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Die blaue Blume Glück

Der Garten im Mai. Der Mai ist ein Etappenziel im Gartenjahr: Die Zeit der Frühlingsblüher ist vorbei, die der Rosen und des Sommerflors noch nicht gekommen. Was bleibt? Blaue Blumen.

Ich muss gestehen, mein Garten ist nicht richtig farbig. Ich liebe weisse Blüten, hie und da einen Fleck sonnengelb und meine kleinen rosaroten Fairyröschen inmitten der Lavendelbüsche. Aber so richtig rot und orange, gestreift oder geflammt blüht bei mir eigentlich nichts. Aber blaue Blüten, von denen bekomme ich nie genug.

Bei blauen Blumen geht mir das Herz auf. So erging es wohl auch Joseph von Eichendorff (1788-1857): «Ich suche die blaue Blume, / Ich suche und finde sie nie, / Mir träumt, dass in der Blume / Mein gutes Glück mir blüh.»

Blaue Blütenträume

Nun, im Gegensatz zu Herrn Eichendorff habe ich meine blauen Blumen bereits gefunden und sie begleiten mich durch Gartenjahr. Das fängt an mit den Blausternen (Scilla) im Frühling an, die so himmelblau unter den Büschen hervorleuchten, dass selbst der schönste Frühlingshimmel etwas neidisch wird. Ich warte jedes Frühjahr auf sie, denn auch wenn sie in Gartenbüchern als «robust» bezeichnet werden, haben sie doch die leidige Gewohnheit, einfach zu verschwinden. Ob Mäuse daran schuld sind oder Schnecken oder ob ihnen der Schatten der nach ihrer Blüte belaubten Büsche nicht behagt – ich weiss es nicht.

Da sind die Vergissmeinnicht ganz anders. Hat man die einmal im Garten, dann vergisst man sie sicher nicht mehr. Aus jeder Ritze, unter jedem Rosenbusch zwinkern sie mit ihren blauen Äuglein hervor und ich bringe es, verzückt von so viel blauer Unschuld, einfach nicht fertig, sie energisch in ihre Schranken zu verweisen.

Jedes Jahr säe ich blauen Rittersporn an, den einjährigen, der nicht so hoch wird und deshalb in windigen Lagen nicht so schnell umfällt wie sein grosser, mehrjähriger Bruder. Aber heikel ist er auch und in der Regel sind die Schnecken schneller als ich, sodass ich am Schluss mit viel Glück noch eine Handvoll Rittersporne zum Blühen bringe. Das wird auch dieses Jahr so sein, habe ich heute beim Gartenrundgang gemerkt.

Osterenzian

Dafür haben sich meine Bluebells ausgebreitet und blühen mit der dunkelblauen Akelei um die Wette. Und im Steinbeet konnten wir Hausbewohner uns dieses Jahr an einem grossen Tuff tiefblauer Enziane erfreuen – Osterenziane sozusagen, so früh blühten sie. Und bald sind auch die Glockenblumen und meine lichtblaue Iris soweit und dann ist die Zeit der langen Sommernächte gekommen, wo ich mich vor allem an weissen Blüten freue, die so schön im Dunkeln leuchten.

Aber die Geschichte meiner blauen Clematis muss ich doch noch schnell erzählen: Als ich meine jetzige Wohnung samt Garten bezog, setzte ich eine blaue Clematis unter die dunkle Eibe. Sie sollte zwischen den Nadelästen emporranken. Das ging ein Jahr gut, dann aber war sie weg. Also kaufte ich nach einiger Zeit eine zweite – mit demselben Ergebnis. Auch eine dritte konnte sich mit der schattigen Gartenecke nicht anfreunden und verschwand.

 

Blaues Gartenwunder

Nach weiteren zwei Jahren wurden die drei riesigen Nadelbäume auf dem Nachbargrundstück gefällt, die wie eine schwarze Wand meinen Garten begrenzten. Ihre Wurzeln hatten die Wasserleitung immer wieder beschädigt. Und im darauffolgenden Jahr traute ich meinen Augen nicht: Plötzlich leuchteten riesige Clematisblüten aus der Eibe, so viele, dass ich schnell unter den Eibenstrauch kriechen musste. Und siehe da: Alle drei Clematis hatten ausgetrieben und blühten um die Wette. Natürlich alle drei gleich, in nur leicht variierenden Blautönen. Aber ich habe es ja bereits am Anfang betont: Sehr farbig ist mein Garten nicht.

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