Ein Ausflugstipp für Geschichtsinteressierte: Das Bernische Historische Museum zeigt noch bis am 11. Januar 2026 die Ausstellung «Vom Glück vergessen. Fürsorgerische Zwangsmassnahmen in Bern und der Schweiz».
Bis in die 1970er-Jahre waren in der Schweiz zehntausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen: fremdplatziert, verdingt, entmündigt, in Anstalten versorgt. Viele kamen aus schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Ihre Armut oder ihre von bürgerlichen Normen abweichende Lebensweise galt als Grund für massive Eingriffe und repressive Massnahmen. Seit einigen Jahren erheben Betroffene verstärkt ihre Stimme. Dass ihnen Unrecht geschah, wird heute offiziell anerkannt und es gibt in mehreren Kantonen Initiativen, dieses Unrecht ins kollektive Gedächtnis zu holen und eine gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber zu führen.
Die von der Historikerin Tanja Rietmann kuratierte Ausstellung stellt fünf Betroffene ins Zentrum. Die Szenografin Karin Bucher hat für die Ausstellung begehbare Raumbilder gänzlich aus Karton geschaffen, welche die Besucher:innen einladen, in die Geschichten dieser Menschen einzutauchen. Hörspiele und Archivdokumente erzählen die Schicksale.
Namen gegen das Vergessen
Teil der Ausstellung ist eine Installation, die an die betroffenen Menschen erinnert und ihr erlittenes Unrecht anerkennt. 10 826 weisse Punkte stehen für die Anzahl Menschen, die bis im Sommer 2024 vom Bund einen Solidaritätsbeitrag als Zeichen der Anerkennung des erlittenen Unrechts sowie Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität erhalten haben. 350 Punkte wurden seit Januar 2025 von Hand mit Namen von Betroffenen beschriftet – durch die Personen selbst, durch Angehörige oder durch das Museumsteam – und stehen so unmittelbar für einzelne Schicksale, die von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen geprägt wurden.
Für vertiefte Einblicke: Begleiteter Rundgang für Gruppen
Bei diesem auf der Webseite buchbaren Angebot werden Sie in die Geschichte und den gesellschaftlichen Kontext der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in der Schweiz eingeführt. Danach besuchen Sie die Ausstellung selbständig mit dem Mediaguide. Hörstücke und begehbare Raumbilder aus Karton erzählen die Schicksale von fünf Betroffenen. Zum Abschluss tauschen wir uns über das Erfahrene aus und diskutieren über staatliche Eingriffe und gesellschaftliche Normen und Werte früher und heute. Was hat sich verändert und wie gehen wir in unserer Gesellschaft heute miteinander um?
Öffentliche Führungen im Herbst
- «Vom Glück vergessen» – Führung mit Kuratorin Tanja Rietmann und Erfahrungsexperte Heinz Kräuchi am 12. Oktober 2025, 14–15.30 Uhr.
- Akten als stille Zeugen menschlicher Schicksale – Führung mit Kuratorin Tanja Rietmann und Mitarbeitenden des Stadtarchivs am 30. November 2025, 14–15.30 Uhr.
Weitere Informationen rund um die Ausstellung finden Sie auf der Webseite des Bernischen Historischen Museums.




