StartseiteMagazinKulturABC der Bilder. Die Sammlung lesen

ABC der Bilder. Die Sammlung lesen

Wir lernen rechnen, lesen, schreiben. Doch lernen wir auch, wie man Bilder liest? Die Frage nach der Bildkompetenz steht im Zentrum der Sammelausstellung im Kunstmuseum Luzern.


Ferdinand Hodler, der Tag III, um 1901

Die Ausstellung bietet eine Lektion der besonderen Art: Von A wie Archiv bis zu Z wie Zeichen werden Werke aus der Sammlung gezeigt, die repräsentativ für Schlüsselbegriffe der Bildbetrachtung stehen.

Um Bilder zu lesen, kennt die Kunstgeschichte viele Fachbegriffe. Zahlreiche theoretische Ansätze versuchen zu ergründen, wie, wann und unter welchen Voraussetzungen wir Bilder verstehen. Denn Zeichen und Symbole sind an ihren jeweiligen Kontext gebunden – sie werden nicht jederzeit und überall gleichermassen verstanden. Und in welchem Verhältnis steht das Objekt zu seinem Bild?


Cornelius Engelbrechtsz (1468-1533), Anbetung Christi, ohne Jahr

Themen sind Symbolismus und Zeichenhaftigkeit, Bildarchive und ihre Systematik, die Darstellung von Politik und Weltgeschehen, Kultbilder, sowie die Präsentation des eigenen Körpers. Erstmals seit 2001 ist James Colemans Diaprojektion Charon (MIT Project) wieder zu sehen: Die Installation dekonstruiert Alltagsbilder und untersucht das Verhältnis von Wahrheit und Fiktion. Um den Überblick nicht zu verlieren, geben einfache Wandtexte zu Begriffen aus der Bildtheorie das nötige Werkzeug für die Betrachtung.


Martin Moser, Das jüngste Gericht, 1557, Ölfarbe auf Holz

Unter A wie Archiv führt beispielsweise Taryn Simon vor, was es bedeutet, mit einer Flut von Bildern konfrontiert zu sein. Ihre Werkgruppe Picture Collection basiert auf dem umfangreichen Bildarchiv der New York Public Library. Anhand der Begriffssuche deckt sie auf, welchen Kategorien Bilder zugeordnet werden.


Aldo Walker (1938-2000) Logotyp (Alpenreihe) 1975

Demgegenüber steht das Archiv von Allan Porter, Chefredaktor der Fotozeitschrift Camera: 1922–1981 in Luzern erschienen, steht sie für ein wichtiges Kapitel europäischer Fotogeschichte.

Öffentliche wie private Archive folgen Sammlungskriterien und bestimmen so, was bleibt und was gesehen wird. Sehgewohnheiten zu hinterfragen und Machtstrukturen zu kritisieren sind Ansätze, die sich in Clemens von Wedemeyers Videoanimation 70.001 widerspiegeln. Er nutzt digitale Mittel, um die Manipulation von Bildern zu thematisieren. Auch die Dreifach-Diaprojektion Charon (MIT Project) von James Coleman befragt den Wahrheitsgehalt von Bildern und wie die Bilder unsere Wahrnehmung beeinflussen.


André Thomkins (1930-1985) «nie besang nase bein» 1971

Hannah Villiger wiederum verfolgt mit ihren Polaroidaufnahmen einen intuitiven Zugang zur Bildproduktion, der sich der rationalen Bildbetrachtung widersetzt. Im Spannungsfeld zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein spürt sie ihrem Innenleben nach, um wie auch Miriam Cahn Verborgenes an die Oberfläche zu bringen.

Auch bei symbolischen Werken richtet sich der Blick weniger auf das Aussen, sondern auf eine traumartige Welt im Inneren. So stellen beispielsweise Irma Ineichens Landschaften nie bloss die Landschaft selbst dar, sondern stehen ebenso für Ängste, Freuden oder Begehren. In Ferdinand Hodlers symbolistischen Figurenbildern wie Der Tag stehen Frauen oder Männer für abstrakte Begriffe wie Kraft, Introspektion oder die Tageszeiten.


Arnold Böcklin (1827-1901) Ausritt der maurischen Reiter, 1873

Ein Highlight der Ausstellung ist das neu restaurierte Werk The Rigi, Lake Lucerne, Sunset von J.M.W. Turner, welches das Kunstmuseum Luzern dank grosszügiger Unterstützung 2019 ankaufen konnte.

Das ABC der Bilder schliesst mit Z wie Zeichen das Alphabet der Bildanalyse. So zeigt Ben Vautier mit einem Augenzwinkern, dass Text und Abbild nicht identisch sind. Die Ausstellung vermittelt, dass Sehen als Fähigkeit, wichtige und unwichtige, tiefgründige und oberflächliche, manipulierte und irreführende Bilder zu unterscheiden – kurz Bildkom- petenz – unabdingbar ist, um Bilder zu verstehen.


J.M.W. Turner, The Rigi, Lake Lucerne, Sunset, 1842/43

Ausgestellt sind: Judith Albert, Anna Maria Babbegger-Tobler, Arnold Böcklin, Miriam Cahn, Edouard Castres, James Coleman, Anton Egloff, Helmut Federle, Ferdinand Hodler, Irma Ineichen, Urs Lüthi, Martin Moser, Archiv Allan Porter, Eduard Renggli, Hans Schärer, Taryn Simon, André Thomkins, Josephine Troller, J.M.W. Turner, Felix Vallotton, Ben Vautier, Hannah Villiger, Aldo Walker, Clemens von Wedemeyer.

Die Ausstellung, kuratiert von Alexandra Blättler, dauert bis 19. November 2023

Fotos: Josef Ritler

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