FrontGesundheitWas da kreucht und fleucht – und beisst und sticht

Was da kreucht und fleucht – und beisst und sticht

Ein Glas Wein unter dem sommerlichen Nachthimmel? Wunderbar! Wenn die Mücken nicht wären. Ein Nachmittag mit den Enkeln im Wald? Spannend! Aber die Zeckengefahr! Vitello tonnato mit guten Freunden unter der grossen Buche? Diese Wespen! So viel «Natur» wie im Sommer gibt es zu keiner anderen Jahreszeit. Also eigentlich fast ein bisschen zu viel.

«Wenn die Linden verblüht sind, kommen die Motten», hat meine Grossmutter im Frühjahr jeweils gesagt. Und schüttelte Wintermäntel, schwere Stoffkleider und Pullover tüchtig aus und versorgte sie im grossen Schrank auf der Winde. Natürlich zusammen mit einer rechten Portion Mottenkugeln, deren Kampfergestank im Herbst ein tagelanges Lüften der Wintersachen nötig machte.Wer eine Motte an der Wand sitzend entdeckt, hat schon verloren. Dann haben die Weibchen nämlich ihre Eier bereits gelegt – in unseren schönen Kaschmirpullover. (Alle Bilder pixabay)

Mottenkugeln sind heute passé, wir haben jetzt die chemischen Mottenvertreiber. Wer allerdings Lavendel im Garten hat oder einen echten Lorbeer, der bindet Sträusse und legt oder hängt diese in die Schränke. Das wussten zwar auch unsere Grossmütter. Nur waren früher die Textilien nicht wie heute so behandelt, dass selbst feine Pullover leicht zu waschen oder die Mäntel chemisch zu reinigen sind. Und Motten lieben den Geruch von Schweiss, Spuren von Flecken aller Art oder wenigstens ein paar Staubpartikel. «Porentief rein» dagegen können sie nicht ausstehen.

Niemand tötet mehr Menschen

Dieser Duft nach frisch gewaschener Wäsche macht allerdings Mücken gar nichts aus. Diese nervtötend sirrenden Plagegeister leben auf der ganzen Welt in unterschiedlich gefährlicher Ausprägung. Etwas über 30 Unterarten sind in der Schweiz heimisch, drei «Immigranten», darunter die als Krankheitsträger gefürchete Tigermücke, sind grad dabei, bei uns Fuss zu fassen.

Ausrotten lassen sich die Blusauger nicht, auch wenn sie mehr Menschenleben auf dem Gewissen haben als jedes andere Lebewesen. Aber sie sind auch Teil der Nahrungskette. Futter für Schwalben oder Fledermäuse zum Beispiel.

Man spürt sie nicht, sieht sie selten – Mücken kommen auch im Dunkeln – und hört sie nur. Mücken sind eine der grossen Menschheitsplagen.

Also gibt es nur eines: Verhindern, dass wir zu einem Teil ihres Entwicklungszyklus werden. Indem man feine Fliegengitter an den Fenstern anbringt. Ein einfaches Mittel ist Lavendelöl, am Abend auf einen Wattebausch getröpfelt und diesen auf dem Nachttisch parkiert. Auch Tomatenkraut soll die Blutsauger vertreiben. Knoblauch weniger, ausser man hat eine grosse Portion davon gegessen. Dann suchen die Plaggeister auch das Weite – andere Zimmergenossen aber vielleicht auch ….

Den Rat, keine offenen Wasserflächen zu dulden, wo sich die Mückenlarven entwickeln können, also auch keine Spritzkannen voller Wasser, finde ich schwierig. Wie soll ich denn meine Pflanzen mit gestandenem, temperiertem Wasser giessen?

Wasserschlachten bis das Essen schwimmt

Wer im Sommer draussen essen will, wird sofort zu einer umschwärmten Person. Wespen lieben, was auf unseren Tellern liegt. Zur Zeit vor allem Fleisch, denn zur Aufzucht ihrer Brut benötigen sie proteinhaltige Nahrung. Später, wenn die Jungmannschaft flügge ist, interessieren sie sich dann vermehrt für Süsses. Was heisst interesssieren? Sie kämpfen förmlich darum! Denn Wespen sind aggressiv, im Gegensatz zu Bienen, Hummeln oder Hornissen, die nur stechen, wenn sie bedroht werden – oder meinen, sie seien in Gefahr. Wespen aber können zu kleinen, hässigen Kampffliegern werden, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen.

Ein Strahl aus einer Wasserpistole soll die ungebetenen Tischgäste vertreiben. Nach meiner Erfahrung ist diese Massnahme nicht wirklich erfolgreich – ausser wenn Kinder am Tisch sind. Die finden solche «Wasserschlachten» interessanter als alles, was auf den Tellern liegt – und bald einmal schwimmt.

Bienen, Hornissen (im Bild) und Hummeln stechen nur, wenn sie sich in Gefahr wähnen. Aber Wespen greifen an, wie kleine Kampfflieger.

Das goldene Fünfrappenstück an einer sonnigen Tischecke vermag die Wespen nur kurz zu irritieren und auch der graue Sack, der in der Nähe aufgehängt wird und ein fremdes Wespennest simulieren soll, verliert bald mal seine Wirkung. Was hilft, sind kleine Häufchen von gemahlenem Kaffee, die auf einem Tellerchen angezündet werden und dann für längere Zeit vor sich hin räucheln.

Und sonst heisst es einfach aufpassen, vor allem, dass keine Wespen in den Mund geraten. Wenn dann Zunge und Rachenraum so anschwellen, dass Atemnot droht, muss sofort ärztliche Hilfe angefordert werden. Kann der Gestochene noch schlucken, sollte er einen Eiswürfel lutschen und zusätzlich Hals und Kehle von aussen kühlen. Aber Achtung: Bei Allergikern zählt jede Minute. Also nicht lange selber behandeln, sondern unverzüglich zum Arzt!

Wespen- oder Bienenstiche auf der Haut können bei Nichtallergikern auch mit Hausmittelchen behandelt werden. Bei Bienenstichen sollte zuerst Stachel samt Giftbeutel entfernt werden. Dann je nach Ratschlag ein angefeuchtetes Stück Würfelzucker, eine halbierte Zwiebel oder eine zerdrückte Aspirintablette auf die Einstichstelle legen. Es gibt auch spezielle Insektenstifte und Eiswürfel helfen auch.

Die leise Gefahr im Wald

Die Zecke kann zwar nicht fliegen, lässt sich aber im Wald oder im hohen Gras gerne «mitnehmen». Das heisst, sie beisst sich in der Haut fest und kann dabei Krankheitskeime übertragen. Besonders gefürchtet sind die durch ein Bakterium ausgelöste Borreliose und die duch ein Virus übertragene Frühsommer-Meningozephalitis (FSME), eine Hirnhautentzündung, gegen die es einen Impfstoff gibt. Entdeckt man eine Zecke auf der Haut, sollte sie schnell entfernt werden, am besten mit einer Pinzette, mit der man die Milbe langsam herauszieht. Kopfschmerzen oder grippeähnliche Beschwerden nach einem Zeckenbiss sollten von einem Arzt beurteilt werden, ebenso die «Wanderröte», die um die Bissstelle und später auch an anderen Stellen des Körpers auftreten kann und auf eine Infizierung mit Borreliosebakterien hinweist. Was unbehandelt noch Monate später zu schweren Krankheitsverläufen führen kann.

Zecken sind winzig klein und höchst gefährlich, wenn sie Träger von Krankheitserregern sind.

Und wie kann man sich vor diesen winzig kleinen Blutsaugern schützen? Nebst Insektizidsprays sind das vor allem gut schützende helle Kleider – darauf sieht man die Milben am besten – und eine genaue Kontrolle von Körperstellen wie Kniekehlen, Genitalbereich, Leisten und Achseln – überall dort, wo die Haut dünn, warm und weich ist. Bei Kindern sollten Haare und Haaransatz und die Stellen hinter den Ohren besonders kontrolliert werden. Wegen des letzten Winters, der eigentlich keiner war und dem frühen Frühling wird dieses Jahr besonders vor Zecken gewarnt.

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1 Kommentar

  1. Bei Wespen hab ich guten Erfolg mit einer Sprühflasche, es genügt schon ein Sprühstoss Wasser wenn sie mir entgegenfliegen oder vor meinem Steak hin und her ortend gauckeln. Getroffen vom Sprühstrahl sind sie dann zu schwer und zum landen gezwungen. Sitzt das flugunfähige Biest dann vor mir auf dem Tisch, nochmals einen Pfupf und die Wespe ist erst einmal beschäftigt sich zu putzen und trockenen. Ist übrigens spannend zu beobachten, die Bein- und Fühler arbeit. Ist das Startgewicht wieder Ok fliegt sie heim und kommt nicht wieder. Ich sage dann jeweils, sie ist ins Nest um zu melden, dass es regnet. Denn auch ihre Kumpaninnen bleiben aus.
    Sympatisch dabei ist ich habe meine Ruhe und musste nichts totschlagen.
    Ps: Die grün schillernden Schmeissfliegen die ja auch immer den Grillplausch garnieren, lassen sich erfolgreich mit zwei Schalen Apfelessig, die strategisch in den Anflugschneissen platziert werden gut abhalten, uns zu besuchen
    Gut Rauch
    Franz Callegher

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