FrontAllgemeinVerschraubung der Lendenwirbel bei Zyste im Spinalkanal?

Verschraubung der Lendenwirbel bei Zyste im Spinalkanal?

Frage:

Habe Zyste im Spinalkanal. Schmerz in Beinen. Nun OP mikrochirurgische Dekompression, von Neurochirurgen. Nach OP Beine wieder frei. Bin einverstanden mit dieser OP. Habe zugestimmt. Neurochirurg möchte aber noch Lendenwirbel versteifen, weil abgenützt. Das macht mir Angst, Schrauben im Gelenk zu haben. Er meint, so würde eine neue Bildung von Zysten vermieden. Rückenschmerzen wären so behoben. Soll ich zu einer Verschraubung der Lendenwirbel ja sagen?

Antwort von Prof. Dr. med. Urs Dieter Schmid, Leiter der Abteilung Neurochirurgie / Wirbelsäulenchirurgie:

Ohne die MRI-Bilder dieser Zyste gesehen zu haben und Näheres zur Übereinstimmung des Zystenbefundes mit den Beschwerden zu kennen, lässt sich doch Folgendes festhalten: Es handelt sich wahrscheinlich um eine sogenannte Synovial- oder Flavumzyste, die von einem kleinen Wirbelgelenk oder vom gelben Band (Ligamentum flavum) ausgeht und zu Nervenschmerzen (Ischias) führt. Solchen Zysten liegen gelegentlich segmentale Instabilitäten oder Überbeweglichkeiten zugrunde, sie sind aber generell gesprochen ein Abnützungszeichen der Wirbelsäule. Wenn die konservative Therapie mittels Schmerzmitteln oder Infiltrationen in den Spinalkanal nicht hilft, besteht die Indikation zur mikrochirurgischen (!) Entlastungsoperation (ohne Spondylodese) über einen etwa 4–5 cm langen Hautschnitt (OP Zeit etwa 1 Stunde, Spitalaufenthalt etwa 3 Tage, Erholung zu Hause 3 Wochen). Nur wenn eine schwere Fehlstellung / Instabilität des betreffenden Bewegungssegmentes vorliegt, ist eine gleichzeitige Versteifung (2–3 Stunden OP-Zeit, Spitalaufenthalt 7–10 Tage, Erholung 6–12 Wochen je Alter, Vorerkrankungen und nach Beruf) gerechtfertigt. Rückfälle solcher Zysten sind selten, aber möglich, besonders bei Vorliegen einer Instabilität. Unser Vorgehen in der Beratung solcher Patienten: Mikrochirurgie empfehlen, Versteifung diskutieren, aber nicht als Erstmassnahme empfehlen, sondern dem (sehr selten auftretenden) Rückfall der Zyste vorbehalten. Im Zweifelsfall ist hier das Einholen einer zweiten Meinung (nach Vorlage des Berichtes des Chirurgen und der gesamten Röntgendiagnostik auch bei uns) anzustreben. Im Zweifelsfall kann man ja den geplanten OP-Termin verschieben, bis Klarheit herrscht. Das Operationsziel ist, die Beinschmerzen zu bessern, es können aber – unabhängig vom gewählten chirurgischen Verfahren – Rückenschmerzen zurückbleiben. Alles Gute bei der Entscheidungsfindung!

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1 Kommentar

  1. Hallo…dürfte ich Ihnen meine MRT Bilder zur Zweitmeinung einer Entfernung einer Zyste im Spinalkanal und beweglicher Prothese LW 4+5. Zusenden? Lähmungen sind nicht vorhanden. Eine Infiltration wurde gemacht, deutliche Besserung.
    Mfg Monika

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