Nun tanzen sie wieder, die Schäffler. Der Tanz einer kostümierten Männergruppe, die von einer Blaskapelle begleitet wird, ist ein traditioneller Zunft‑ und Volkstanz der Fassmacher, der sich seit dem 18. Jahrhundert von München aus im bayrischen Raum verbreitet hat.
Die älteste bildliche Darstellung stammt aus Nürnberg und ist auf 1570 datiert, während Quellen für München den Tanz als etablierte Tradition ab 1702 belegen. Eng mit dem Brauch verbunden ist die Legende, der Tanz sei 1517 während einer Pestepidemie entstanden, um die verängstigten Bürger wieder aus den Häusern zu locken und ihnen Lebensmut zu schenken.
Historiker verweisen jedoch darauf, dass Sterberegister für dieses Jahr keine auffällige Pestwelle zeigen und die Erzählung wohl erst im 19. Jahrhundert zur nachträglichen Sinnstiftung des Brauchs ausgestaltet wurde.

Historische Entwicklung
In der frühen Neuzeit nutzten viele Handwerkszünfte Tänze, Umzüge und Festspiele, um ihren inneren Zusammenhalt zu stärken und ihren gesellschaftlichen Rang sichtbar zu machen. Die Schäffler tanzen nur alle sieben Jahre, mit noch nicht geschlossenen, mit Buchs umwundenen Reifen, stellen Becher in geschlossene Reifen und präsentieren so handwerkliche Symbole in choreographischer Form.
Am Anfang und am Ende der Vorführung erklingt der Bayrische Defiliermarsch. Der Mittelteil besteht aus einer Vielzahl an Figuren, zu denen sich die Schäffler im Kreis drehen und kreative Formationen wie Laube, Kreuz, Schlange und Krone präsentieren. Weibliche Tänzerinnen haben wir in der Gruppierung keine gesichtet. Es tanzen ausschliesslich Männer, was in der heutigen Zeit stossend wirkt.
Kasper neckt Zuschauende
Die kunstvollen Figuren wie die „Laube“ und die „Schlange“ wirken besonders beeindruckend. Mit dabei ist auch der Kasper: Mit Russ im Gesicht sorgt er für ordentlich Schabernack im Publikum. Niemand ist vor seinen Spässen sicher, was für grossartige Stimmung sorgt: Der Kasper schwärzt mit einem Finger die Nasen der Zuschauenden, was Glück bedeuten soll.
Für München ist der Schäfflertanz 1702 in einem Signat des Kurfürsten Max II. Emanuel belegt, der die Aufführung als bereits eingeführte Tradition erwähnt. 1760 legte Kurfürst Max III. Joseph einen regelmässigen Aufführungsturnus von sieben Jahren fest, womit der Tanz endgültig in den offiziellen Fest‑ und Brauchkalender der Stadt integriert wurde.

Verbreitung im altbayerischen Raum.
Vom Kerngebiet München aus verbreitete sich der Tanz ab 1830 durch wandernde Schäfflergesellen in zahlreiche Orte. So nahmen auch kleinere Städte und Märkte den Brauch auf, passten ihn an lokale Vereine an und gründeten eigene Schäffler- oder Schäfflergruppen, die den Tanz ebenfalls turnusmässig aufführen. Wir haben die schöne Tradition vergangene Woche im Münchner Vorort Laim erlebt. Ausser uns haben rund 200 Zuschauerinnen und Zuschauer die rund halbstündige Vorführung verfolgt.
Ausser in München gibt es auch in weiteren Orten wie Eichstätt, Ergoldsbach, Ingolstadt, Ismaning, Kelheim, Kulmbach, Landau an der Isar, Landshut, Mainburg, Moosburg an der Isar, Murnau, Mühldorf am Inn, Partenkirchen, Pfaffenhofen an der Ilm, Schwarzach, Stadtprozelten, Taufkirchen (Vils) und Traunstein etablierte Schäfflergruppen.
Diese knüpfen an die Münchner Tradition an, haben aber jeweils eigene Vereinsgeschichten, Kostümvarianten und Ablaufdetails entwickelt. Die enge Bindung an den siebenjährigen Rhythmus, an Winter‑ oder Faschingszeiten sowie an lokale Schutzheilige oder Stadtjubiläen zeigt, wie stark der Tanz in der regionalen Festkultur Bayerns verankert ist.
Die Schäffler tanzen noch bis am 17. Februar 2026. Und dann erst wieder im Jahr 2033.

Titelfoto: Die Aufführung am Laimer Anger hat gezeigt, dass Traditionen in Bayern lebendiger sind denn je. Fotos: PS. Kasper-Foto: Privat
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