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Emmanuelle Castellans Traumwelt

Das Museum Langmatt in Baden präsentiert die erste institutionelle Einzelausstellung der in Berlin lebenden französischen Künstlerin «Emmanuelle Castellan – Schlafende Geschichten». Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen und kleinformatige, skulpturale Modelle.

Das Museum Langmatt in Baden hat die französische Künstlerin Emmanuelle Castellan eingeladen, ihr Werk in den neu renovierten Räumlichkeiten des Hauses vorzustellen. Es ist ihre erste institutionelle Ausstellung in der Schweiz. Bereits früher waren einzelne ihrer Arbeiten in Gruppenausstellungen hier vertreten: Langmatt, Licht, Libellen – Impressionismus gestern und heute (2016) und Liebe Grüsse (2022). Die aktuelle Ausstellung mit 26 Bildern und sechs kleinformatigen, skulpturalen Modellen gibt einen Einblick in ihr Schaffen der letzten Jahre.

Ausstellungsansicht. Foto: © Museum Langmatt, Baden

Emmanuelle Castellan, 1976 in Aurillac in Frankreich geboren, lebt seit 2011 in Berlin. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet sie im Bereich Malerei und Zeichnung. Nach ihrem Kunststudium in Clermont-Ferrand hatte sie eine Professur in Toulouse (2012 bis 2019) und Strasbourg (2019-2026). Auf Herbst 2026 wurde sie als Professorin für Malerei und Zeichnung an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig berufen.

Porträt Emmanuelle Castellan. Foto: © Pfelder 2018

Die Malerei der Künstlerin balanciert traumwandlerisch zwischen Figuration und Abstraktion. Personen, Gesichter, Innenräume und Vasen erscheinen skizzenhaft, zerbrechlich und durchlässig – wie in einer Traumwelt. Die formale Zurückhaltung und Fragilität rühren beim Betrachten ihrer Bilder an die eigene Imagination an und hinterlässt Fragen.

In der Gemäldegalerie im Erdgeschoss hängt Castellans Ölbild «sleep» (18 x 24 cm) eines schlafenden Mädchens über zwei Porträts von Pierre-Auguste Renoir (1841-1919): «Bildnis eines Mädchens vor hellblauem Grund», 1885, und «Paul Meunier», um 1877.

Neben den im Obergeschoss ausgestellten Bildern stehen im Erdgeschoss fünf Exponate im Dialog mit Werken der Sammlung. Das kleine Ölbild sleep hängt quer über zwei Porträts von Pierre-Auguste Renoir. Die filigrane Malerei von Castellan zeigt, wie subtil sie die Atmosphäre der Langmatt widerspiegelt und zu neuen Wahrnehmungen des historischen Ensembles führt.

«lieber Zauberer», 2021, Öl auf Leinwand, 55 x 75 cm. Foto: © Museum Langmatt, Baden 

Leben und Arbeit sind bei Emmanuelle Castellan eng verbunden. Das Atelier in ihrer Berliner Wohnung ist lediglich durch eine stets offene Doppeltür getrennt. Leben und Arbeit gehen ineinander über. Darauf verweisen auch die wiederkehrenden Motive von Gebrauchsgegenständen, die sich durch Skizzen, Zeichnungen und Gouachen, Collagen und Gemälde ziehen: Gläser, Schalen, Spiegel, Kleiderbügel, Fächer, Hüte.

«the necklace of shame», 2024. Öl auf Leinwand, 157 x 117 cm

Ihre Farben stellt die Künstlerin selbst her. Sie vermischt Ölfarben mit Kreide und erzeugt damit matte, pudrige Oberflächen, oft in erdigem, pastosem Farbauftrag. Ihre Leinwände, «die wie eine Familie mit begrenzten Konturen erscheinen», schreibt Clara Pacquet im Katalog, verwendet sie oft mehrfach. So bestehen die Bildoberflächen einiger Bilder aus zusammengesetzten, collagierten Leinwänden wie in the necklace of shame. Auf diesem Bild sind die Bänder des auf dem Kleiderbügel aufgehängten Schals und Teile auf der Seite separat aufgeklebt.

«different gazes», 2020. Öl auf Leinwand, 115 x 85 cm

Auch wenn Castellans Bilder so traumhaft und sanft erscheinen, entdeckt man bei genauerem Hinsehen mitunter Verletztheit, auch Aggression: Knicke, Risse und Schnitte lassen den Betrachter mit Fragen zurück und drücken eine Ambivalenz von Ruhe und Aufruhr aus. So wirken die jungen Mädchen auf dem in Violett gehaltenen Gemälde different gazes auf den ersten Blick unbelastet und heiter. Doch die orangen Schriftzüge darüber sprechen eine andere Sprache. Zudem deuten die zwei horizontalen Schnitte durch die Leinwand auf der Höhe der Köpfe auf einen tieferliegenden Konflikt.

Modelle, 2024/2025

Erstmals zeigt die Ausstellung in Baden einige der kleinformatigen Modelle von Emmanuelle Castellan. «Als skulpturale Malerei erscheinen sie skizzenhaft und roh wie ein dreidimensionales Tagebuch», schreibt der Kurator und Museumsdirektor Markus Stegmann. «Im gediegenen, historischen Kontext der Langmatt unterstreichen die Modelle den Mut der Künstlerin, bildnerische Impulse nicht zu Ende zu deklinieren, sondern im Moment ihrer grössten Spannung den Augen des Publikums zu übergeben.»

Bilder: rv und © Museum Langmatt

Bis 10. Januar 2027
«Emmanuelle Castellan – Schlafende Geschichten» im Museum Langmatt in Baden. Weitere Information erhalten Sie hier
Ausstellungskatalog mit verschiedenen Essays und zahlreichen Abbildungen, Baden 2026, CHF 28.00

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