Das Bundesamt für Statistik (BFS) und mehrere Kantone haben kürzlich die polizeiliche Kriminalstatistik 2025 veröffentlicht. Der Berner Ex-Staatsanwalt Andreas Jenzer erklärt die neusten Entwicklungen.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Straftaten um 1,5% gesunken. Wie bereits in den vergangenen Jahren ist dagegen die Zahl der schweren Gewaltdelikte angestiegen (+8,1%). Von den 55 vollendeten Tötungsdelikten geschahen 61,8% im häuslichen Bereich.
Statistisch zugenommen hat auch die Zahl der Vergewaltigungen (+29%). Andere sexuelle Übergriffe wie Nötigungen sind dagegen zurückgegangen (-14%). Das hängt mit der Gesetzesänderung bezüglich Vergewaltigung zusammen. Die Zahl digitaler Delikte (Cybercrime) ist in etwa gleichgeblieben.
Schweizer – Ausländer
42,1% (total 38 821 Personen) der beschuldigten Personen sind Schweizer Staatsangehörige, 32,3% (29 725 Personen) ausländische Staatsangehörige der ständigen Wohnbevölkerung. 5,8% (5386 Personen) sind die Asylbewerber, und 19,8% (18 215 Personen) waren Ausländerinnen und Ausländer ohne Wohnsitz in der Schweiz.
Seniorweb stellte Andreas Jenzer, Ex-Staatsanwalt und Kriminologe, Fragen zu den neusten Zahlen.
Seniorweb: Weniger Einbrüche, aber mehr Vergewaltigungen. Spiegelt die Statistik Ihrer Meinung nach die tatsächliche Sicherheitslage in der Schweiz wider. Oder sehen Sie Diskrepanzen zwischen Realität und Wahrnehmung?
Andreas Jenzer: Sie haben die Statistik falsch gelesen, es hat mehr Einbruchdiebstähle gegeben und die Tendenz bei dieser Deliktsart ist seit Jahren steigend. Durch die offenen Grenzen, die desolate Wirtschaftslage in Frankreich und Deutschland und die geringe Aufklärungsquote wegen Personalmangels bei den schweizerischen Polizeicorps werden die Deliktszahlen beim Einbruchdiebstahl weiterhin zunehmen.
Die Zahl der Einbrüche und Einschleichdiebstähle hat zugenommen. Foto: Pixabay
Schwere Gewaltdelikte, Femizide und Vergewaltigungen, scheinen sich vom öffentlichen Raum in den Privatbereich zu verlagern. Stichwort: Mehr häusliche Gewalt. Was steckt Ihrer Einschätzung nach hinter dieser Entwicklung?
«Häusliche Gewalt» ist ein weiter Begriff. Generell ist hier die Dunkelziffer (Straftaten, die nicht in der Kriminalstatistik enthalten sind) sehr gross. Interessant ist, dass die massiven, schweren Taten in diesem Bereich (vollendete oder versuchte Tötungsdelikte) mehrheitlich durch Ausländer begangen werden. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf das sehr interessante und erhellende Buch von Prof. Dr. med. Frank Urbaniok («Schattenseiten der Migration»).
Gibt es Deliktsbereiche, die Ihnen besondere Sorgen bereiten? In welchen Bereichen sehen Sie die Justiz derzeit besonders gefordert oder gar überlastet?
Ja, der sogenannte «cyberkriminelle Betrug»: Die zunehmende Digitalisierung im Zahlungsverkehr bedroht unser Geld auf unseren Bankkonti. Von der «Front» höre ich, dass in diesem Bereich die Deliktszahlen sehr stark steigen. Solche Taten hinterlassen beim Bürger ein starkes Ohnmachtsgefühl. Die Täter operieren meist aus dem (entfernten) Ausland, die Rechtshilfe funktioniert gar nicht oder nur schleppend, was dazu führt, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz der Taten aufgeklärt werden kann. Das abgezogene Geld ist fast immer verloren und die Banken weigern sich, den betroffenen Kontoinhabern Schadenersatz zu leisten. Meines Erachtens sind diesbezüglich auch die Banken in die Pflicht zu nehmen, sie müssen aufwendigere Sicherheitssysteme installieren.
Wie beeinflusst der Personalmangel bei Polizei und Justiz die Verfolgung bestimmter Delikte?
Der knappe Personalbestand ist nur die eine Seite. Zu erwähnen sind hier auch die zunehmend restriktiveren prozessrechtlichen Vorschriften (alles immer zu Gunsten der Beschuldigten), die den Aufwand im Untersuchungsverfahren für Polizei und Staatsanwaltschaft erhöhen.
Mit Polizeifahrzeugen allein gelingen kein Ermittlungserfolg. Es braucht auch genügend qualifiziertes Personal. Foto Kapo Bern.
Werden Delikte im digitalen Raum – z. B. Internet-Betrug oder Hass im Netz – mittlerweile konsequenter verfolgt als noch vor einigen Jahren?
Bei der Kantonspolizei Bern ist das der Fall. Die (technischen) Möglichkeiten haben sich verbessert, darum können die Fälle auch zielführender an die Staatsanwaltschaft übermittelt werden.
Welche Präventionsstrategien oder gesetzlichen Anpassungen halten Sie für notwendig, um die aktuelle Entwicklung zu bremsen?
Die Ausarbeitung von Abkommen mit Drittländern, welche ausgeschaffte Personen wieder aufnehmen müssen. Und die Umsetzung der vom Schweizer Volk im Jahre 2014 angenommenen Volksinitiative gegen Masseneinwanderung.
72 Prozent der Insassen in Schweizer Gefängnissen sind laut BFS Ausländer. Foto Pixabay.
Weit über die Hälfte der Straftaten wurden 2025 durch ausländische Täter, durch Kriminaltouristen, Migranten und Asylbewerber begangen. Wie soll die Schweiz mit diesem Phänomen umgehen?
Das müssen Sie die Politiker fragen. Wie gesagt, sind bei schweren Straftaten wie Tötungsdelikten, Gewalt- und Sexualdelikten ausländische Täter (zum Beispiel von Nordafrika, Afghanistan und Syrien) überproportional vertreten. Als mögliche Gründe können vor allem patriarchale Strukturen, Einstellungen zu Gewalt oder Geschlechterrollen und teils religiös geprägte Normen genannt werden.
Wenn Sie den Seniorinnen und Senioren eine Botschaft aus der Statistik mitgeben könnten: Welche wäre das?
Seien Sie misstrauisch gegenüber Telefonanrufen von unbekannten Personen und gegenüber von Mails, welche Sie auffordern, irgendwelche Zahlungsdetails zu bestätigen. Fragen Sie im Zweifelsfall ihre Kinder oder Nachbarn um Rat.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
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Zur Person
Andreas Jenzer (Foto) ist ein Berner Jurist und Kriminologe. Vor seiner Pensionierung war er als Untersuchungsrichter und Staatsanwalt in Bern und in der Region Berner Jura-Seeland tätig. In diesen Funktionen war er an der Aufklärung mehrerer öffentlichkeitsträchtiger Verbrechen beteiligt. Der Bundesrat ernannte ihn zeitweise zum ausserordentlichen Bundesstaatsanwalt. Heute fungiert Andreas Jenzer nebenamtlich unter anderem als Präsident der bernischen Rekurskommission (RKMF), die Einsprachen gegen Massnahmen des Strassenverkehrsamtes beurteilt.
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Titelbild: Cyberbetrug ist im Vormarsch. Foto: Freepik.
