StartseiteMagazinKolumnenHat Bern Putins Weckruf mit Drohnen verstanden?

Hat Bern Putins Weckruf mit Drohnen verstanden?

Während Bundesrat Pfister sein Haus, das VBS ordnet, den «gmögigen» Divisionär Benedikt Roos (60) zum Armee-Chef kürt, den «forschen» Diplomaten Serge Bavaud (52) zum Chef Nachrichtendienst bestimmt, überzieht Putin mit 19 Drohnen Polen. Die westlichen Militärexperten sind sich einig, der Herr im Kreml testete damit Polen und die Nato: Sind Polen und die Nato in der Lage, einen massiven Drohnenangriff zu stoppen? Die Antwort ist so klar wie alarmierend: Sie sind es nicht. Die polnische Flugwaffe, rechtzeitig alarmiert, stieg auf, mit ihr eine niederländische F35 der Nato. Von den 19 Drohnen vermochten sie lediglich 3, vielleicht 4 im Anflug abzuschiessen. Es fehlten und fehlen bodengestützte Luftabwehr-Systeme, die einem massiven Drohnenschwarm Herr werden können. Das Nato-Hauptquartier in Brüssel ist alarmiert. Die Generalstäbe analysieren. Es ist sofort klar: Putin könnte die Gunst der Stunde nutzen und nicht warten, bis die Nato in der Lage ist, die gravierende Lücke zu schliessen. Und klar ist auch schnell, dass der modernste, der kampfstärkste Kampfjet F35, der A-Waffen unerkannt in Feindesland tragen kann, nicht die ideale Waffe gegen Drohnen ist. Ein 200 Millionen teures Waffensystem gegen Drohnen, die in ganz grosser Anzahl, das Stück unter 5’000 Franken, produziert werden können.

Die Ukraine macht es vor. In «Garage-Betrieben» gar werden immer raffiniertere Drohnen entwickelt und in grosser Anzahl zusammengebaut. Die Russen machen es nach. Nachdem sie zuerst billige Drohnen aus dem Iran bezogen, bauen sie diese nun nach, entwickeln sie im Wettbewerb mit der Ukraine ebenfalls zur immer raffinierteren Kriegswaffe. Noch haben die ukrainischen Drohnen einen Vorsprung. Das Gefechtsfeld hat sich im russischen Angriffskrieg in die Ukraine massiv verändert. 70 bis 80 % der Verluste von Soldaten auf beiden Seiten sind auf den Einsatz von Drohen zurückzuführen. Drohnen sind kampfentscheidend. Sie sind im Ukraine-Krieg allgegenwärtig. Sie töten Soldaten im Vormarsch, werfen Granaten ab, vernichten Artilleriekanonen, Raketenabschuss-Stellungen, Panzer, legen Minen, klären mit Kameras auf, fangen feindliche Drohen ab, unterstützen von weit oben Drohnen in ihrem weiten Anflug zum Ziel. Und entscheidend: Sie sind günstig, weit billiger als teure Waffensysteme, wie Flugzeuge, wie der F 35.

In Brüssel sind die Erkenntnisse angekommen. So weit gar, so dass darüber bereits gewitzelt wird. Wie Hubert Wetzel, Korrespondent des Tagesanzeigers scheibt, kursiert in Brüssel bereits der wohl ironisch gemeinte Vorschlag, «die Nato solle der Ukraine beitreten nicht die Ukraine der Nato.» Die Nacht zu Mittwoch habe gezeigt, dass das vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre.

Und in Bern? Die Neuen im VBS werden sich erst einmal einarbeiten müssen. Umso mehr ist Bundesrat Martin Pfister gefordert. Er hat sich mit den neuen Erkenntnissen aus der Ukraine, aus Polen, mit den Lücken der Nato in der Verteidigung gegen die Bedrohung durch immer raffiniertere Drohnen-Systeme und die entsprechenden Einsatzdoktrin der russischen Armee auseinanderzusetzen. Und tatsächlich: Er hat bereits erste Erkenntnisse in einem Interview mit der Sonntags-Zeitung dargelegt: «Die Schweiz könnte heute einen solchen Drohnen-Angriff nicht abwehren.» Diese alarmierende Feststellung genügt aber nicht. Solche Angriffe im Verbund mit weitreichenden Raketen werden künftig  zur wahrscheinlichsten militärischen Bedrohung gehören, auch für die Schweiz. Die bisherige Orientierung am Konzept der verbundenen Waffen zu Boden und zur Luft gehört zunehmend der Vergangenheit an. Davon Abschied zu nehmen, fällt militärischen Strategen schwer, wenn sie sich während Jahren bei der Optimierung dieser Strategie damit beschäftigt haben.

Bundesrat Pfister hat seine Erkenntnisse in seine militärischen Stäbe zu tragen. Denn die Erkenntnisse erfordern letztlich eine neue Strategie zur Verteidigung unseres Landes. Genauso wie Europa mit Grossbritannien zusammen – selbst mit dem atomaren Abschreckungs-Potential – sich neu ausrichten muss. Insbesondere wegen Donald Trump, der Europa zunehmend den Rücken kehrt.

Die Beschaffung von 36 F35 zu rund 7 Milliarden Franken macht nur Sinn, wenn die Kampfjets in eine neue, europäische  Verteidigungs-Strategie eingebunden werden können, auch politisch. Für den Drohnen-Abwehrkampf sind sie nicht geeignet, aber auch zu teurer und es würden auch zu wenige zur Verfügung stehen. Dazu braucht es gar nicht so aufwendige, bodengestützte Luftabwehrsysteme. Aber solche, die im Abwehrkampf gegen die immer raffinierteren Drohnen jederzeit aufgerüstet werden können.

Die bisherige Verteidigungsstrategie der Schweiz ist obsolet. Sie muss nicht nur überprüft, sondern den neuen Erkenntnissen sofort angepasst werden. Vor drei Jahren, vor dem Einmarsch in die Ukraine, führte Russland Manöver an der Grenze zur Ukraine durch. Jetzt wiederum. Der Name: Sapad 2025 ( «Westen 2025»). Ist das nicht Grund genug, zu handeln? Und zwar rasch.

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4 Kommentare

  1. Aber immerhin wir haben ja auch 6 Drohnen von denen zwei fliegen sie habe zwar eine ander Aufgabe. Denke der Angriff würde nicht lange dauern bis sie ausgeschaltet würden.
    Bin überzeugt dass die Schweizer Wirtschaft da eine Antwort hat und unser Eihkäufer nicht so weit Reisen müssten.

  2. Da schaukelt sich wieder etwas hoch, dass sehr an die Anfänge des ersten und zweiten Weltkrieges erinnert. Es ist wieder dasselbe «Spiel»: Wer ist der Stärkere und wer hat den längeren Durchsetzungswillen und die Mittel zur Kriegsführung. Russland und Israel und andere Staaten haben bereits damit begonnen, das Völkerrecht und die Souveränität anderer Länder mit Füssen zu treten und verletzen damit das geltende Völkerrecht. Anstatt mit allen demokratischen Mitteln dieser gefährlichen Entwicklung entgegen zu halten und auf unsere Werte zu bestehen, machen die Europäischen Länder dieses Spiel mit und rüsten militärisch auf, was nur geht. Ja sie gehen vor Diktator Trump und seinen Gesinnungsgenossen auf die Knie. Das ist nicht nur menschenunwürdig sondern aus meiner Sicht ein gefährlicher Rückschritt bis auf die unterste Entwicklungsstufe des Menschseins.

    Warum vergessen wir so schnell und lernen nicht aus vergangenen Fehlern? Warum lassen wir zu, dass wieder Kriegszündler und machtbesessene Männer uns ihre Vorstellungen und Ideologien aufzwingen? Krieg, mit welchen Waffen auch immer, ist der absolute Horror für jeden einzelnen Menschen, den es betrifft. Millionen Tote, die Schändung von Frauen und Mädchen, die Zerstörung von souveränen und gewachsenen Gesellschaften mit ihrer Natur, Vertreibung und Flucht der angestammten Bevölkerung, sind die Folgen. Nichts anderes machen Putin und seine Gleichgesinnten. Glasklar, für alle ersichtlich, treiben uns die USA, China, Russland und weitere Regierungen, mit ihrer diktatorischen Weltsicht in einen dritten Weltkrieg und damit in Unterdrückung und grausames Elend. Auch wenn die Europäischen Länder und die Schweiz Trump hofieren und die eigenen Rechte und Werte billig verkaufen, die USA und ihre Partnerschaft mit der EU und damit auch mit der Schweiz, ist endgültig vorbei, denn sie resultiert aus der Zeit der Siegermächte über Hitlerdeutschland.

    Wir sollten dankbar sein für diese Chance uns mit der EU neu aufzustellen und einzusehen, dass unser Überleben nicht von den egozentrischen Wirtschaftsdeals und kriminellen Börsenspielchen eines Donald Trump abhängt, sondern vor allem von einem rechtsstaatlichen, regelbasierten und respektvollen Umgang miteinander. Wir sollten uns die Fragen stellen, was uns heute in Freiheit leben, zu denken und handeln zu düfen bedeutet? Akzeptieren wir noch die Solidarität mit anders Denkenden, da ja jede/r ein Recht auf seine Meinung hat aber nur in einem echten Diskurs fruchtbare Kompromisse zustande kommen? Ist uns die persönliche Sicherheit und die unserer Familien, unserer Gemeinschaften wichtig genug, um uns dafür einzusetzen? Was verstehen wir heute noch unter der Würde jedes einzelnen Menschen und unserer Mitgeschöpfe, den Tieren und der Natur, die unbestreitbar die Grundlage sind für unseren Verbleib auf der Erde?

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