetzt nachträglich, ohne mein Wissen und ohne dass ich es bemerke, komplett geändert und sagt nach der Änderung etwas gänzlich anderes aus, dann steht man möglicherweise gar im Verdacht, Rufmord zu begehen, je nachdem, was das neue Foto nun aussagt.

So ist dies in letzter Zeit insbesondere in der Flüchtlingsthematik geschehen. Es wird ein trauriges Bild von Flüchtlingen auf Facebook von jemandem Fremden veröffentlich. Viele Leute sehen das Bild und haben Mitleid mit den Flüchtlingen und teilen das Bild. Nach einigen Stunden oder Tagen ändert der Urheber des Bildes das Foto allerdings komplett und plötzlich steht dort ein Spruch, der klar gegen Flüchtlinge hetzt.

Das Spiel geht natürlich auch andersherum: Es wird ein Inhalt geteilt, der gegen Flüchtlinge Stellung bezieht, er wird tausendfach geteilt auf Facebook. Und einen Tag später wird der Inhalt vom Besitzer geändert und heisst plötzlich alle Flüchtlinge in Deutschland willkommen.

Abwandlungen hiervon sind unzählig denkbar. So kann ein süsses Hundefoto von dem Urheber ein paar Tage später abgewandelt werden und eine unseriöse Werbung für Kreditfinanzierung anpreisen. Oder ein Link zu einem lustigen kleinen Ausschnitt von Loriot wird abgeändert und führt nun auf eine Seite mit einem Virus.

Um nochmals auf den Punkt vom Beginn zurück zu kommen: Das gefährliche in dieser ganzen Geschichte ist nun, dass man denkt, man sei unter “Freunden”, die Inhalte, die man sieht, stammen von Menschen, die man kennt. Es ist der Cousin oder der Nachbar, der eigene Sohn oder ein Vereinskollege. Man glaubt in keiner Sekunde daran, dass diese Menschen betrügerische Inhalte verbreiten. Das tun sie auch nicht. Denn der Urheber, die Wurzel, der Ursprung des Beitrags, der von allen geteilt und verbreitet wurde, ist der Einzige, der in der Lage ist, seinen Beitrag zu ändern. Aber verbreitet hat er sich über die vertrauensvollen Beziehungen zwischen Menschen, die sich kennen.

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