FrontKulturOrtsplanung im Dienst der Pferdepost

Ortsplanung im Dienst der Pferdepost

Zu den Europäischen Tagen des Denkmals mit dem Symbolbild der Helvetia über dem Basler Rhein lohnt unter anderem eine Reise in den Bündner Ort Thusis

Thusis liegt im Hinterrheintal am Ausgang der Nolla-Schlucht unter dem massiven Piz Beverin. Mit dem Ausbau der Fahrstrasse durch die Via Mala bekommt es im 19. Jahrhundert schlagartig grössere Bedeutung als Ort zum Übernachten und zum Pferdewechsel. So wurde eine den Zweck erfüllende Plansiedlung, das Thusner Neudorf erstellt: An der Hauptstrasse liegen die Gasthäuser und Ladengeschäfte für den Bedarf der Durchreisenden, oberhalb und unterhalb davon, gibt es parallele Gassen mit Stallungen und Ökonomiegebäuden, die obere und die untere Stallstrasse.

Um 1900 ist die Planung des Thusner Neudorfs noch klar zu erkennen. Foto Detroit Publishing Company 1905

Diese Struktur hat eine mehr oder minder rege Bautätigkeit überlebt, oder besser gesagt, wer sie sucht, findet sie noch. Heute und morgen mit kundiger Führung durch Experten der Denkmalpflege, aber der Stadt-Spaziergang durch die Stallstrassen und die Neudorfstrasse ist jederzeit möglich.

Die europäischen Tage des Denkmals Ausgabe 2015 stehen unter dem Titel Austausch – Einfluss und fokussieren die Thematik je nach Kanton ganz unterschiedlich. So hat der Kanton Zürich einen Schwerpunkt bei verschiedenen Minderheiten von Winterthur, der katholischen Diaspora, der jüdischen Gemeinschaft, den Freimaurern, einen anderen in der Psychiatriegeschichte, so weit sie sich in der Architektur spiegelt, während in Basel das Viertel Kleinhüningen beim Rheinhafen samt demselben den Austausch mit und den Einfluss von Aussen zeigen will.

Die Organisation der Denkmaltage obliegt den kantonalen Ämtern für Denkmalpflege, und im Geleitwort zur Broschüre, die alle Stationen verzeichnet und jeweils bei den Informationsständen vor Ort oder auch im Internet zu beziehen ist, wünscht Bundesrat Alain Berset „allen Besucherinnen und Besuchern eine spannende Spurensuche – des Eigenen im Fremden und des Fremden im Eigenen.»

Kultstätte aus prähistorischer Zeit: die Felszeichnungen auf Carschenna. Foto Christoph Gassmann

Der Kanton Graubünden und vor allem die Regionen an der Via Spluga, jahrhundertelang eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen über die Alpen, hat dazu einiges zu bieten. Und gerade mit dem Schwerpunkt Thusis, einem Ort, den wohl die meisten eher als Namen einer Raststätte an der N13 kennen, denn als lebendigen Marktort mit grosser Vergangenheit, haben die Bündner Denkmalpflege und der Archäologische Dienst eine geeignete Region gewählt, um das Ziel dieser Denkmaltage zu erreichen, nämlich ein breites Publikum für die Kulturgüter-Erhaltung zu sensibilisieren.

Nebst den erwähnten Führungen durch das Thusner Altdorf und das Neudorf gibt es heute Samstag und morgen Sonntag eine Reihe weiterer spannender Erkundungen, unter anderem spezielle Wanderungen in der Viamala, der Besuch einer einfachen Bauernkirche sowie des Weltkulturerbes St. Martin in Zillis und eine Reise in die Prähistorie zu den noch immer rätselhaften Felsbildern am Crap Carschenna.

Die Kirche St. Martin in Zillis mit der weltberühmten Holzkassettendecke aus dem Mittelalter. Foto: ewamama

Zu allen Anlässen vom Samstag oder Sonntag ist eine Anmeldung beim Infostand in der Alten Turnhalle von Thusis nötig, die Teilnehmerzahl ist überall beschränkt.

Für die Koordination der rund 200 Veranstaltungen in der ganzen Schweiz ist die Nationale Informationsstelle zum Kulturerbe (Nike) verantwortlich, die Programme sind im Internet sowie als Broschüre erhältlich. Die Europäischen Tage des Denkmals finden in 48 Ländern als kulturelles Engagement des Europarats statt.

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