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Im Alter kreativ und produktiv bleiben

13. Preisverleihungsfeier der Stiftung Kreatives Alter, zum ersten Mal ohne Gründer und Ehrenpräsident Dr. Hans Vontobel.

Nicht aufhören! Das sei die Botschaft der Stiftung Kreatives Alter, erklärte Stiftungsratspräsident Dr. Thomas Sprecher in seiner Eröffnungsansprache zur 13. Preisverleihung der Stiftung Kreatives Alter am 25. Oktober. Es sei würdevoller, ein Sisyphos zu sein, der wie in der griechischen Mythologie einen Stein immer wieder einen Berg hinauf wälze, als ein Stein, der sich der Schwerkraft überlässt.

Seit 1990 schreibt die Stiftung alle zwei Jahre einen Wettbewerb aus und verleiht zwölf Preise und zwanzig Anerkennungsurkunden für kreative Alterswerke im kulturellen Bereich. Die Preise wurden den Geehrten, in Begleitung ihrer Familien, im Gartensaal des Kongresshauses überreicht, in festlichem Rahmen, musikalisch begleitet von der klassischen Musik der drei Künstlerinnen des TRIO ARTEMIS und den Hiphop-Tänzern von STYLIZE, die den Grenzen der Schwerkraft trotzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Preisträger in Erwartung der Würdigung ihrer Werke 

Anspruchsvolle Auswahl und Bewertung

389 Personen haben sich am Wettbewerb beteiligt, mehrheitlich aus den Ländern Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Grossbritannien, den USA und Vereinzelte aus Belgien, Spanien, Ungarn, Israel, den Niederlanden und Portugal. Eingereicht wurden Lebensbeschreibungen, literarische Werke, Theaterstücke, Hörspiele, Filmdrehbücher, wissenschaftliche Werke, Forschung, Sachliteratur, szenische und musikalische Aufführungen und Kompositionen.

Chanteuse Marie-Thérèse Escribano aus Wien erhält einen Preis für ihr Theaterstück “Je suis une idole”, mit dem sie sich humorvoll mit dem Lebensschicksal befasst.

Die Bewertung der Arbeiten sei den zehn Mitgliedern des Stiftungsrates oft schwer gefallen. Der objektiven Qualität eines Werks stehe immer auch ein subjektives Element gegenüber. Nie wurde je empfunden, jemand sei zu Unrecht ausgezeichnet worden. Hingegen wurde immer wieder bedauernd festgestellt, ein Werk hätte eigentlich auch eine Prämierung verdient.

 

 

Thomas Sprecher dankte dem Stiftungsrat, den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle und den externen Gutachtern für ihre grosse Leistung und würdigte die Mitarbeit der zurücktretenden Professorin Verena Meyer und Rose-Marie Pagnard. Verena Meyer gehört zur Gründergeneration. In der Geschäftsleitung übergibt Margrit Würsch ihr Amt an Vreni Bolt.

Aufbruch statt Rückzug

Die Stiftungsräte würdigten die Gewinner in deren Landessprachen und übergaben Preise und Urkunden.

Luciana Antonini-Bassi aus Tesserete schildert in einem handschrifltichen Dokument das Leben in Cimadera (Val Colla) in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Michael Stradal (Bild im Lead), Preisträger mit dem Kriminalroman „JEM – Tod am Altar“, und 2012 Empfänger einer Anerkennungsurkunde für „Die Briefe der Rosalyn Haydn“, dankt im Namen der Gäste der Jury, der Stiftung und den Veranstaltern des Festes. Er schätzt es, dass die Stiftung für die Teilnahme an diesem Wettbewerb keinerlei Barrieren aufbaut, weder über Sprache, Geschlecht, Herkunft noch Geburtsjahr. Dem Teilnehmer wird zugetraut, dass er in seine Inspiration hinuntersteigt und ohne Vorlagen und Vorgaben einen kreativen Prozess zulässt, der sich zu einem Meisterwerk entwickeln kann. Und das mehrmals, nach Stradals eigener Erfahrung.

Die Latte sei hoch gesetzt, erklärt Telsche Keese im Gespräch am Apéro. Sie ist diesmal mit Gedichten leer ausgegangen ist. Erfolgreich war sie vor vier Jahren beim ü70 Schreibwettbewerb. Sie bedauert, dass es wenig Gefässe gebe, um literarische Arbeiten zu veröffentlichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Günter Wilkening aus Stadthagen feiert mit Frau und Tochter den Preis für seinen Roman “Franzmann”

Mit 65 ist man nicht mehr alt

Jedenfalls nicht mehr so alt, wie man 1916 mit 65 war, erklärt Stiftungsratspräsident Dr. Thomas Sprecher zur Eröffnung. Sprecher ist knapp 60 Jahre alt. Er erinnert an die seit 100 Jahren deutlich gestiegene Lebenserwartung. 1916 wurde das Alter für den Bezug einer Rente auf 65 gesetzt. Das Alter von 65 Jahren haben damals nur drei von zehn Bürgerinnen und Bürgern erreicht.

Mit 65 sei man heute nicht mehr alt. Mit dem Alter verbinde sich eine rechtliche, eine biologisch-medizinische, eine psychologische und eine medizinische Grösse. Das Alter sei ein Konstrukt und als solches wandelbar. Das Bild des Alters und des Alterns werde sich verändern. Die Alten prägen das Bild der Normalität mit, weil sie heute in Massen auftreten. Sie wollen sich einbeziehen, interessiert bleiben, Leistungen zugunsten der Allgemeinheit oder zugunsten anderer erbringen. Das sei mehrheitlich ein Vorteil für die Gesellschaft, die Volkswirtschaft und vor allem für die alten Menschen.

Zwei Stadtzürcher unter den Gewürdigten: Franz Felix Züsli (l.) für seine Gedichte und Alfred Messerli für seinen Text-/Bildband zum 50-jährigen Bestehen der Freimaurerloge

Sinnvolle Arbeit leisten

Sprecher vermutet, dass der Mensch um so mehr Mensch ist, als er sinnvolle Arbeit leistet, sei es im Erwerbsleben oder im Bereich der unzähligen Möglichkeiten in der Freiwilligenarbeit. Arbeit sollte so gestaltet werden, dass sie für Menschen jeden Alters ein Dürfen und nicht ein Müssen sei. Die Pensionierung sollte der ältere Mensch eigenbestimmt und nach Wunsch als geordneten Rückzug in Schritten antreten. Fehlanreize, nicht länger erwerbstätig zu sein, sind volkswirtschaftlich schädlich. Vergünstigungen für Senioren, für Kinder und für Studenten nach dem Giesskannenprinzip hält er für falsch. Ältere und jüngere Menschen sollten ihr Tun nicht nach steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen ausrichten.

Sprechers gut nachvollziehbare Überlegungen zum Wandel des Alters stammen aus der Sicht eines um vierzig Jahre jüngeren Menschen als des in diesem Jahr verstorbenen Gründers und Mäzens Dr. Hans Vontobel. Spannend wäre es, beide Meinungen, die Urteile des nahezu 60-jährigen Thomas Sprecher und des knapp 100-jährigen Hans Vontobel nebeneinander zu setzen.

Der Stiftungsratspräsident weilte im Ausland und liess seine Eröffnungsansprache von Vizepräsident Dr. Rainer Diederichs vorlesen. Damit fehlte der Veranstaltung die Gegenwart einer anteilnehmenden Integrationsfigur wie die von Dr. Hans Vontobel, der noch vor zwei Jahren zufrieden lächelnd beim Apéro sass und sich erkundigte: „Hätts ine gfalle?“

Margrit Würsch, langjährige Geschäftsleiterin, geht in Pension und übergibt ihr Amt an Vreni Bolt.

www.stiftung-kreatives-alter.ch

Liste der Preisträger und der Anerkennungsurkunden

14. Preisausschreiben
Einsendeschluss 21. März 2017
Merkblatt und Anmeldekarte vom Sekretariat Telefon +41(0)58 283 50 05 oder
kreatalter@vontobel.ch

Nächste Preisverleihung am 30.10.2018 in der Kirche St. Peter, Zürich.

 

Ü70 Schreibwettbewerb für ältere Menschen
Anmeldeschluss 31.12.2016

STYLIZE

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