FrontKulturSchreiben aus Lust am Erzählen

Schreiben aus Lust am Erzählen

So viele Begegnungen, Erlebnisse, Kontakte, so viel Freude, Liebe und Trauer – wer älter wird, kann bei Erinnerungen aus dem Vollen schöpfen. Susi Hofmann hat sie zudem aufgeschrieben

«Ich konnte einfach nicht aufhören, zu schreiben», sagt die Vollblutjournalistin im Ruhestand fast entschuldigend. Als Susi Hofmann-Fehlmann keine Musik- und Ausstellungskritiken mehr schreiben konnte – Redaktionen bevorzugen junge, unverbrauchte Kräfte – und ihr der Kontakt mit Persönlichkeiten, die sie jeweils porträtierte, fehlte, da begann sie, für sich zu schreiben.

Vollblutjournalistin

Also ganz stimmt das nicht. In den fünf Jahren ihres Ruhestandes erschienen zwei Bücher, die an ihre Zeit als Journalstin anknüpfen: «Requiem für Luisa» ist ein berührendes und trotz des traurigen Themas poetisches Protokoll des Zerfalls eines Menschen, eine Auseinandersetzung mit der Alzheimerkrankheit und ein persönliches Abschiednehmen. Wobei die Verfasserin sich aber als Beobachtende, Kommentierende und Ordnende einbringt.

Im zweiten Buch, «Frauen setzen Akzente», kommt das journalistische Handwerk noch mehr zum Tragen. Es sind Kurzbiografien von 30 Frauen, die in einer eng begrenzten Region mit ihrem Wirken die Gesellschaft mitgeprägt haben.

Direkt aus dem Leben

Und nun dieses Buch: «Erlebt – gelebt» sind sehr persönliche Geschichten aus dem Leben der Autorin. Da ist nichts mehr mit journalistischer Distanz, mit kühlem, professionellem Beobachten. Es sind Geschichten, direkt aus dem Leben – aus ihrem Leben. Sie machte sich und vielen Angehörigen und Freunden dieses 164 Seiten starke Bändchen zum Geschenk zu ihrem 70. Geburtstag.

In fünf Jahren Ruhestand hat Susi Hofmann-Fehlmann drei Bücher geschrieben. (Foto B.Reichlin)

Dies soll jetzt aber keine Buchbesprechung werden. Obwohl die vielen Geschichten über ihre Jugend, über ihre Familie, über Bräuche ihrer Kindheit dazu einladen würden. Von den Tiergeschichten ganz zu schweigen, von ihren feinfühlig beobachteten Begegnungen mit der Natur oder mit Nachbarn.

Von der Geschichte zum Buch

Hier soll der Frage nachgegangen werden, wie aus den für sich notierten Erinnerungen etwas so Handfestes wie ein Buch wird. Der Gedanke, Geschichten aus seinem Leben aufzuschreiben, ist sicher vielen schon gekommen. Es gibt ja auch spezielle Schreibwerkstätten oder Einrichtungen, die dabei Hilfe und Unterstützung bieten.

«Edition Unik», die das Seniorweb in seinen Anfängen unterstützte und begleitete, ist eine solche Anlaufstelle. Wer sich aber allein, ohne begleitende und manchmal auch einengende Hilfe auf dem Weg zum eigenen Buch machen möchte, für den hat Susi Hofmann einige Tipps parat.

Das Wichtigste: Sich den Gedanken an eine Biografie, von der Geburt bis heute oder einer Familiengeschichte – von der Urgrossmutter bis zu den Kindern und Enkeln – erst mal aus dem Kopf schlagen. Wer zu schreiben anfängt, der ist schnell mal überfordert mit der Fülle an Informationen, die solche Projekte mit sich bringen. Und ganz ehrlich: Wer in der Familie liest am Schluss ein 600-seitiges Werk, in dem ein Leben mit all seinen Höhen und Tiefen ausführlich beschrieben wird? Also, wenn man kein begnadeter Erzähler, kein Nobelpreisträger und auch kein Star ist.

Ein Buch selber gestalten

Beginnen wir also pragmatisch: Wie entsteht ein Buch, das wohl keine Riesenauflage verspricht, aber Familie und Freunde interessiert? Book on demand heisst die Devise, denn die etablierten Verlage reissen sich keineswegs um solche Erinnerungen.

Susi Hofmann mit ihrem neusten Buch. Das Cover hat sie selber gestaltet – die Geschichte zum Bild findet sich im Buch – und auch Schrift, Gliederung, das ganze Erscheinungsbild ist ihr Werk. (Bild A.Hofmann)

Book on demand oder Buch auf Bestellung kam in den späten Neunzigerjahres auf, als die klassischen Druckverfahren abgelöst wurden von der Digitaldrucktechnik. Plötzlich wurde es möglich, auch Kleinstauflagen zu realisieren, was mit Offsetdruck nie rentabel gewesen wäre. Mit den neuen Technologien aber ist das möglich. Wenn auch mit Aufwand verbunden: Die Schrift muss ausgewählt werden, der Titel, das Cover, das Inhaltsverzeichnis erstellt, die Gliederung – chronologisch oder thematisch? –  selber bestimmt werden. Susi Hofmann konnte dabei auf die Hilfe ihres Mannes, eines Redaktors zählen.

Die offene Finanzierungspolitik ist einer der Vorteile der Books on demand. Man bezahlt zwar alles aus eigener Tasche, bekommt dafür genau das Produkt, das man sich vorgestellt hat. Auch die Auflage kann natürlich selber festgelegt  – und nachträglich ohne viel Aufwand aufgestockt werden.

Werbung in eigener Sache

Was wegfällt, ist der Vertrieb durch einen Verlag. Das heisst, das Buch taucht in keinem Verlagsprogramm auf und wird über das kommerzielle Büchernetzwerk nicht beworben. Da müssen die eigenen Verbindungen und Beziehungen genutzt werden. Das können Inserate sein – sehr teuer – , der Versuch, im redaktionellen Teil der Lokalpresse erwähnt oder sogar besprochen zu werden – Glückssache! – oder die Politik der kleinen Schritte. Also die Platzierung des Buches in der gemeindeeigenen Buchhandlung und der Bibliothek, eine Notiz im Gemeindeblatt, Vorträge und Lesungen in der Region, vielleicht an Altersnachmittagen, in Frauenvereinen oder als Auflockerung an Generalversammlungen – der eigenen Fantasie und Initiative sind da kaum Grenzen gesetzt.

Einfach ist das nicht und nicht jeder Erzähler ist auch ein guter Verkäufer. Manchmal hilft auch die Mund zu Mund-Propaganda. Der Traum vom Bestseller, der bald die Bücherhitparaden stürmt, dürfte für die Allermeisten ein Traum bleiben. Aber die Freude, seine Liebsten und das nähere Umfeld mit sehr persönlichen Geschichten zu überraschen, zählt dafür doppelt.

Und die Frage, ob denn alles Erzählte ganz wahr sein müsse und sich so und nicht anders zugetragen haben müsse, quittiert Susi Hofmann mit einem sibyllinischen Lächeln: Journalisten sollten sich in ihrer Arbeit an die Fakten halten. Aber bei den eigenen Erzählungen … ?

Das Buch «Erlebt – Gelebt» kann in jeder Buchhandlung gekauft (Verlag BoD, Norderstedt, ISBN 978-3-7386-7243-5) oder bei Susi Hofmann direkt (susi.hofmann@bluewin.ch) bezogen werden.

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