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Liebeserklärung an eine Landschaft

Die Weilerlandschaft am Frienisbergplateau westlich von Bern ist «Landschaft des Jahres 2024», teilte die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz vor kurzem mit. Die Begründung lautet: «Das Plateauland besticht durch intakte Weiler in einer strukturreichen Kulturlandschaft.»

Seit fast 27 Jahren lebe ich in der Nähe von Bern, und genau in dieser Gegend habe ich meine Lieblingswege gefunden, um mich zu entspannen, den Kopf auszulüften oder über Gott und die Welt nachzudenken. Was die Stiftung Landschaftsschutz als «strukturreiche Kulturlandschaft» bezeichnet, liegt als Möglichkeit für viele verschiedene Spaziergänge durch Feld, Wald und Wiesen vor meinen Füssen. Gerade diese Abwechslung tut Geist und Seele gut.

Kirche und Pfarrhaus Meikirch – ein Ort mit einer Geschichte bis in die Römerzeit

Den Begriff «Plateau» darf man nicht zu wörtlich nehmen. Weite Ebenen gibt es in der Schweiz kaum. Die Landschaft, die sich am rechten Aareufer erhebt, ist geprägt von sanften Hügeln und grossen Feldern mit Baumgruppen da und dort. Von Einschnitten, die vielleicht durch ein Gewässer entstanden sind, wie der Krebsbach, der von Kirchlindach am Rande von Zollikofen vorbei in die Aare fliesst. Er hat seinen Namen von den Krebsen, die noch im 19. Jahrhundert als willkommene Nahrung gefangen wurden. Der Bach wurde streckenweise teil-renaturiert, aber nicht einmal kleine Fischlein sehe ich im Wasser.

Frühlingswiese

Das wellige Plateau bietet an vielen Stellen eine wunderbare Weitsicht in die Berner Alpen über die Berner Kirchtürme und die wenigen Hochhäuser hinweg. – Auch dies einer der Höhepunkte meiner Spaziergänge. Die Felder, an denen ich vorbeikomme, haben mit den Jahren grössere Vielfalt erhalten, Gründünger wird am Ende des Sommers ausgesät, auch Pflanzen, die als Bienenweide dienen, und Getreidearten, die beliebt geworden sind wie der Dinkel. In den allerersten Jahren konnte ich noch Feldlerchen beobachten – aber leider schon lange nicht mehr.

Kulturscheune in Meikirch. Der Scherenschneider Ernst Oppliger, in Meikirch daheim, hat hier seine Werke gezeigt.

Dafür weiden allenthalben Kühe, für mich sind sie Frühlingsboten, denn sobald Schnee und Kälte sich zurückgezogen haben, dürfen sie hinaus. Aus der Ferne wirken sie mit ihren kräftigen schwarzweissen oder braunen Rücken wie meine Spielzeugtiere aus Kinderzeiten.

Auch Schafe sehe ich allenthalben. Im Winter sieht man sie als eindrucksvolle Herde auf einzelnen grossen Grasflächen.

Ausreiten ist ein beliebtes Hobby geworden, so nah der Stadt Bern. In jedem Dorf gibt es Reiterhöfe. Leider nehmen die Reiterinnen und Reiter viel zu oft Waldwege unter die Hufe. Fussgängerinnen wie ich müssen schauen, wo der weiche Waldboden nicht zertrampelt ist.

Ohne den Wald wären meine Spaziergänge weniger inspirierend. In fast jeder Jahreszeit lohnt es sich, auch ein Stück durch einen der kleinen Wälder zu gehen. Es sind Nutzwälder, im Laufe der Jahrhunderte von den Bauern als Erwerbsquelle gepflegt. Andere grosse Waldflächen um Bern herum gehören der reichen Berner Burgergemeinde, die Wälder auf dem Frienisbergplateau haben wohl private Besitzer. Da kommt es schon einmal vor, dass eine schöne Bank, die im Laufe der Jahre zusammengebrochen war, vom Besitzer dieses Waldstücks eigenhändig neu gezimmert wurde – zur Freude der Spaziergängerinnen, denn von dort haben sie nun wieder eine dieser legendären Aussichten auf Eiger, Mönch und Jungfrau.

Die Dörfer bestehen nicht nur aus Bauernhöfen, hier Uettligen

Der Name dieser nun preisgekrönten Landschaft bezieht sich auf den langgezogenen Frienisberg, der die Gegend nach Westen abschliesst und offensichtlich zu einem anderen Landschaftsraum gehört. Von dort aus eröffnet sich ein ebenso beeindruckender Blick auf die weite Landschaft der drei Seen am Fusse des Jurabogens und selbstverständlich auf die Juraberge selbst bis über Neuenburg hinaus.

Wald bei Oberdettigen

Aus der Mitteilung der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: «Die Preisträgerin ist die seit über einem Jahrzehnt bestehende interkommunale Fachberatung Baugestaltung. Dieses wichtige Expertengremium im Mandat der Gemeinden Wohlen, Meikirch, Bremgarten und Kirchlindach setzt wichtige Massstäbe für die Baukultur. Damit erhält der Kanton Bern zum zweiten Mal nach 2017 diese seit 2011 bestehende Auszeichnung.»

Ernst Oppliger

Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

Alle Fotos mp

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2 Kommentare

  1. Reiter und Biker machen kleine Waldweglein nicht schöner und nicht weniger glitschig, insbesondere dann nicht, wenn sie sie nach starken Regenfällen begehen/befahren. Auf der andern Seite wären viele dieser Weglein schon längst mit Dornen überwachsen oder sonstwie verschwunden, würden sie nicht auch von Reitern/Bikern benutzt.

  2. Ihr schöner Beitrag über die wunderbare Landschaft rund um den Frienisberg weckt meine Erinnerungen an die Kindheit.
    Wir wohnten in der Stadt Bern und sonntags, sofern das Wetter mitspielte, gings zu Fuss hinaus ins Grüne. Meine Mutter erzählte mir später, als ich schon längst zu Hause ausgezogen war, wie ich als Drei-Vierjährige ohne zu Murren viele Kilometer mitgelaufen sei. Meistens gabs unterwegs ein Zvieri und so schaffte ich auch noch den Heimweg. Auch damals begegneten uns im Wald oft Reiter:innen, meistens waren sie zu zweit und ich bewunderte ihre schönen Ledersättel und ihre Reitkleider samt schwarzer Schildmütze. Vor den grossen, laut schnaubenden Pferden hatte ich Respekt, das ist bis heute so geblieben. Nach einem kurzen Schwatz gings weiter zu neuen Begegnungen mit Eichhörnchen, Ameisenhaufen, Vögel oder zierlichen Blindschleichen. Auch die blühenden Wiesen, die leider in dieser Vielfalt immer seltener werden, sind mir samt den Düften und Bienensummen in guter Erinnerung geblieben.

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