FrontAllgemeinZeitgemäss: Sprich mit deinem Arzt!

Zeitgemäss: Sprich mit deinem Arzt!

Am 14. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften geht es um das Verhältnis Patient-Arzt.

Anfangs November trafen sich Wissenschafter und interessierte Fachleute des Gesundheitswesens zu höchst spannenden Referaten und Diskussionen über ein Thema von hochaktueller Bedeutung. Allgemein formuliert, ging es um das Verhältnis Arzt-Patient.

Oder vielmehr um das Verhältnis Patient-Arzt, wie man aufgrund der Inhalte, die am 14. SKGG im Auditorium Ettore Rossi des Inselspitals Bern vermittelt werden, zutreffender sagen kann. Diese Umkehrung ist nicht so banal, wie sie scheinen mag. Als aufmerksamer Hörer gewinnt man den Eindruck, dass sich immer mehr Instanzen klar darüber werden, wie wesentlich der Beitrag von Patientinnen und Patienten im Dialog mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowohl für das persönliche Wohl der Behandelten als auch sogar (und unter anderem) für die Entwicklung der Gesundheitskosten künftig sein wird.

Es mag manchen unter uns so ergangen sein: Was die Frau oder der Herr Doktor sagt, das nimmt man als gegeben an. Es geistert noch heute sowohl bei Patienten als auch bei der Ärzteschaft vereinzelt die Meinung herum, der Patient habe sich den vorgesehen oder getroffenen medizinischen Massnahmen zu unterziehen – oder dann solle er einen anderen Arzt aufsuchen. Doch wie soll der Patient mitreden, wenn er weder die medizinischen, die gesundheitsökonomischen noch die rechtlichen Randbedingungen seines gesundheitlichen Problems und des wissenschaftlichen Hintergrunds kennt, über welchen der Arzt, die Ärztin verfügt? Es ist heute häufig üblich, sich im Internet bei „Doktor Google“ Rat zu suchen; es gibt Leute, die verbringen halbe Tage damit. Zweifelhaft ist nur, ob das Internet immer recht hat; es gibt Fälle, wo Leidende mit dieser Methode sich noch weiter und verwirrlicher in ihre gesundheitlichen Probleme verstricken.

Aus den zahlreichen Referaten, die man über den unten angeführten Link als Videos anschauen kann faszinieren vor allem deren zwei.

Welche privatrechtlichen Randbedingungen eine Rolle im Verhältnis Patient-Arzt von Bedeutung sind, erläuterte die Juristin Regina E. Aebi-Müller, Ordentliche Professorin für Privatrecht und Privatrechtsvergleichung an der Universität Luzern. Mit konstruktiven Fallbeispielen dokumentiert sie die rechtlichen Möglichkeiten zur Wahrnehmung von Patientenrechten, aber auch die möglichen Fussangeln zufolge gesetzlicher Bestimmungen oder eben auch durch deren Fehlen. Gesetzeslücken, die zu juristischen Auseinandersetzungen führen, können wegen des in der Regel sehr hohen Streitwerts empfindlich, ja sogar unverhältnismässig teuer zu stehen kommen.

„Heath literacy – the basis and condition for participative decision making”. So das Thema von Kristine Sorensen, Wissenschaftlerin an der Global Health Literacy Academy, Urmond (NL). «Health Literacy» lässt sich nicht einfach direkt übersetzen, umschreiben kann man es mit «Umfassendes Bedeutungs- und Fachausdrucks-Vokabular des Gesundheitswesens». Es geht knapp zusammengefasst darum, im Dschungel der medizinischen und gesundheitspolitischen Fachausdrücke sich zurecht zu finden, um in die Lage zu kommen, vorab überhaupt alles zu verstehen, wovon Ärzte und Gesundheitsfachleute sprechen und schreiben, und in der Folge mit höherer Sachkompetenz gegenüber der behandelnden Ärzteschaft die eigenen Interessen zu vertreten.

Weitere Referate und Diskussionen (unter anderen) behandeln «Entscheidfindung im Gesundheitsbereich» (Thomas Rosemann, Institut für Hausarztmedizin, Universitätsspital Zürich), «Professionalität und Interdisziplinarität und deren mögliche Auswirkung auf die Gesundheitskosten» (Peter Berchtold, PD und Geschäftsführer College M – www.college-m.ch ), «Künstliche Intelligenz und Roboter im Gesundheitsbereich: Hoffnung mit Grenzen?» (Prof. Stefan Boes, Projektleitung Swiss Learning Health System, Universität Luzern).

Siehe zum Vergleich den Bericht auf Seniorweb über Akademie Menschenmedizin

14.SKGG-Informationen

Referate und Präsentationen

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