Das Lucerne Festival Sommer ist eröffnet und steht unter dem Motto «Open End». Deshalb widmet es sich hauptsächlich der Aufführung unvollendeter Werke wie etwa der «Unvollendeten» von Franz Schubert. Für den scheidenden Intendanten Michael Häfliger ist es sein letztes Sommerfestival.
Wann hat dieses Sommerfestival eigentlich begonnen? Das offizielle Eröffnungskonzert mit seinen prominenten Rednern – darunter Bundesrat Albert Rösti – ging am Freitag, dem 15. August über die Bühne. Davor gab es jedoch eine Art «Prélude». Bereits ab dem 12. August wärmte sich das Festival mit Musik aus der Karibik und entlang der Seidenstrasse auf, dauern wird es noch bis am 14. September.
Konzerte für alle
Ein wichtiges Anliegen ist dem Lucerne Festival die Öffnung für alle. Allein die hohen Eintrittspreise für die Orchesterkonzerte im Grossen Saal des KKL weckten Kritik – das Festival sei zu elitär. Dem wirkt man seit geraumer Zeit mit Gratiskonzerten entgegen. Etwa mit Weltmusik in der Altstadt und auf dem «Inseli». Und mit der Übertragung des Eröffnungskonzerts auf eine Grossleinwand will man alle erreichen.
Das Festivalorchester unter Leitung von Andrés Orzco-Estrada mit der Solistin Isabelle Faust. (alle Bilder Manuela Jans/Lucerne Festival)
Interessant ist das Angebot der «40min»-Konzerte. Hier wird Klassik im Kurzformat geboten, bei freiem Eintritt und in lockerem Ambiente. In den 40 Minuten kann man jeweils am frühen Abend Werke und Künstler(innen) des Festivals kennenlernen, mit Musik und im Gespräch.
Das Ende der Ära Häfliger
Das Ende der erfolgreichen Ära Häfliger wiegt schwer. Häfliger hat das Lucerne Festival zu einem weltweit bekannten Hotspot der grossen Namen gemacht. Als er vor 26 Jahren die Intendanz des Festivals übernahm, war der spektakuläre Bau des KKL eben fertig geworden. Das Interesse allein schon an diesem Bau gab seinem Start viel Rückenwind.
Häfliger blickte im Gespräch mit Beate Gilgenreiner in der Musik Hug-Filiale in Kriens zurück auf seine lange Amtszeit: auf Glücksmomente, persönliche Highlights und besondere Herausforderungen. Ab dem 1. Januar 2026 übernimmt Sebastian Nordmann das Zepter. Der sympathische 52-Jährige ist seit 2009 Intendant des Konzerthauses und des Konzerthausorchesters Berlin. Wie Häfliger weiss also auch er die Treue zu einem künstlerischen Wirkungsort zu schätzen.
Magische Momente
Aktuell besucht habe ich das zweite Konzert der «Lucerne Festival Orchestras» am Samstag (16.8.). In diesem sorgte die Geigerin Isabelle Faust für unvergessliche magische Momente. Das Violinkonzert von Antonín Dvorák ist zwar nicht jedermanns Sache, wirkt doch der Orchestersatz dicht und wuchtig. Umso erstaunlicher war, wie sich Faust mit ihrem schlanken Ton dem Orchester gegenüber souverän zu behaupten wusste.
Die Geigerin Isabelle Faust sorgte für magische Mopmente.
Dies war auch das Verdienst des Dirigenten Andrés Orzco-Estrada, der das hochkarätig besetzte Orchester zu transparentem Klang und gestalterischen Feinheiten anspornte. Für einen poetischen Schlusspunkt sorgte Isabelle Faust mit ihrer Dreingabe. Die schillernden Farben, die Faust auch im Pianospiel einzubringen weiss, waren bezaubernd.
Grosse Klasse waren auch Modest Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung». Es ist ein bläserstarkes Stück mit musikalisch plastisch geschilderten «Bildern». Das Lucerne Festival Orchestra verfügt über hervorragende Bläserinnen und Bläser. Sie gestalteten den markanten und farbenreichen Bläserpart technisch souverän und mit unerhörter Musikalität – einfach fantastisch! So elitär diese Weltklasse am Lucerne Festival auch sein mag – sie musiziert wie von einem anderen Stern.
www.lucernfestival.ch / KKL Luzern, noch bis am 14. September
