FrontAllgemeinMord und Totschlag in Luzern

Mord und Totschlag in Luzern

Warum töten Menschen? Ist es Gier, Hass, Liebe, Eifersucht oder Wut? Das historische Museum in Luzern versucht den Motiven  in der Ausstellung „Tatort“ auf die Spur zu kommen.

Sonntagabend, 20 Uhr. Es ist Zeit für den «Tatort». Gespannt sitzen die Leute vor dem Fernseher und verfolgen Gewalt und menschliche Abgründe, Verhöre im Polizeipräsidium und Verbrecherjagden durch die Stadt. Was seit 2011 als unterhaltsamer Sonntagabend-Krimi über den Bildschirm flimmert, ist gleichzeitig Abbild unserer Realität − und der gesamten Menschheitsgeschichte: Seit jeher töten Menschen andere Menschen.


Dreharbeiten vom Luzerner Tatort. ©Priska Ketterer

Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf Spurensuche durch sieben Jahrhunderte Kriminalität und Verbrechen im Kanton Luzern: von historischen, realen Mordfällen bis zu den fiktionalen Luzerner «Tatort»-Folgen. Die exemplarischen Kriminalfälle widerspiegeln den Zeitgeist der jeweiligen Gesellschaft, deren Vorstellung von Recht und Unrecht, und sie bilden die sozialen Milieus ab, in denen die Morde begangen wurden: Ein vergifteter Kuchen soll im 18. Jahrhundert alle Probleme einer schwangeren Dienstmagd aus der Welt schaffen, ein Lustmord im 19. Jahrhundert endet mit der Guillotine für den Täter, die «Tatort»-Kommissare geraten beim Ermitteln ins Chaos der Luzerner Fasnacht.

Was haben diese Mordfälle mit der Geschichte und der Kultur Luzerns zu tun? Was veranlasst einen Menschen, einen anderen Menschen zu töten? Und: Wieso faszinieren uns Geschichten über Mord und Totschlag so?

Da ist der Fall eines 26jährigen Landwirts, der seine Verlobte mit einer 27jährigen, die ebenfalls heiraten will, betrügt. Im April 1973 eröffnet sie ihm, sie sei schwanger. Er bestreitet die Vaterschaft, doch sie stellt ihm ein Ultimatum: Wenn er bis zum 21. Mai keine Möglichkeit zur Abtreibung findet, informiert sie seine Verlobte und seine Eltern über ihre Schwangerschaft. Der Bauer beschliesst, seine Geliebte loszuwerden.

Mit diesem Revolver erschoss er die Frau

Er behauptet, er habe jemanden gefunden, der die Abtreibung vornehmen könne, und verabredet sich mit ihr für den 19. Mai. Um sich ein Alibi zu verschaffen, besucht er am Abend einen FCL-Match, den er jedoch in der Halbzeit verlässt. Er fährt mit ihr zum Lochmühle-Weiher bei Ettiswil LU. Statt der Abtreibung erschiesst er sie mit einem Revolver, beschwert ihren leblosen Körper mit einem Zementrohr und versenkt sie im Wasser.


BLICK berichtete über den Leichenfund

Der Täter wird wegen Mordes zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ende 1984 wird er bedingt entlassen und für die Dauer von fünf Jahren unter Schutzaufsicht gestellt.

Da wird der Fall des „Todespfleger“, das grösste Serienverbrechen der Schweiz, erklärt. Der Pfleger arbeitete in den Jahren 1995 bis 2001 in verschiedenen Innerschweizer Alters- und Pflegeheimen und vergiftete und erstickte 22 pflegebedürftige Menschen.

Mit diesen Mitteln in Ueberdosis tötete er die Patienten
oder erstickte sie mit einem Plastiksack

Nach der Verhaftung legte er ein umfassendes Geständnis ab und erklärte, er habe „Gott gespielt“ und jede Tötung als „Befreiungsschlag“ empfunden. Nicht in allen Fällen sind die Opfer schwer krank oder dem Tode nahe gewesen.

Der Todespfleger wurde in zweiter Instanz vom Luzerner Obergericht wegen Mordes und vorsätzlicher Tötung zu lebenslanger Haft verurteilt.

Neben interessanten Datails wie man früher und heute kriminalistisch Spuren ermittelt, wird auch gezeigt, warum die letzte Hinrichtung mit der Guillotine in Luzern stattgefunden hat.

Es war der im Jahre 1881 in Ruswil geborene Anselm Wütschert, der verwahrlost im Hölzliwald bei Krumbach lebte und auf die 21jährige Magd Emilie Furrer traf.

Wütschert forderte sie auf, mit ihm zu schlafen. Als sie sich weigerte und zu beten anfängt, schlug er sie nieder und schnitt ihr mit ihrer Nähschere die Kehle durch, sodass sie verblutete. Er verstümmelte den Körper der Frau auf grausame At und verging sich sexuell an der Leiche. Zehn Tage später fandt man den Mörder im Wald und er war sofort geständig.

Ein Modell der Guillotine. Das Original befindet sich im Museum

 

Am 20. Januar 1915 wurde Wütschert im Hofraum der Luzerner Haftanstalt  vom Haftrichter Theodor Mengis zusammen mit seinen Söhnen als Gehilfen hingerichtet. Die Familie Mengis war eine alte Scharfrichter-Dynastie, die jahrhundertelang den offiziellen Auftrag des Tötens ausführte.

 

 

Die Ausstellung  kann  bis am 11. März 2018  im  Historische Museum Luzern besichtigt werden.

Fotos: Josef Ritler

https://www.youtube.com/watch?v=IMFWtWA-PJg

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