FrontDigitalAus der Not eine Reservationsplattform entwickelt

Aus der Not eine Reservationsplattform entwickelt

Inmitten der Coronasituation schaffen zwei junge Ostschweizer eine Reservationsplattform, die Besuchende mit ihren Angehörigen im Heim verbindet. Anfangs nur für den vereinfachten Ablauf für Videotelefonie konzipiert, verwaltet das System inzwischen auch die Besuchszeiten von Heimen.

Das Projekt Lelio wurde im April von Adrian Bawidamann (24) und Marius Brändle (28) aus einer Not heraus entwickelt. Brändles Vater ist Leiter eines Seniorenzentrums im Toggenburg, und dieser wollte es seinen Heimbewohnenden aufgrund des Besuchsverbots ermöglichen, den Kontakt mit den Angehörigen zumindest über die heimeigenen iPads zur Videotelefonie zu nutzen. Schnell erkannte er die Schwierigkeit, die verschiedenen Telefonate zwischen Angehörigen und Bewohnenden zu koordinieren, die Übersicht über die zwei Geräte zu behalten. Um seinem Vater zu helfen, entwirft Marius Brändle zusammen mit Studienfreund Bawidamann innert wenigen Tagen ein simples Online-Reservationssystem, welches allen Besuchern des Heimes offensteht. Die Heimleitung weiss fortan zu jeder Zeit, welches Gerät zu welcher Zeit bei welchem Bewohner sein soll, ohne die Reservation mit den Angehörigen abzustimmen. Ein Vorteil, der in Coronazeiten zu einer grossen Entlastung des Personals führt. Schnell wurde den beiden studierten Wirtschaftsinformatikern klar, dass sie damit auch anderen Heimen helfen können, und riefen das Projekt Lelio ins Leben.

Die beiden jungen Entwickler Marius Brändle (links) und Adrian Bawidamann

Mit der Ermöglichung von Besuchen bei den Heimbewohnenden durch ihre Angehörigen in separaten Besucherboxen oder geschützten Besucherräumen wurde den beiden Entwicklern jedoch das volle Potential ihrer Plattform erst richtig bewusst. Die gemäss den Vorgaben der zuständigen Behörden möglichen geschützten Besuche müssen alle angemeldet, erfasst, begleitet und gestaffelt umgesetzt werden. Nach jedem Besuch müssen der Raum und die Einrichtungen desinfiziert werden. Die Koordination dieser Besuche erfordert zusätzliche Ressourcen, nur schon die Entgegenahme der Anmeldungen und Reservation der Räume. „Seit letzter Woche können auf unserer Webseite zusätzlich zur Videotelefonie auch die Reservation von zwei separaten Besucherräumen vorgenommen werden. Fast alle verfügbaren Termine der ersten zwei Wochen sind bereits besetzt. Unsere Bewohnenden freuen sich sehr darüber, ihre Liebsten wieder empfangen zu dürfen. Auch die Angehörigen sind sehr dankbar über das einfach zu handhabende Reservationssystem. Wir können die Raumreservationen und Besuche nun zum Glück dank dem neuen System einfach verwalten, was uns die Arbeit enorm erleichtert“, erzählt der sichtlich stolze Heimleiter Brändle.

Heimleiter und Vater Brändle erklärt einem Bewohner das Reservationssystem. Fotos: lelio

Ob das System künftig auch in anderen Bereichen verwendet wird, lassen die beiden Wirtschaftsinformatiker der Seite noch offen. Die bestehende Plattform werde auf jeden Fall weiter betrieben, eine Onlinereservation könnte jedoch auch andere Buchungsarten abwickeln. «In erster Linie wollten wir ein simples Videotelefonie-Reservationssystem für Heime anbieten. Dieses konnte dann sogar zum Management-System für Reservationen weiterentwickelt werden.», meint der 24-jährige Bawidamann. „Es freut uns, dass wir mit Lelio vielen Heimen eine Unterstützung bieten können. Ob man später mit unserem Tool auch einen Tisch im Restaurant reserviert oder Tennisplätze bucht, werden wir sehen“. Für interessierte Betriebe steht die Webseite lelio.ch zur Verfügung.

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