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Beleuchtung stört Bestäubung

Strassenlaternen und andere nächtliche Lichtquellen verändern die Anzahl der Blütenbesuche von Insekten nicht nur nachts, sondern auch tagsüber.

Künstliches Licht in der Nacht beeinflusst indirekt die gesamte Gemeinschaft von Bestäubern und Pflanzen – mit unbekannten Folgen für das Ökosystem, wie Forschende von Universität Zürich und Agroscope erstmals nachweisen.

Die Lichtverschmutzung in der Schweiz nimmt laufend zu. Quelle: BAfU

In den letzten Jahren hat die Verbreitung von künstlichem Licht weltweit massiv zugenommen. Dies hat negative Konsequenzen für das Überleben und die Fortpflanzung von nachtaktiven Organismen. Wichtige ökologische Prozesse wie die Bestäubung von Pflanzen durch nachtaktive Insekten werden durch künstliches Licht beeinträchtigt – was Folgen für den Ertrag landwirtschaftlicher Kulturen und die Fortpflanzung von Wildpflanzen haben kann.

Nun zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich und von Agroscope erstmals, dass künstliches Licht nachts das Bestäubungsverhalten der Insekten auch während des Tages beeinträchtigt. In einem Experiment haben sie natürliche Pflanzen-Bestäuber-Gemeinschaften auf sechs Naturwiesen nachts mit kommerziellen Strassenlaternen beleuchtet. Sechs weitere Naturwiesen blieben im Dunkeln. In seiner Analyse konzentrierte sich das Forschungsteam auf 21 natürlich vorkommende Pflanzenarten sowie auf die Insektengruppen der Zweiflügler (Diptera), der Hautflügler (Hymenoptera) und der Käfer (Coleoptera).

Unterschiedliche Interaktionen je nach Pflanzenart

«Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass künstliches Licht in der Nacht je nach Pflanzenart die Anzahl der Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen während des Tages verändert», sagt Eva Knop vom Universitären Forschungsschwerpunkt Globaler Wandel und Biodiversität der Universität Zürich und von Agroscope. So erhielten drei Pflanzenarten tagsüber signifikant weniger und eine weitere Art leicht weniger Bestäubungsbesuche. Eine andere Pflanzenart dagegen wurde mit LED-Licht viel mehr und eine weitere etwas mehr besucht.

Waldstorchenschnabel. Bild: creative commons

Interessanterweise war auch die Aktivität der nachtaktiven Bestäuber bei künstlichem Licht verschieden: Zum Beispiel wurde der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) in beleuchteten und dunklen Wiesen gleich häufig besucht, die Insekten unterschieden sich jedoch: Während die Zweiflügler die Beleuchtung mieden, wurden die Käfer eher angezogen. Ähnliche Tendenzen gab es auch bei zwei weiteren Pflanzenarten.

Indirekte ökologische Folgen von Lichtverschmutzung

Bisher wurden indirekte ökologische Effekte der Lichtverschmutzung vernachlässigt. «Da Insekten eine zentrale Rolle in der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen spielen und auch unabhängig von künstlichem Licht durch die Zerstörung des Lebensraums und den Klimawandel bedroht sind, ist es wichtig, diese indirekten Mechanismen zu klären», sagt Knop.

Basierend auf den Ergebnissen fordern Eva Knop und ihre Kollegen: «Die ökologischen Folgen der Lichtverschmutzung sollten stärker erforscht und Massnahmen entwickelt werden, um negative Auswirkungen auf die Umwelt zu verhindern.» Auch wenn künstliches Licht aus besiedelten Gebieten kaum wegzudenken sei, gäbe es Möglichkeiten dafür: So könnte die öffentliche Beleuchtung in Kombination mit neuen Technologien sorgfältig geplant und auf ein Minimum reduziert werden.

Bestäuber-Insekten. Von Links:  Hautflügler, Schmetterling, Käfer. Bild: creative commons

Da Lichtverschmutzung durch unnötige nächtliche Beleuchtungen privater Reklametafeln, Einfahrten und Gebäuden allgemein laufend zunehmen, wäre auch der Gesetzgeber gefordert. Wo düstere Eingänge eine Beleuchtung nötig machen, kann diese auch mit einem Bewegungsmelder kurzfristig eingeschaltet werden.

Titelbild: Künstliches Licht in der Nacht verändert die Anzahl der Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen auch tagsüber. (Bild: UZH/Agroscope) 

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