FrontLebensartDie Bienen gehören zur Natur – sie brauchen unsere Hilfe

Die Bienen gehören zur Natur – sie brauchen unsere Hilfe

Die meisten von uns denken sofort an eine Sommerwiese mit vielen bunten Blumen und eifrig summenden Bienen, die fleissig für uns gesunden Honig sammeln, wenn sie von FREETHEBEES» hören: eine heile Welt, intakte Natur und ein ideales Gesprächsthema für Grosseltern und Enkelkinder. Leider sieht die Realität ganz anders aus.

Mit «FREETHEBEES», der Organisation, die sich tatkträftig für die Bienen einsetzt, ist Seniorweb eine Partnerschaft eingegangen, weil auch wir von ihrer Zielsetzung überzeugt sind. Corina Preiswerk sprach mit André Dunand, Präsident von «FREETHEBEES».

Seniorweb: André Dunand, der Name Ihrer Organisation klingt etwas alarmierend. Den Bienen geht es schlecht? Vor welchen Bedrohungen müssen wir sie denn befreien?

André Dunand: Die «Hausbiene», im Französischen «Honigbiene» genannt, ist leider von mehreren Seiten her bedroht. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich Ihrer Organisation, die zwischen den Menschen vermittelt, ein paar Fragen beantworten darf. Denn es ist wichtig, dass wir zusammenarbeiten. Vor allem wird die Biene in eine intensive Nutzhaltung gedrängt. Dann ist die Behandlung, die sie darin erfährt, sehr schwerwiegend. Der Imker verwendet verschiedene Säuren zur Behandlung von Krankheiten und um Schädlinge wie den Parasiten Varroa zu beseitigen. Diese Stoffe machen die Bienen abhängig … von einer Behandlung durch Chemikalien. Zudem sollte der Lebensraum der Bienen aufgewertet werden. Oft fehlen Pflanzen mit Blüten, die Hauptnahrungsquelle ist verschmutzt. Es ist sehr wichtig, dass diese Verunreinigungen aus der Umwelt reduziert werden können.

Ältere Menschen haben Freude an der Natur, gerade auch in ihre Rolle als Grosseltern sind sie wichtige Informationsträger. Wie kann man Kindern am besten vermitteln, warum Ihre Organisation ein zentrales Anliegen vertritt?

Wie alles, was um uns herum lebt, die Natur und die Lebewesen, verdient Respekt – das ist das Wichtigste, was den Kindern beigebracht werden sollte. Dann aber auch Information zur Frage, wie das Kind seine Verantwortung wahrnehmen kann und wo es sein Verhalten anpassen muss. Wissen Sie zum Beispiel, dass zur Gewinnung von 1 kg Honig 6000 Bienen knapp zwei Wochen arbeiten müssen? Sie besuchen etwa 6 Millionen Blüten und legen eine Distanz von 150’000 km zurück, also viermal den Erdumfang.

Die Biene ist ein Waldinsekt und lebt stets im Wald: Im Bild wird eine Baumhöhle für die Waldbiene freigelegt.  

«FREETHEBEES» setzt sich aktiv zur Erreichung von verschiedenen Zielen ein. Würden Sie Prioritäten setzen, oder sind alle Anliegen gleich dringlich?

Das wichtigste Ziel ist es, die Honigbiene wieder in natürliche Räume zurückzubringen – in den Wald, damit sie dort ihre Immunität wiedererlangt. Die Biene ist ein Waldinsekt, das über 30 Millionen Jahre auf unserem Planeten lebt. Sie lebte stets im Wald, in Höhlen in den Baumstämmen. Während dieser langen Zeit hat sie bewiesen, dass sie sich an zahlreiche Situationen anpassen kann. Gegenwärtig macht die traditionelle Imkerei die Bienen abhängig und gibt ihnen nicht die natürlichen Abwehrmechanismen. Wir von FREETHEBEES sind überzeugt, dass sie alle Mittel zum Selbstschutz im natürlichen Umfeld hat, das sich laufend verändert. Aber dazu muss sie zuerst in die Natur zurückkehren können. Wir setzen uns zum Ziel, ihr Lebensräume zu verschaffen und sie zu beobachten, damit wir diese Rückkehr zur Natur dokumentieren können.

Wo sehen Sie den Hauptgrund für die desolate Situation? Ist es – wieder einmal – die rücksichtslose Ausbeutung der Natur durch uns Menschen? Warum müssen wir umdenken und uns für eine nachhaltige Nutzung einsetzen?

Es ist klar, dass das Eingreifen der Menschen alle diese Probleme verursachen. Der Mensch ist in diesem Sinne nicht nur der Feind des Menschen; sein oft egoistisches Verhalten hat Folgen für die Menschheit, aber auch für die Bienen. Die intensive Nutzung, der Mangel an Blütenpflanzen, die Anwendung von umweltverschmutzenden Substanzen – das sind die wichtigsten schädlichen Faktoren.

Herr Dunand, Sie sind Wissenschaftler und Naturmensch. Können Sie uns noch mehr über Ihren Werdegang und über Ihre Motivation erzählen?

Ich betrachte mich eher als Pädagogen und weniger als Wissenschaftler. Während vieler Jahre habe ich sowohl Kinder wie Erwachsene unterrichtet. Ich habe auch lange die «Salons du mieux-vivre» in Freiburg und Saignelégier geleitet. Diese Tätigkeit habe ich als Führungsrolle betrachtet und führende Referent*innen eingeladen. Ich habe Kurse und Praktika organisiert, die den Besucher*innen Wege zeigen, um eine besseren Gesundheit zu haben, im Leben verantwortungsvoll zu handeln und sich so persönlich weiter zu entwickeln. Seitdem ich pensioniert bin, konzentriere ich mich auf mich und widme mich meiner Familie, meinen beiden Enkelinnen, und ich hoffe, damit eine dauerhafte Wirkung zu erzielen. Als ich während eines Kurses auf die Organisation FREETHEBEES aufmerksam wurde – das sind nun schon zwei Jahre her – habe ich mich sofort mit ihren Zielsetzungen identifiziert. Sehr schnell bekam ich Lust, mich für diese Organisation einzusetzen. Ich habe andere Ämter und Verpflichtungen aufgegeben, um mich voll für FREETHEBEES engagieren zu können.

Bei den Leserinnen und Lesern von seniorweb.ch ist Ihnen ein hohes Interesse und die Bereitschaft, selbst aktiv etwas beizutragen, gesichert. Was für Ratschläge geben Sie unserer Zielgruppe?

Wir alle hinterlassen mit unserem Leben gewisse Spuren. Jeder muss selbst entscheiden, was für Spuren das sein sollen, die wir unseren Kindern, unseren Enkeln und der Natur weitergeben. Unsere Generation hat die einzigartige Chance, viele Stunden und Tage mit der Familie zu verbringen, vor allem mit den Enkelinnen und Enkeln. Wir haben deshalb die Verantwortung, ihnen diesen Respekt zu vermitteln, von dem ich am Anfang gesprochen habe. Diesen Respekt, der sich aus eifrigem Beobachten und Forschen nährt.

Wir haben auch die Möglichkeit, besonders auch als Pensionierte, solche Organisationen wie FREETHEBEES finanziell zu unterstützen. FREETHEBEES ist mit vielen Projekten aktiv, nicht gewinnorientiert, neutral und besteht seit 2013. Solche Aktivitäten bringen hohe Kosten mit sich. Ihre Spende wird sehr geschätzt und ist hochwillkommen. Ich danke Seniorweb herzlich für die Gelegenheit, meine Sicht der Dinge darzustellen. Und ich danke Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für Ihre Aufmerksamkeit.

Sie finden viele weitere Informationen auf unserer Website: www.freethebees.ch


André Dunand(1957) aus Fribourg ist Heilpädagoge und hat während dreissig Jahren in der Umgebung von Freiburg einen Arbeitsplatz für Erwachsene mit Behinderungen geführt. Mit seiner Frühpensionierung im Jahr 2020 ist er dem Vorstand von FREETHEBEES beigetreten. Seit 2004 leitet er die «Salons du mieux-vivre» in Fribourg und Saignelégier. Ausserdem ist André 2009 Präsident der VOPSI, Verband der Organisationen des Personals der Sozialen Institutionen des Kantons Freiburg.

 

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