Schon mal überlegt? Wer Worte wie Zigeuner, Zwerge, Eskimos, Indianer und erst recht das N-Wort verwendet, gilt als ungschpüriger Rüpel. Seniorinnen und Senioren hingegen kann man mit den heftigsten Ausdrücken beschimpfen, ohne dass die politisch Korrekten schnappatmen.
Wie spricht man Sie an, wenn Sie zum Coiffeur gehen, zur Zahnärztin oder aufs Amt? Man sagt: «Guten Tag Frau X, guten Tag Herr Y». Doch wie redet man über Sie, wenn Sie wieder draussen sind? Hoffentlich so: «Das war doch der nette Herr Y, die liebenswürdige Frau X». Eben: hoffentlich. Oder halt doch ganz anders. Wie werden Seniorinnen und Senioren bezeichnet, wenn diese ausser Hörweite sind? Als «Grosis» und Opas» zum Beispiel. Das geht ja noch. Aber es kommt noch weit dicker.
So benennen uns die Werberinnen und die Medien.
Die Grosseltern zuhause zu verniedlichen ist in Ordnung. Aber Senioren in den Medien und in der Werbung zu verzwergen, nein, das geht nicht. Die Grossmutter, der Grossvater, ist kein
● Grosi oder Opa.
Wenn die Schurnis so richtig lustig sein wollen, benennen sie die Bewohnenden eines Altersheim gerne als
● Krampfaderngeschwader oder Rollatorenflotte.
Im Fernsehen sind wir Senioren ja die letzten, die noch linear TV gucken. Drum werden wir als «liebe Zuschauerinnen und Zuschauer» begrüsst. Wenn die Mikrofone ausgeschaltet sind, tönts anders. Ein hoher RTL-Chef bezeichnet sein älteres Publikum hintenrum gerne auch mal als
● Kukidents.
Apple, Microsoft, Google heissen die grossen IT-Firmen. Hier arbeiten Tausende von Programmentwicklern an Spielen, Suchmaschinen oder KI-Tools. Manche dieser Programme sollen möglichst einfach zu bedienen sein. Wenn die Programme ihr Ziel erreicht haben, gelten sie bei den IT-Leuten als
● greisentauglich.
So bezeichnet man uns im Gesundheitswesen.
Es gibt Worthülsen und Blähwörter wie «zeitnah» und «zielführend». Nun bemerken wir, dass eine weitere Sprachblüte ihren unangenehmen Duft verbreitet. Nämlich: Wir Seniorinnen und Senioren sind
● pflegenahe Jahrgänge.
Oje, jetzt wechseln wir von «pflegenah» zu «pflegeaktiv». Wir müssen ins Spital. Hier lernen wir die Pflegerin kennen und schätzen. Wir staunen, dass sie nicht mal weiss, ob sie schon auf de Toilette war. Sie fragt nämlich am Morgen:
● Haben wir schon Pipi gemacht?
So schimpfen die Politikerinnen und Politiker, wenn sie unter sich sind.
Diese staatstragenden Männer und Frauen haben schwere Lasten zu tragen. Nämlich uns. Wir sind für sie eine
● Alterslast.
Wenn Ju-So, Ju-Mitte oder Ju-SVP über alte Politsaurier schimpfen, hören wir, die Schweiz sei eine
● Gerontokratie.
Sind Politiker in der Nähe, sind auch Soziologinnen nicht weit. Deren Fachsprache verstehen wir nicht. Umso besser begreifen wir, wenn sie uns mit Schimpflatein eindecken, zum Beipiel
● Altenplage oder demografische Zeitbombe.
Stösst eine Vertreterin der Sozialversicherungen dazu, befürchtet diese die Überalterung. Wenn die Versicherungsfrau richtig in Fahrt kommt, übertrumpft sie die Politiker. Sie beklagt die:
● Seniorenlawine und Rentnerschwemme,
So lästern die Jungen über uns.
Die Testosteron-Schwemmen und Hormon-Ströme fliessen nach der Pubertät wieder geruhsamer. Drum nehmen wir die Überflutungen auch nicht allzu krumm. Festhalten müssen wir uns dennoch. Wir sind
● Gammelfleisch, Gruftis, Kompostis, Friedhofsgemüse.
Wir landen auf dem Friedhof. Hat schon was. Und ist ein gutes Stichwort, um Schluss zu machen.
Was meinen unsere Leserinnen und Leser? Wir Senioren müssen uns diskriminierende Ausdrücke und beleidigende Bezeichnungen gefallen lassen. Haben Sie weitere Beispiele? Kennen oder erleben Sie Altersdiskriminierungen in anderer Form? Wir warten auf Ihre Kommentare.
Petition mit 28 000 Unterschriften gegen Altersdiskriminierung
Dieser Artikel steht in Zusammenhang mit einen Petition, die Mitte Juni zahlreiche Organisationen in Bern den Bundesparlamenten übergeben haben. Beteiligt waren unter anderem der Dachverband Aktiver Seniorinnen- und Seniorenorganisationen, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände sowie Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik. Mit fast 28 000 Unterschriften forderte die Petition unter anderem einen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung der Altersdiskriminierung.
Bild: KI, pst



Meine lieber Schatz,
da hast mal wieder richtig zugeschlagen, resp. zugeschrieben. Ich bin dir so dankbar, dass du das Grosi erwähnst. immer wieder ärgere ich mich über Schlagzeilen wie etwa, dass Grosi hat den Angreifer in die Flucht geschlagen, das Grosi hat den Betrug bemerkt.
Also bitte, wir Grosi sind gestandene Frau mit Berufs-und Lebenserfahrung, es ist nicht nötig uns zu bedeutungslosen Wesen zu degradieren.
Und überhaupt, würde man einen Banker oder Bundesrat je also Opi bezeichnen, nein, ja eben!
Dorothea Walther Lebenspartnerin
Das befriedigende ist, dass alle jene,
welche sich so despektierlich über die
Alten äussern, selbst – ohne etwas zu tun – einmal alt werden.
Ein Hoch auf das Karma.
👍👍👍
Muss man aus allem so ein Thema machen ? Ich bin 64 Jahre alt,bin Krankenschwester ( NICHT Pflegefachkraft) ,habe 3 entzückende Enkel und denke mir :
Da ,wo Du jetzt bist ,war ich schon lange …..
Waren wir früher anders unterwegs ? Nein
Ich kann da nur eins sagen,die solche Schimpfwörter verwenden ,die sollen mal nicht vergessen das wir ein Arbeitsleben hinter uns haben und das sie vom Altwerden auch nicht verschont bleiben…
Ist nur traurig,wie verroht die Gesellschaft geworden ist und ich sage immer das «KARMA» schlägt zurück…
Ehre die Alten, verspottet sie nie, die waren wie du und du wirst wie sie.
Die Senioren sollten mal bis auf das Nötigste für 1 bis 2 Wochen auf jeglichen Konsum verzichten! Sie machen gut ein Drittel der Bevölkerung aus. Wenn aus deren Reihen plötzlich kaum noch Geld fließt, könnte das die gesamte (Binnen-)Wirtschaft bis aufs Mark erschüttern! Mal gucken ob dann noch immer das Maul so weit aufgerissen wird!
Der Artikel kommt mir so vor, als hätte der Autor krampfhaft negative Bereichnungen gesammelt und damit seine Geschichte erfunden. Mir (74) begegnet so etwas in der Realität nie. Ich lasse mir allerdings auch NIEMALS etwas gefallen.
Bin ganz bei Ihnen, E. Lebsanft. Und auch ich empfinde die Anrede. „Opa“ meiner Enkelinnen und Enkeln überhaupt nicht diskriminierend.
Werner Hübscher, E. Lebsanft: Ja, der Autor, ich , hat negative Bezeichnungen gesammelt, vürnehmer gesagt er hat recherchiert. Allerdings wars keine krampfhafte Recherche. Die negativen Bezeichnungen liegen herum, wie jetzt die viel zu früh braunen Herbstblätter.
Opa: Privat ist das toll. Aber bitte, es kommt auf den Zusammenhang an: «Die Opas Hübscher und Lebsanft äussern sich auf Seniorweb über Altersdiskriminierung.» Oder «Klima-Grosis» kämpfen für…
Opa Steiger wünscht schöne Tage.
Alter ist kein Grund, einen Menschen weniger wertzuschätzen. Die ältere Generation hat die Fundamente geschaffen, auf denen die jüngere heute aufbauen kann. Sie hat Erfahrungen gesammelt, Fehler gemacht, gelernt und vieles aufgebaut, was uns heute selbstverständlich erscheint.
Wir sollten nicht in „alt“ und „jung“ denken, sondern in Miteinander. Die Jungen bringen neue Ideen und Energie, die Älteren Erfahrung und Weisheit. Beides zusammen macht eine Gesellschaft stärker. Denn ohne die Wurzeln gäbe es keine neuen Äste.
«Wir Senioren müssen uns diskriminierende Ausdrücke und beleidigende Bezeichnungen gefallen lassen.» Nein. Müssen wir nicht. Wehren wir uns! Schliessen wir uns zusammen, nehmen wir politisch Einfluss und (wichtig!) seien wir dort aktiv und laut, wo es auch die Jüngeren sind: auf den sozialen Plattformen.
Ich nehme die Altenbezeichnungen mit Humor. Die einen waren mir sogar neu. Meistens bekommen wir sie nicht zu hören. Ich selber habe bei der Pensionierung eine Gruppe namens ARTROSIA gegründet. ROLLATORI oder BLISTER standen auch zur Auswahl. Mehr Selbstbewusstsein und Lächeln liebe Kompostis!
Mamie und Maman, Papie und Papa sogar mit eigenen Feiertagen, Grosseltern als Überbrücker während zweimonatigen Sommerferien und gerngesehene Familienmitglieder in den zahlreichen Familientreffen durch das ganze Jahr. Man ist sich näher, enger verbunden mit der vorangehenden Generation, als in der ach so modernen Schweiz. Solidarität ist kein Fremdwort. Unseren Enkeln aus den Nullerjahren nennen uns Grossmami, Grosspapi, manchmal mit Zunamen Burgund; die Nennung beim Vornamen hat keine Chance. Sie haben zuhause ihren Papi, ich bin die ältere Vaterfigur, also der Gross Papi. Das ist nicht nur Erziehungssache, aber auch. Vorlaute Heranwachsende sind ok, respektlose Erwachsene eben zurückgeblieben. Irgendwann kommt’s, manchmal eben erst in ihrem Alter.