FrontKolumnenDas Sterben hält an - Wann endlich wird gehandelt?

Das Sterben hält an – Wann endlich wird gehandelt?

Nein, ich möchte niemanden an den Pranger stellen – schon gar nicht die Verantwortlichen der Alters- und Pflegeheime. Aber ich mache mir echt Sorgen. Die heute vorliegenden Zahlen sind erschreckend. Die Schweiz hat die grösste Übersterblichkeit von ganz Europa. Bis heute sind hierzulande über 8000 Menschen an oder mit Covid 19 gestorben, über die Hälfte von ihnen in Altersinstitutionen!

Natürlich leben in Heimen vor allem gesundheitlich geschwächte Menschen, aber das allein reicht nicht aus, um die horrende Bilanz zu erklären. „Wann redet ihr endlich Klartext!“, mahnt mich ein besorgter und kompetenter Bekannter eindringlich. „Wer denn, wenn nicht der Schweizerische Seniorenrat müsste endlich den ganzen Skandal anprangern. Die Todesfallrate in der Schweiz ist mehr als doppelt so hoch wie beispielsweise in Deutschland“. Für über 80-Jährige sei das Todesfall-Risiko in einem Alters- und Pflegeheim um ein Vielfaches grösser als daheim.

Natürlich kann ich die Genauigkeit dieser Berechnungen nicht überprüfen, aber sie alarmieren mich dennoch und bestärken mich in der Überzeugung, dass Bund und Kantone auch in diesem Bereich längst handeln müssen. Es geht um Menschenleben. Diese zu schützen ist die Pflicht von uns allen.

Was ist zu tun? Die alten Menschen in den Heimen brauchen mehr Schutz vor Infektionen und die Heime müssen alles tun, um dies zu gewährleisten. Der Schweizerische Seniorenrat SSR* fordert: Alle Personen im Heim müssen sofort geimpft und regelmässig getestet werden. Besucherinnen und Besucher dürfen das Haus nicht betreten, bevor sie nicht getestet worden sind. Impfungen und Tests sollen den Institutionen kostenlos zur Verfügung stehen. Ausserdem brauchen sie mehr personelle Ressourcen. Wir rufen den Bund daher dringend auf, die Heime mit Leuten aus dem Sanitätsdienst der Armee zu unterstützen, damit das Personal sich den gesunden wie den erkrankten Bewohnerinnen und Bewohner widmen kann.

Wir dürfen die Alters- und Pflegeheime nicht im Stich lassen. Wir müssen mithelfen zu verhindern, dass sie zu tödliche Covid-Fallen werden.

*Copräsidium SSR: Bea Heim und Roland Grunder

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5 Kommentare

  1. Hört doch auf Angst und Panik zu verbreiten, wir zählen seit einem Jahr alle an Atemwegsinfektionen gestorbenen zusammen und gaukeln vor, diese kumulierte Zahl sei etwas aussergewöhnliches, es ist es nicht! Eure Angstmache zerstört die Lebensqualität, trennt die älteren Mitmenschen von ihren Liebsten und treibt sehr viele in den Suizid Senioren brauchen ihre Liebten und keine unmenschlichen Massnahmen und für mich ist es sonnenklar, ich gehe nie in ein Heim. Die Gefahr von meinen Kinder, meiner Partnerin getrennt zu werden gehe ich nicht ein

  2. Wann endlich wird gehandelt!?
    Die Frage müsste lauten: wann endlich handeln WIR.
    Es liegt doch auch in unserer Verantwortung.

  3. Lebensrettende und günstige AK Corona-Schelltests stehen seit Ende September 2019 zum breiten Einsatz bereit. Die verantwortlichen Behörden (BAG wie Kantone) haben jedoch aus Unwissenheit von deren Gebrauch abgeraten, ja sogar den Einsatz verboten. Erst heute hört man auf die Empfehlungen der Fachexperten und der medizinischen Diagnostik-Anbieter (Roche, Abbott, …). Zuerst wird lange beobachtet, erwogen, intern geprüft, dann folgen Konsultationen, später werden die Kosten hochgerechnet … bis man Ende Januar realisiert: es gibt keine ethische noch ökonomische Alternative zum Testen, Testen und nochmals Testen. Das gute Beispiel der Stadt Tübingen zeigt dramatisch auf, wieviel Leid und Tod in der 2. Welle ab Oktober hätte durch entschlossene Handeln vermieden werden können. Nichtstun noch Angstmache ist selten eine Alternative, um der bösen ‹Banalität des Viruses› zu begegnen.

  4. Statt das Personal der Altersheime verantwortlich zu machen, wäre es sinnvoller, das Pflegepersonal endlich zu unterstützen: mehr Stellen zu besetzen, die Löhne zu erhöhen. Das Image der Pflege braucht eine Aufwertung finanziell und moralisch. Dafür kämpfen wir schon seit Jahrzehnten. Die menschenverachtenden Massnahmen können fast nicht ausgeführt werden, ohne den bedürftigen Menschen Lebensnotwendiges; wie die Liebe und Zuwendung von Angehörigen und Betreuenden zu verweigern. Jeden Tag mit einem Gefühl versagt zu haben schlafen gehen??
    Ich bin froh, wird das nicht mehr von mir verlangt. Ich könnte es nicht ausführen. Für alte Menschen hat doch das nackte, alleingelassene Überleben keinen Sinn mehr. Sie verlassen uns still und leise.
    Einfach so, weil ein Dasein unter solchen Umständen tödlich wird.
    Eine alte Krankenschwester, die ihr ganzes Leben in der Pflege gearbeitet hat.

  5. Der vorletzte Satz müsste lauten: Wir dürfen die Alten in den Pflegeheimen nicht im Stich lassen! Doch das tun wir, weil uns die Verantwortlichen nicht zu ihnen lassen. Zuspruch, körperliche und seelische Nähe sind extrem wichtig. Isolierte und Vereinsamte sterben vor ihrer Zeit, was mir im Herzen entsetzlich weh tut.

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