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Wie Pflanzen kommunizieren

Ein sinnlich-poetischer Film über die Beziehungen zwischen Pflanzen, Insekten und Menschen, und wie die Verflechtung von Wissenschaft und Kunst neue Perspektiven auf eine volatile Welt eröffnet. Die Schweizer Filmemacherin Antshi von Moos lädt uns mit ihrer Masterabschlussarbeit «Unter Pflanzen Ein Perspektivenwechsel» ein zum Staunen, Denken und Sinnieren: ein Muss der anderen Art, weil dieser Film-Essay zeigt, wie die Welt anders sein könnte und müsste. Ab 14. Mai im Kino.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Consuelo De Moraes steht kurz davor, das Florigen zu entdecken: eine Substanz, die Pflanzen sofort zum Blühen bringt. Währenddessen besucht die Buchautorin Florianne Koechlin die fortschrittlichsten Labore Europas und enthüllt, wie Pflanzen, Pilze, Insekten und Mikroben miteinander kommunizieren. Das Künstlerduo Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger seinerseits verwischt die Grenzen zwischen Mensch und Natur und erschafft aus seinem lebendigen Garten surreale Kunstinstallationen. Vereint durch ihre Leidenschaft für die Pflanzenwelt ergründen die Protagonist*innen dieses gescheiten und geheimnisvollen Films die komplexen Interaktionen und lassen das Publikum in die verborgene Welt der Pflanzenkommunikation eintauchen. 

Irgendwo in der Ferne erinnern wir uns wohl, etwas gehört zu haben von Paracelsus, dem Naturphilosophen und Sozialethiker, und von Hildegard von Bingen, der Mystikerin und Heilkundigen. Sie haben die tiefe Bedeutung der Natur schon vor Jahrhunderten betont, danach gelebt und gewirkt. Irgendwo in der Ferne erinnern wir uns an dieses oder jenes Naturgedicht von Johann Wolfgang von Goethe oder an Seerosenbilder von Claude Monet. Irgendwo in der Ferne erinnern wir uns an wissenschaftliche Aussagen im Biologieunterricht über die Geheimnisse der Natur. Doch eben, nur irgendwo in der Ferne! Die Hektik des Alltags und der Druck des politisch verlangten Fortschritts haben vieles davon verdrängt, und es blieb ohne Wirkung auf unser Leben. Der fundierte, wunderbare, geheimnisvolle und menschlich berührende Film «Flying Scents of Plants and People« / «Unter Pflanzen Ein Perspektivenwechsel» von Antshi von Moos kann das positiv verändern. 

Die Regisseurin mit der Perspektive auf die mehr-als-menschliche Welt 

Aus dem Directors’ Statement von Antshi von Moos 

Ich glaube, es ist an der Zeit, unsere Beziehung zu Pflanzen grundlegend zu überdenken. Die Dominanz des Menschen über Pflanzen und Tiere ist überholt. In vielen Bereichen der westlichen Gesellschaft, wie beispielsweise in der Industrie und Politik, herrscht nach wie vor eine alte Sichtweise vor, in der Pflanzen abgewertet und dominiert werden. Die wissenschaftliche Forschung zeichnet jedoch ein anderes Bild: Im Pflanzenreich koexistieren vielfältige und intelligente Systeme in ständiger und sinnvoller Verbindung miteinander. 

Mit «Unter Pflanzen – Ein Perspektivenwechsel» möchte ich unsere Wahrnehmung von Pflanzen neu definieren. Der Film vereint verschiedene Perspektiven aus Wissenschaft und Kunst und regt zum Nachdenken an: Wie möchten wir unser Zusammenleben mit Pflanzen auf unserem gemeinsamen Planeten gestalten? Wenn Umwelt- und Klimaschutzmassnahmen mehr als symbolische Gesten sein sollen, brauchen wir einen echten Paradigmenwechsel. Ich bin überzeugt davon, dass dies damit beginnt, wie wir Pflanzen wahrnehmen – und zu einer tiefgreifenden Veränderung in der Art und Weise führen muss, wie wir anbauen, produzieren, teilen, essen und leben. 

Ich habe bewusst weibliche Protagonistinnen ausgewählt, deren Perspektiven unterschiedliche Sichtweisen auf Pflanzen eröffnen. Trotz ihrer unterschiedlichen beruflichen Hintergründe teilen sie alle eine tiefe Faszination für Pflanzen als kommunikative, autonome Lebewesen. Die wissenschaftliche Forschung macht sichtbar, was sonst verborgen bliebe, da wir mit unseren Augen nicht sehen können, was Pflanzen wirklich tun.

Ich wollte eine visuelle und akustische Ebene hinzufügen, auf der die Pflanzen für sich selbst sprechen können. Wir haben nachts mit Makroobjektiven gearbeitet und dabei Kräne und hochempfindliche Mikrofone eingesetzt. Diese Geräusche wurden zur Inspiration und zum Ausgangspunkt für die Filmmusik, welche die unsichtbare Welt der Pflanzen widerspiegelt: ihre Schwingungen, Signale, Spannungen und ständige Kommunikation mit ihrer Umgebung. Das Ergebnis ist eine subtile, immersive Klanglandschaft – eine akustische Erweiterung der zentralen Botschaft des Films, dass Pflanzen Lebewesen sind.

Die Protagonist:innen 

Prof. Dr. Consuelo De Moraes – Leiterin Biokommunikation Group, ETH Zürich:  Consuelo De Moraes ist weltweit eine der wenigen Expertinnen auf dem Gebiet der pflanzlichen Duftstoffmoleküle. Seit 2013 leitet sie die Biocommunication Group an der ETH Zürich, wo sie als Dozentin auch unterrichtet. Sie erforscht die chemischen Aspekte der Interaktion zwischen Pflanzen, Insekten und anderen Organismen, mit besonderem Fokus auf die ökologische Funktion von pflanzlichen Duftstoffen.

Florianne Koechlin, Autorin und Biologin: Die ausgebildete Biologin ist Autorin mehrerer Sachbücher, darunter «Verwoben & verflochten – Was Mikroben, Tiere und Pflanzen eint und wie sie uns ernähren» (Lenos Verlag, 2025). Darin führt sie Gespräche mit Wissenschaftler*innen, Bäuer*innen und Philosoph*innen über die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Pflanzenkommunikation, deren Beziehungsnetze und der zukünftigen Landwirtschaft. Sie versteht es, wissenschaftliche Sachverhalte einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen. 

Gerda Steiner, Jörg Lenzlinger ‒ Künstler-Duo: Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger kreieren seit über zwanzig Jahren raumgreifende, immersive Installationen in Museen auf der ganzen Welt. Das Künstler-Duo schafft Kunstwerke aus getrockneten Pflanzenteilen wie Wurzeln, Ästen, Blättern und Samen. Die Pflanzen scheinen dabei mit Fundobjekten, Elektroschrott, Tierfiguren und Kunstdünger-Skulpturen ineinander zu wachsen. Und mittendrin die Besucher*innen, als Teil der Installation. 

Dr. Emanuel Devers – Leitender Wissenschaftler der Biocommunication Group, bee damage project, ETH Zürich: Emanuel Devers forscht als Senior Scientist im Biocommunication Research Labor der ETH Zürich. Dort ist er am «Bumblebee-Damage-Projekt» beteiligt. In seinen Versuchsreihen konnte er eine zentrale Beobachtung bestätigen: Hummeln verletzen gezielt Blätter, um Pflanzen dazu zu bringen, deutlich früher zu blühen, in manchen Fällen bis zu drei Wochen. 

Ein Abgang wie nach einem guten Glas Wein 

Als einziges Land der Welt hat die Schweiz die Würde der Kreatur in der Verfassung festgehalten. Dieser Artikel wurde 2002 in dem Gesetz konkretisiert, das gentechnische Veränderungen regelt. Als damaliges Mitglied der Eidgenössischen Ethikkommission hat Florianne Koechlin an der Broschüre «Würde der Kreatur bei Pflanzen» mitgearbeitet. Die Arbeit wurde 2008 mit dem IG-Nobelpreis ausgezeichnet, der wissenschaftliche Leistungen prämiert, die zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen. «Vielleicht ist jetzt, zehn Jahre später, die Phase des Lachens vorbei» («Das Lauschen im Walde», Samanta Siegfried, 2018), meint Florianne Koechlin.

Regie: Antshi von Moos, Produktion: 2025, Länge: 66 min, Verleih: Vinca

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