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Zu Besuch bei Dölf Ogi

Letzte Woche war Seniorweb zu Besuch bei Alt Bundesrat Adolf Ogi im Restaurant Löwen in Fraubrunnen, wo er seine Frau Katrin kennengelernt hatte. Mit ihr verbringt er das Jahr teilweise in Fraubrunnen und teilweise in Kandersteg. Wie geht es dem 81-jährigen Alt Bundesrat? Was freut ihn, was macht ihm Sorgen?

Seniorweb: Herr Alt Bundesrat Ogi, wenn Sie mit über 80 öffentlich auftreten, wirken Sie fit, engagiert, enthusiastisch und demütig. Was tun Sie für Ihre Fitness?

Alt Bundesrat Ogi: Ich mache das, was ich finde, es tue mir gut. Das heisst: Täglich Bewegung im Wald an der frischen Luft. Laufen für den Körper und laufen für den Kopf. Ich gehe fast immer in denselben Wald, trainiere dabei auch mein Gedächtnis und bete. Zudem mache ich bewusste Übungen für den Rücken, für die Knie und für die Schultern.

Ist das mit Physiotherapeuten abgesprochen?

Ich habe schon mal Instruktionen erhalten, aber ich spüre ja, was mir guttut. Wenn immer möglich mache ich diese Übungen täglich, jeweils am Morgen. Schon als Bundesrat bin ich jeden Morgen um 4:45 aufgestanden, ging dann eine halbe Stunde joggen oder wenn es am Vorabend spät wurde, spazierte ich an der frischen Luft. Jetzt habe ich mehr Spielraum. Beim Essen und Trinken passe ich auf, obwohl ich gelegentlich ein Glas Rotwein nicht verachte.

Was hat es mit Ihrem legendären Kopfstand auf sich?

Im Winter 2023/2024 war ich 30-mal auf den Skiern und bin dabei einmal auf die Schulter gefallen, weswegen mir der Arzt riet im Moment keinen Kopfstand zu machen. Aber wie ist es zu diesem Kopfstand gekommen? Am 1. Oktober 1964 wurde ich mit 22 Jahren vom Schweizerischen Skiverband angestellt. An den Olympischen Spielen in Grenoble 1968 fuhr ich zufälligerweise mit Jean-Claude Killy, dem dreifachen Goldmedaillengewinner in Grenoble, mit der Luftseilbahn zum Start der Abfahrt nach oben und fragte ihn, wie er sich seine grossartigen Erfolge erkläre. Er sagte mir, er mache Konzentrationsübungen, unter anderem den Kopfstand. Das hat mich so beeindruckt, dass ich seit 1968 den Kopfstand mache, täglich fünf bis sieben Minuten lang. Im Kopfstand rekapituliere ich jeweils den vorhergehenden Tag und trainiere dabei mein Gedächtnis.

Woher kommt Ihr unermüdliches inneres Feuer?

Ich gehe positiv durch das Leben und bin ein unverbesserlicher Optimist. Zudem lese ich Texte von Joseph Murphy, der zu positivem Denken ermuntert. Ich glaube auch, dass es in jedem Menschen mehr Positives als Negatives gibt und ich lebe nach dem Motto: I do what I believe in, and I believe in what I do. Ich mache das, woran ich glaube und glaube an das, was ich mache.

Bei Begegnungen ist mir Folgendes wichtig: Wenn ich mit jemandem zu tun habe, muss das Gegenüber fühlen, dass er/sie im Moment das Wichtigste von der Welt ist. Ich weiss nicht, ob das der Grund ist, warum Präsident Mitterand mich so gern hatte und nach Kandersteg kam, genauso wie UN-Generalsekretär Kofi Annan, der mich nach meiner Zeit als Bundesrat in der UNO haben wollte. Zudem galt für mich bei politischen Empfängen der Grundsatz: You never get a second chance to make the first impression. D.h. man muss sich auf die Gesprächspartner vorbereiten, ihre Vorlieben und Abneigungen kennen und die Rahmenbedingungen der Gespräche dem entsprechend gestalten, so dass eine angenehme Gesprächsatmosphäre entsteht.

Was macht Sie demütig?

Mich als Ogi, als Kandersteger aus einfachen Verhältnissen, machen die Natur und die Berge demütig. Mein Vater hat mir das eingetrichtert, wenn er sagte: «Los Bueb, d Blüemlisalp isch da gsi, bevor du da gsi bisch ond si würd no da si, we du nemme da bisch. Und i dere Ziitspanni, wo du da bisch, muesch du versueche s’Maximum zlischte und s’Rechtige zmache, was du gschpürsch.» Dazu kam unser Oberlehrer Rösti, der mit uns vor dem Unterricht jeweils gebetet, gesungen und politisiert hat. Beispielsweise hat er, der wie mein Vater auch Gemeindepräsident von Kandersteg war, uns erzählt, welche Probleme die Gemeinde Kandersteg hat und wie sie diese lösen will. Das hat uns nicht besonders interessiert. Er hat uns auch donnerstags gesagt, was der Bundesrat am vorherigen Mittwoch entschieden hatte. Irgendwann kam der Moment, als mich das zu interessieren begann. Er hat den Samen gesetzt, dass ich als Skidirektor auch auf den Gedanken kam, mich für die Öffentlichkeit einzusetzen. Aber mein Vater war und blieb mein bester Freund und Begleiter in meinem Leben. Als er mich ins Welschland für den dreijährigen Aufenthalt in der Ecole supérieure de commerce La Neuveville begleitete, sagte er: «Los Bueb, we du z’Neuveville fertig bisch, noch emene Jahr oder nach drü Jahr, de sötsch du vo dir än Analyse gmacht ha u dig gfragt ha: Wär bisch du, was chasch du, was chasch du net, was wosch du, was wosch du net, zu was bisch du fähig, zu was bisch du net fähig. Bisch du ene, wo wott füere, entscheide, ufträte, kommuniziere o e Chlapf a Grend öbercho o umi weder ufschta. Oder bisch du ene, wo wott berate, analysiere, Variante vorschla, aber net wott füere.» Nach diesen drei Jahren konnte ich das nicht beantworten. Aber am Ende der Unteroffiziersschule bei den Grenadieren wusste ich: Ich kann zwar nicht bernischer Regierungsrat werden, ich kann nicht Direktor der BLS werden, ich kann nicht Direktor der Berner Kantonalbank werden, aber wenn ich eine Chance zu führen bekommen, werde ich sie wahrnehmen. Dann kam der Skiverband 1964 mit dem Auftrag, dass in den olympischen Winterspielen in Sapporo 1972 wieder Medaillen für die Schweiz gewonnen werden sollten. Mit dem Slogan «Ogis Leute siegen heute» wurden 1972 im Ski Alpin sechs Medaillen gewonnen: Gold in der Abfahrt von Bernhard Russi und Marie-Theres Nadig; Gold im Riesenslalom von Marie-Theres Nadig; Silber in der Abfahrt von Roland Collombin und im Riesenslalom von Edi Bruggmann; Bronze von Werner Mattle im Riesenslalom. Dazu kamen  eine Silbermedaille von Walter Steiner im Skispringen von der 90-m Schanze und eine Bronzemedaille in der 4×10 km Staffel von Alfred Kälin, Albert Giger, Alois Kälin und Edi Hauser. Auftrag erfüllt. Als ich 1979 mit einer gewissen Bekanntheit auf Platz 21 der Nationalratsliste kandidierte, warb ich mit dem Slogan O – G – I für Offen – Gut – Integer, aber nicht für Objektiv – Genial – Intelligent. Vor meiner Bundesratswahl 1987 publizierte der damalige Inlandchef der NZZ Dr. Kurt Müller einen Artikel, in welchem meine Fähigkeit als Bundesrat wegen mangelnder Intelligenz angezweifelt wurde. Mein Vater, der von diesem Artikel erfuhr, rief mich zu sich und sagte, Dr. Kurt Müller könnte recht haben, aber es gebe einen Unterschied zwischen Intelligenz und Weisheit. Intelligent könne man werden an Universitäten, wer dagegen weise sein will, müsse sich in seinem Handeln an ethisch-christlichen Werten orientieren und dem Volk dienen. So versuchte ich zu dienen, im Bewusstsein, dass dies nicht immer gelingen würde. Auch diese Unvollkommenheit musste ich demütig akzeptieren.

Bundesrat Ogi wird im Jahre 2000 zum zweiten Mal Bundespräsident. Für die Bundesratsfoto platziert der Bergler den Bundesrat in die Berge. Vorne in der Mitte Bundespräsident Ogi mit seinen Bundesratskolleginnen und -kollegen

Ich möchte in diesem Interview mit Ihnen nicht über Ihre Zeit als Bundesrat reden (siehe dazu Artikel im Seniorweb Januar 2024 mit Verweis auf ein Interview auf youtube), sondern über gutes Altern und über Weltbürgertum. Sie waren nach Ihren 13 Jahren im Bundesrat von 2001 bis 2007 UN-Sonderberater von UN-Generalsekretär Kofi Annan und Ban Ki-moon für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden. Sie waren als Weltbürger unterwegs. Auf einem digital und wirtschaftlich eng vernetzten Planeten, angesichts der globalen Klimakrise und kriegerischen Auseinandersetzungen mit globalen Migrationsbewegungen ist weltbürgerliches Denken immer mehr gefragt. Wie kann eine friedliche Welt geschaffen werden?

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat am WEF 1999 die Global Compact Initiative vorgestellt, eine Initiative zur verstärkten Zusammenarbeit zwischen der UNO und der Zivilgesellschaft. Dabei sollen Politiker, Wirtschaftsführer, Wissenschaftler und religiöse und spirituelle Führer und andere an einer friedlichen Welt mitarbeiten und sich dabei an den Milleniums-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen orientieren. Zunächst wurden im Jahre 2000 acht Entwicklungsziele (Millenium Development Goals, MDG) für das Jahr 2015 formuliert. Im Jahre 2015 wurden die MDGs auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung durch 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (die sogenannten SDGs, die nachhaltigen Entwicklungsziele) bis 2030 ergänzt und von den 193 Mitgliedstaaten der UNO einstimmig verabschiedet.

Screenshot aus der Tagesschau vom 18. 8. 2018. Darin würdigt Bundesrat Ogi das Wirken Kofi Annans nach der Todesnachricht.

Was hat in diesem Zusammenhang Ihre Ernennung zum UN-Sonderberater für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden für eine Bedeutung?

Von 2001 bis 2007 durfte ich unter den UN-Generalsekretären Kofi Annan und Ban Ki-moon als Sonderberater die persönlichkeitsbildende und Frieden fördernde Kraft des Sports weltweit vertreten. Denn Sport ist eine Lebensschule: Man lernt zu gewinnen, ohne überheblich zu sein, in Würde zu verlieren, die Spielregeln zu akzeptieren, den Gegner zu respektieren, sich in ein Team zu integrieren und man lernt sich persönlich besser einzuschätzen.

Durch verschiedene Sport-Resolutionen der UNO-Generalversammlung gelang es, den Schulsport weltweit zu fördern, junge Athleten zu schützen, ein internationales Abkommen gegen Doping (UNESCO) zu verabschieden, Sport als soziale Integration, etwa für Strassenkinder, zu fördern, Sport für die Friedensförderung einzusetzen und den Leistungswillen und das Leistungsvermögen spielerisch und ohne Druck zu fördern.

Der Spitzensport führt teilweise zu negativen Entwicklungen, etwa wenn Sportler zu sehr gepusht werden und dadurch ihre Gesundheit gefährden oder wenn Sport zu sehr für wirtschaftliche Interessen missbraucht wird.

Ja, solchen Missbräuchen muss der Riegel geschoben werden, die Arbeit geht nie aus…

Im letzten Jahr stiegen die globalen Militärausgaben gemäss des Stockholmer Friedensforschungsinsitituts Sipri auf 2443 Milliarden Dollar. Waffen dienen nicht nur der gegenseitigen Abschreckung, sondern werden auch in der Ukraine, im Nahen Osten und auf weiteren Kriegsschauplätzen eingesetzt. Dabei müsste der Welthunger beseitigt werden, der Graben zwischen Arm und Reich eingeebnet und die Natur vor irreparabler Ausbeutung geschützt werden. Was sagen Sie dazu?

Ja, es ist schrecklich. Wir sind momentan in einer sehr schwierigen Weltlage. Wann wird man einsehen, dass globale Probleme nur gemeinsam, friedlich und in gegenseitigem Respekt gelöst werden können? Auch die Eidgenossenschaft hat lernen müssen, dass Zusammenarbeit wichtig ist.1848 hat sie einen Bundesstaat geschaffen, nachdem man eingesehen hatte, dass der Staatenbund souveräner Kantone für die Lösung gemeinsamer Probleme hinderlich ist. Europa und die Weltgemeinschaft könnten aus der föderalistischen Struktur der Schweiz einiges lernen: Einheit in der Vielfalt. Aber das scheint ein weiter Weg zu sein. Weder in Europa noch weltweit gibt es zurzeit überzeugende Führungskräfte für die Umsetzung der globalen Entwicklungsziele. Ganz im Gegenteil suchen Nationen und bestimmte gesellschaftliche Kräfte ihren eigenen Vorteil auf Kosten von anderen und sind sogar bereit, ihre Ziele mit kriegerischen Mitteln anzustreben. Dass dies nicht geht, sollte endlich allen klar werden.

Wenden wir uns zum Schluss des Gesprächs wieder der Schweiz und dem guten Altern zu. In ein paar Jahren ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung der Schweiz über 60, darunter sind sehr viele gesunde, unternehmungslustige ältere Personen. Was ist aus Ihrer Sicht deren Beitrag für das Wohlergehen der Gemeinschaft und wo könnten und sollten sie sich stärker einbringen?

Die Jugend ist unsere Zukunft. Deswegen brauchen wir ein besseres Bildungssystem und insbesondere Solidarität zwischen den Generationen. Als ich mich mit anderen Bundesräten gegen die 13. AHV-Rente einsetzte, wurde ich mit Hunderten Protestbriefen eingeschüttet. Aber es braucht mehr Solidarität zwischen den Generationen, mehr Gemeinsinn, mehr gegenseitiges Verständnis, mehr Sorge füreinander.

Seniorinnen und Senioren spielen für das Gemeinwohl eine wesentliche Rolle, etwa indem sie ihre Kinder und Grosskinder unterstützen, aber auch für ihre hochbetagten Angehörigen sorgen. Wenn wir einander respektvoll begegen, uns gegenseitig Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen und dankbar für das Erreichte sind, darf Lebensfreude herrschen. Freude herrscht, wenn wir zueinander friedlich sind.

Titelbild: Alt Bundesrat Ogi im Restaurant Löwen in Fraubrunnen (Foto Beat Steiger)

 

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2 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für das höchst interessante, aufschlussreiche Gespräch vom ehemaligen Bundesrat Adolf Ogi und Beat Steiger. Was Dölf zuhanden von Jung und Alt sagt, ist bewundernswert. Ja, Dölf Ogi kann mit Freude auf ein erfreuliches Engagement für Land und Leute zurückblicken. In all seinen Lebensphasen, in «jungen Jahren», als Bundesrat und als Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden im Auftrag der UNO, war sein Leistungsausweis erfolgreich. Was der ehemalige Bundesrat während seiner Amtszeit bewirkt hat, ist einmalig. Stets war Dölf eine volksnahe Persönlichkeit und hatte immer ein offenes Ohr auch für die einfachen Menschen.

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich als Beispiel nur noch die von Dölf gegründete «Stiftung Freude herrscht» erwähnen. Die STIFTUNG FREUDE HERRSCHT – http://www.freude-herrscht.ch – wurde 2010 im Andenken an den all zu früh – im Alter von 35 Jahren – verstorbenen Sohn von Dölf, Mathias A. Ogi, gegründet. Bis vor 2 Jahren war Dölf Ogi Präsident der Stiftung, deren Ehrenpräsident er heute ist. Heute ist Dölfs Tochter Caroline Ogi Stiftungspräsidentin.
    Die Stiftung leistet finanzielle Beiträge an Projekte und Organisationen, welche Kinder aktiv zum Sport bewegen, Erlebnisse in der Natur ermöglichen sowie Selbstbewusstsein und Sozialkompetenz fördern. Im Jahre 2023 hat die Stiftung – wie schon Jahre zuvor – wiederum um die 100’000 Kindern Bewegung und Freude bereitet. Für das Jahr 2024 sind wiederum neue und spannende Projekte geplant. Freude herrscht! Herzlichen Dank für die Freude in allen Belangen!

  2. Herr Ogi ist bestimmt ein guter und symphatischer Mensch (ich kenne ihn nicht persönlich) und er verkörpert dank seiner einfachen Sprache und bewusster Volksnähe bis heute das Denken vieler Schweizer:innen. Sein bevorzugtes Betätigungsfeld als Politiker war der Sport, der nach meinem Verständnis in unserer Gesellschaft omnipräsent und völlig überbewertet ist. Anstatt Ausgleich und Hobby, ist der Sport heute das Tummelfeld von Profiteuren, wie der Fifa & Co., der Kampf um teure Übertragungsrechte wichtiger Spiele in den Medien sowie dem stetig wachsenden Wirtschaftszweig der Freizeitausstatter für Sportmode- und geräte. Die Fussballfans mutieren regelmässig zu gewalttätigen Krawallmachern vor und in den Stadien, was immense Kosten verursacht. Wehe, wenn Klimaschützer:innen gleiche Ausschreitungen provozieren würden! Doch beim Sport drückt man beide Augen zu. Das Machtgefälle ist gross.

    Das Weltbild vieler Schweizer:innen ist politisch oft eindimensional und begrenzt. Hinzu kommt eine völlig veränderte Haltung gegenüber den persönlichen Erwartungen und der Wirklichkeit. Die Jugendlichen wissen nicht, was Entbehrung und Verzicht bedeutet, denn sie haben dies mehrheitlich nicht erlebt. Ein hipper Sportschuh ist wichtiger als gerechte Löhne. Das Leben ist kompliziert und das Denken anspruchsvoller geworden. Herr Ogi hätte sich in seiner politischen Tätigkeit besser der Förderung der politischen Wahrnehmung, besonders bei Kindern und Jugendlichen, einsetzten sollen, als den Sport bei jeder Gelegenheit als Synonym für Menschenverbundenheit und Frieden zu postulieren, was er nie war und sein kann.
    Spitzensport, und nicht nur da, ist Kampf um Sieg, Ansehen und Geld und fördert Neid, Gewalt und sogar Hass. Unter den geschilderten Aspekten könnten wir uns fragen, was hat Herr Ogi als Politiker tatsächlich erreicht, als noch mehr unnötigen Wettbewerb und eine einseitige und vereinfachte Einstellung zum Leben?

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