FrontKolumnen«Allerlei» vom Wochenende

«Allerlei» vom Wochenende

«Hat Sie heute schon jemand beim Zeitunglesen gestört», fragte mich ein Bekannter am Samstagmorgen im Kaffeehaus. «Nein, setzen Sie sich nur», forderte ich ihn auf, Platz zu nehmen. Unser Austausch findet immer zufällig statt. Wir besuchen dasselbe Lokal, aber selten zur gleichen Zeit.

Als erstes wollte er meine Meinung über Greta Thurnberg wissen. «Diese junge Frau finde ich gut», sagte ich ihm. «Ja, sie rüttelt uns auf», meinte er. Dann liessen wir, warum auch immer, das Thema fallen.

Als nächstes musste die kommende Bundesratswahl besprochen werden. Mein Gegenüber war bass erstaunt, dass ich für die kandidierende Frau der Grünen nicht sofort und bedingungslos einen Sitz in der Regierung forderte. Und weil es ja um die Nichtwiederwahl von Bundesrat Ignazio Cassis gehen würde, kamen wir auch auf die schweizerische Entwicklungshilfe in Afrika zu sprechen.

Unser Geld gezielt dort einzusetzen, wo die Flüchtlinge herkommen, fand mein Gesprächspartner eine bedenkenswerte Idee, die Cassis geäussert hatte. Und erinnerte sich daran, dass er vor vielen Jahren einmal während eines Jahres in Afrika, in Kamerun, im Einsatz gewesen sei. «Was habe ich da wohl bewirken können, indem ich einige einheimische Mittelschüler in die Naturwissenschaften einführte», sinnierte er vor sich hin.

Mir aber kam meine Lektüre des Buches von Tim Marshall, «Die Macht der Geographie» in den Sinn. Seine Ausführungen über Afrika hatten mir meine grandiose Unwissenheit vor Augen geführt. Einer der Kernsätze war: «Afrika ist ein riesiger Kontinent und bestand immer aus unterschiedlichen Regionen, Klimagebieten und Kulturen, deren einzige Gemeinsamkeit ihre Isolation untereinander und von der übrigen Welt war. Dies trifft heute nicht mehr ganz so stark zu, aber das Vermächtnis wirkt weiter». Ich hatte ja das Buch, das sich mit verschiedenen Gegenden der Welt befasst, noch gar nicht zu Ende gelesen, schoss es mir durch den Kopf. Und erinnerte mich an meine alte Selbsterkenntnis: «Bei mir liegen angefangene Bücher herum wie angebissene Äpfel».

Und was brachte am nächsten Tag die Sonntagspresse? Zu meinem grossen Erstaunen fand ich einen Artikel des Inhalts, dass die CVP das «C» in ihrem Namen überdenken wolle. «Du meine Güte» dachte ich, «lässt uns dieses «C», für «christlich», nie in Ruhe?» Schon vor Jahren hatten wir endlose Diskussionen darüber geführt, was das «C» in einem Parteinamen bedeuten könne. Meine Antwort an die Journalisten war immer, dass das «C» für mich wie ein Stachel im Fleisch sei. Eine Erinnerung daran, dass es über der Tagespolitik übergeordnete Leitlinien gebe. Die wir aber leider nicht immer umsetzen könnten. Das «C» abschaffen, weil wir es nicht umsetzen können? Oder abschaffen, weil es niemanden mehr anspricht? Das Nachdenken wird die Weihnachtszeit längst überdauern.

Und dann habe ich ja noch eine Geburtstagsfeier mit zahlreichen Gästen besucht. Wir bekamen am Anfang ein gedrucktes «Gästebuch», in welchem alle fein säuberlich mit kurzen Hinweisen aufgelistet waren. Originelle Idee, um sich miteinander bekannt zu machen. Es gab ein leckeres vegan-vegetarisches Buffet mit ausgesuchten Köstlichkeiten. Aber der eigentliche Leckerbissen war der Auftritt von Alex Porter, charmanter Zauberer, der das Publikum mit leisen Tönen in Bann zu halten weiss. Ich habe ihn schon mehrmals gesehen. Und jedes Mal versuche ich, seinen Tricks auf die Spur zu kommen. Auch wenn ich noch so in der Nähe sitze und beobachte, es gelingt mir nie!

Etwas habe ich über das Wochenende definitiv verpasst. Am letzten Freitagabend wurden in der Grossmünsterkirche in Zürich die Zwingli-Statuen versteigert, die während Wochen in verschiedenen Stadtteilen aufgestellt gewesen waren. Der Aufwand der Hin- und Rückreise war mir zu gross. Aber im Internet habe ich das Informationsformular des zuständigen Betreibungsamtes Zürich 5 aufgestöbert. Das geforderte Mindestangebot für jede der Statuen, welche alle mit farbigen Bildern vorgestellt wurden, betrug 1000 Franken. Der Erlös wird für gemeinnützige Projekte eingesetzt werden. Wie hoch wird wohl diese Summe sein?

Über den Zustand der Welt habe ich mich am Wochenende auch immer wieder informiert, besonders mittels Radionachrichten. Nur, was mir da an Ungereimtheiten, Ungerechtigkeiten und Gewalttätigkeiten entgegengekommen ist, kann ich nicht einfach unter «Allerlei» ablegen!

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