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Die Kunst des Gärtnerns

Der Garten im April. Ein pflegeleichtes Blütenmeer möglichst bis November – mit diesem Wunsch landen Gartenneulinge schnell auf dem Boden. Der Tatsachen, nicht des Gartens.

«Gärtnern für Anfänger» hiess jüngst ein Beitrag in einer Sonntagszeitung. Er führte mich gedanklich in meine gärtnerischen Anfänge zurück. Gut, wir besassen auch in meiner Kindheit stets einen Garten, der für mich aber nicht mehr war als eine Möglichkeit, mein Taschengeld aufzubessern. Einen Nachmittag jäten für ein Paar der damals noch als ziemlich verwegen angesehenen Jeans, Rasen mähen für ein Konzertbillett, Beeren pflücken für die neuste Winnetou-Platte.

Der perfekte Garten

Erst als ich selber einen Garten hatte, erwachte mein Interesse. Und meine Leidenschaft. Was ich mir wünschte war nichts weniger als den perfekten Garten: Rosenstöcke, die unermüdlich blühen, stets frisches Gemüse, duftende Tomaten und ebensolchen Lavendel, Beeren aller Art und Staudenbeete, die mal rot-orange-gelb und im nächsten Jahr weiss-rosa-blau leuchten sollten.

Ringelblumen sind dankbare Gartenbewohner und vermehren sich willig.

Vieles ging schief, anderes nicht. Es gab Wochen, da ging ich förmlich auf Betteltour mit meinen Kopfsalaten, die alle gleichzeitig erntereif waren, mit Zucchetti, die wuchsen, als ob sie das Nahrungsmittelproblem der Welt allein lösen müssten, mit Ringelblumensetzlingen, die sich einfach überall ausbreiteten – und die man doch nicht einfach wegwerfen konnte. Sind ja schliesslich auch Lebewesen – und Babys noch dazu, wenn auch nur ringelblumige.

Gesteinsgarten und Schattenecke

Als mir eine junge Bekannte kürzlich vom eigenen neuen Haus samt Garten erzählte, juckte es mich förmlich in den Fingern, nochmals ganz von vorne einen Garten zu gestalten. «Weisst Du, wir haben nicht viel Zeit und werden deshalb vor allem Rasen säen», erzählt sie. «Und rund herum einige Rosenbüsche, die nicht viel Pflege brauchen». Unter dem Ahornbaum an der Grenze soll ein Steingarten entstehen. Und in der Schattenecke ein paar Farne gesetzt werden.

Ja, Farne fände ich gut, meinte ich. Wenn man noch ein paar Maierieslirhizome dazwischen pflanzt – es sind keine Kinder im Haus – und am Rande einige Primeln und Vergissmeinnicht, bekommt man eine hübsche Frühlingsecke, die später, wennn das Laub der Büsche dicht ist, dank der Farnwedel und einiger Astilben optisch kein Schattendasein führen dürfte.

Rasen ist nicht pflegeleicht

Aber das mit dem pflegeleichten Rasen, das musste ich dann doch berichtigten. Ein Rasen braucht nämlich viel Pflege. Muss mindestens alle zwei Wochen gemäht werden, gedüngt, vertikutiert, entmoost – ein Rasen ist kein selbsttätiges Wohlfühlprogramm im Garten. Besonders unter Bäumen wird er ganz schnell scheckig und löchrig. Dort würde ich deshalb, sofern kein Sitzplatz vorgesen ist, eine Thymianwiese vorziehen. Die muss höchstens zwei Mal pro Vegetationsperiode gemäht werden, ist eine exzellente Bienenweide und verströmt an milden Sommerabenden einen wunderbaren Duft.

Rasen ist gar nicht so pflegeleicht, wie man auf den ersten Blick meint.

Rosen sind zwar wunderschön mit ihrem glänzend dunkelgrünen Laub und den edlen Blüten. Aber diese Schönheit hat ihren Preis. Alle möglichen Rosenkrankheiten aufzuzählen, würde zu weit führen, aber Rosen, die nicht dauernd gehätschelt und betütelt werden, sind bald kein schöner Anblick mehr. Eine Ausnahme machen die kleinblumigen Bodendeckerrosen, vorzugsweise eine mehrfachblühende. Die rosa Fairy-Röschen sind mein Favorit, weil sie gesund sind und nach einem Rückschnitt nach der ersten Blüte bis in den November oder Dezember hinein blühen. Ansonsten würde ich mich auf ein, zwei ausgesucht schöne, robuste Rosenstöcke beschränken – Duftrosen! – und dazwischen Stauden pflanzen.

Stauden und Zwiebeln

Hier ist die Auswahl gross. Das beginnt bei den Akeleien im Frühjahr, weiter zu Pfingstrosen, Glockenblumen, Phlox, Astern, Flockenblumen, Mädchenaugen und noch vielem mehr. Wichtig ist, dass man die Pflanzen der Wuchshöhe entsprechend gruppiert und sich wenn möglich an eine Farbreihe hält, damit sich die orange Kokardenblume (Gaillardia) nicht allzu mit einem zartrosa Phlox beisst.

Anemonen sind so was von anspruchslos. Sie blühen im frühen Frühling und setzen farbige Akzente. Und dann darf man sie einfach vergessen – bis zum nächsten Jahr.

Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass Stauden die dumme Gewohnheit haben, spurlos zu verschwinden. Deshalb würde ich den Platz zwischen diesen «Mehrjährigen», die ihrem Namen nicht immer gerecht werden, verschwenderisch mit Zwiebel- und Knollenblühern auffüllen. Natürlich nur solchen, die auch im Winter im Boden bleiben dürfen.

Narzisssen und Tulpen im Frühling kennt jeder, Kokus und Schneeglöckchen runden den ersten Frühlingsflor ab. Dann blühen Ranunkeln und Anemonen auf. Lilien und Iris folgen. Im Sommer setzen Gladiolen Akzente, die gar nicht so «friedhofig» wirken, wenn man sich auf halbhohe Sorten mit kleineren Blüten beschränkt – die zudem auch ziemlich winterhart sind.

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Robust und pflegeleicht sind auch die Flockenblumen. (Alle Bilder Bernadette Reichlin)

All diesen Pflanzen gemeinsam ist, dass sie, wenn sie einmal im Boden sind, recht anspruchslos sind. Wenn sie im Herbst eine leichte Decke von gutem Kompost bekommen und man vielleicht noch einige Tannäste darüberlegt, was sich auch optisch gut macht, dann sollten sie im nächsten Jahr wieder spriessen und blühen.

Sie möchten aber auch einen kleinen, pflegeleichten Gemüsegarten? Dann lesen Sie den Maibeitrag.

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