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Die eigenen vier Wände nie verlassen

Viele ältere Menschen wollen ihr Leben so lange wie möglich, am liebsten für immer, zu Hause verbringen. Das setzt aber in vielen Fällen bauliche Anpassungen voraus.

Meine Eltern haben sich im mittleren Lebensalter in einer Terrassen-Siedlung auf dem Land eine Eigentumswohnung gekauft. Zwar war sie ebenerdig, doch sie befand sich an einem Hang just in der Mitte. Die Strasse oben sowie die Strasse unten konnten jeweils nur über 38 steile Treppenstufen erreicht werden. Es gab keine Möglichkeit, an diesem Umstand mit baulichen Massnahmen etwas zu ändern. Eine geeignetere Wohnung zu suchen, war für sie im hohen Alter keine Option mehr. Sie blieben dort, solange es ging und dislozierten eines Tages schliesslich (notgedrungen) in ein Pflegeheim.

Nicht immer sind die Bedingungen für Menschen, die möglichst ihr ganzes Leben in den eigenen vier Wänden verbringen möchten, so suboptimal. Oft genügen ein paar wenige Umstellungen respektive Anpassungen, um allfällige Hindernisse aus dem Weg zu schaffen oder einen Zugang zu erleichtern. Hier ein paar Hinweise:

Vor allem Sturzgefahr vermeiden

Das A und O: Es sollte in der Wohnung oder im Haus alles vorgekehrt werden, um die Sturzgefahr möglichst tief zu halten. Ein hohes Risiko stellen etwa Türschwellen dar, die durch flache Rampen ersetzt werden könnten. Auch lose Teppiche, auf denen man leicht ausrutschen kann, sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Installieren Sie zudem nach Möglichkeit Bewegungsmelder im Bodenbereich, damit Wege nachts automatisch ausgeleuchtet werden. Im Eingangsbereich empfiehlt sich eine stabile Sitzgelegenheit zum komfortablen An- und Ausziehen der Schuhe.

Heikles Badezimmer

Als Hochrisikobereich in Sachen Sturzgefahr wird von Experten das Badezimmer bezeichnet. Ein schwellenloser, ebenerdiger Einstieg mit rutschfesten Fliesen kann folgenschwere Stürze verhindern. Montieren Sie zudem fest verankerte Haltegriffe in der Dusche und klappbare Stützgriffe links und rechts neben der Toilette.

Hilfreich sind auch ein fest installierter Duschklappsitz oder ein stabiler Duschhocker zur Entlastung des Kreislaufs. Ein ergonomisches WC erleichtert zudem das Hinsetzen und Aufstehen. Eine Bemerkung am Rande: Kürzlich musste ich einem älteren Mann in der Toilette eines Restaurants beim Aufstehen helfen. Der Sitz lag so tief, dass ihm die Kraft dazu fehlte und er sich nirgendwo selber hochziehen konnte.

Auch in der Küche lässt sich einiges einrichten, damit in die Jahre gekommenen Seniorinnen und Senioren das Leben zu Hause erleichtert wird. Platzieren Sie häufig genutzte Utensilien und Elektrogeräte auf Arbeitsplattenhöhe zwischen 85 und 100 Zentimetern. Vermeiden Sie tiefe Unterschränke. Und apropos Sicherheit in der Küche: Eine automatische Herdabschaltung minimiert die Brandgefahr, falls einmal vergessen wird, eine Kochplatte abzuschalten.

Vorsicht vor Stolperfallen. Foto: Cathrin Bach

Im Wohn- und Schlafbereich sollten neben den erwähnten losen Teppichen auch freiliegende Kabel konsequent entfernt werden, da sie die Hauptursache für Stürze darstellen. Sessel und Betten weisen im Idealfall eine Komforthöhe von etwa 50 bis 55 Zentimetern auf, damit das Aufstehen leichter fällt. Ein elektrisch verstellbarer Lattenrost unterstützt das Aufrichten im Bett. Lichtschalter und Steckdosen sollten auf einer Höhe von 85 Zentimetern montiert sein, damit sie auch im Sitzen bequem erreichbar sind.

Finanzielle Aspekte

Viele der erwähnten Massnahmen sind – sofern sie sich überhaupt umsetzen lassen – allerdings mit teilweise beträchtlichen Kosten, respektive Investitionen verbunden.

In der Schweiz hängt die finanzielle und steuerliche Handhabung von altersgerechten Umbauten (wie etwa dem Anbringen von Handläufen, Haltestangen oder dem Umbau des Badezimmers) stark davon ab, ob jemand in Miete oder in einer eigenen Immobilie wohnt. Hauseigentümer tragen die Kosten selber, können sie jedoch meist vom steuerbaren Einkommen (werterhaltender Unterhalt) abziehen. Mietern bleibt bei selbstbezahlten Umbauten nur der Abzug über die behinderungsbedingten Kosten in der Steuererklärung – sofern eine medizinische Notwendigkeit nachgewiesen werden kann.

Der Einbau eines Treppenlifts ist eine kostspielige Angelegenheit. Foto: zVg.

Noch eine wichtige Ergänzung: Weil das Schweizer Stimmvolk eine Systemänderung beschlossen hat, entfällt der Eigenmietwert ab dem 1. Januar 2029. Im Gegenzug werden dann aber auch die Abzüge für private Unterhaltskosten auf Bundesebene weitgehend gestrichen. Grössere wertvermehrende Umbauten sollten deshalb sinnigerweise noch vor diesem Termin realisiert werden.

Bei einer amtlich oder medizinisch anerkannten Einschränkung (Behinderung im steuerrechtlichen Sinn) können Umbaukosten in fast allen Kantonen als behinderungsbedingte Kosten abgezogen werden.

Unabhängig vom Einkommen

Unabhängig von den Eigentumsverhältnissen dürfen Betroffene mit einer finanziellen Unterstützung rechnen, sofern Investitionen aufgrund von körperlichen Einschränkungen notwendig sind.

Wenn Sie das AHV-Alter noch nicht erreicht haben, springt die IV im Falle einer dauerhaften Einschränkung ein und berappt zahlreiche Kosten für Anpassungen im Wohnbereich, etwa für Badezimmerumbauten oder Schwellenrampen.

Für Menschen im AHV-Alter fällt eine direkte Unterstützung für bauliche Massnahmen weg. Unter bestimmten Bedingungen werden aber Beiträge an Mobilitätshilfen geleistet. Wer Ergänzungsleistungen (EL) zur AHV/IV bezieht, kann bei der zuständigen EL-Stelle ein Gesuch zur Rückerstattung von Kosten für Krankheits- und Behinderungsbauten einreichen (sofern nicht von der IV gedeckt).

Und last but not least: Einige Kantone bieten spezielle Programme an. So fördert etwa der Kanton Baselland seit rund zwei Jahren altersgerechte Wohnraumanpassungen für Personen im AHV-Alter direkt.

Ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ist durch die Kombination aus barrierefreier Raumgestaltung und modernen Unterstützungsdiensten auch bei zunehmendem Hilfebedarf meist lange Zeit möglich.

Interessierte finden im Netz unter anderem einen Ratgeber von Pro Senectute zur Wohn(um)gestaltung mit zahlreichen Tipps.

https://www.prosenectute.ch/de/ratgeber/wohnen/alterswohnung.html

Titelbild: Treppen zu Hause können im Alter zu einer grossen Herausforderung werden. Foto Cathrin Bach

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