StartseiteMagazinLebensart"Wie Gott mich fand."

«Wie Gott mich fand.»

Sie hat sich ihren Weg von der Musikerin in den geistlichen Beruf hart erarbeitet. Heute ist Irena Widmann eine engagierte Pfarrerin in Winterthur Seen.

«Ich hatte Orgel gespielt und stand mitten in der Kirche. Da hörte ich plötzlich eine innere Stimme, die mir sagte: ‹Dein Platz ist nicht auf der Empore, sondern in der Mitte der Kirche beim Altar.› Es war wie eine Weisung. Sie liess mich nicht mehr los.

Der Weg zur Pfarrerin allerdings war weit und kurvenreich. In der Ukraine geboren, hatte ich an der Kiewer Glier Staatsmusikschule Klavier und Musiktheorie studiert. Danach am Tschaikowsky Staatskonservatorium Piano und Komposition. So startete ich am Theater der Alliance Française – immer noch in Kiew – ins Berufsleben als Korrepetitorin, Musikdirektorin und Komponistin.

Vom Musikstudium in der Ukraine…

Nach dem Abschluss meiner Studien führte mich meine Laufbahn nach England, an die Universität von Leeds, wo ich ein Doktorstudium in Komposition absolvierte. Ich war dort auch als Organistin an anglikanischen und katholischen Kirchen tätig. Gleichzeitig liess ich mich bei den Samaritans, einem Verband ähnlich der Dargebotenen Hand, als Mitarbeiterin ausbilden.

Erst 1998 verschlug es mich, nachdem ich meinen Mann geheiratet hatte, in die Schweiz, sein Heimatland. Ich hatte ihn in England kennengelernt, wo er als Post-Doktorand an der Universität von Leeds tätig war. In der Schweiz arbeitete ich zunächst als freischaffende Komponistin und Organistin in verschiedenen Zürcher Kirchengemeinden.

… zum Theologie-Master in Schottland

Mein Wunsch, ein geistliches Amt zu übernehmen, liess mich aber nicht mehr los und führte mich über zahlreiche Stufen immer näher ans Ziel. In England und Schottland studierte ich weiter: «Biblical and Evangelic Ministry», «Christian Counselling Training», «Theology and Ministry» (Lehrveranstaltungen für Gottesdienst, Seelsorge und Bibelkenntnis, red.) und schliesslich absolvierte ich in St. Andrews, Schottland, ein Masterstudium in Theologie.

In gleichen Zeitraum nahm ich an verschiedenen Schweizer Orten Stellvertretungen als Pfarrerin wahr, von Wädenswil über Oberrieden, Kreuzlingen, Winterthur Mattenbach bis zur Winterthurer Kirchengemeinde Seen, wo ich inzwischen zu 100 Prozent als Pfarrerin gewählt bin.

Irena Widmann, Pfarrerin in Winterthur-Seen, hat einen langen Weg zurückgelegt, bis sie zu ihrer Bestimmung fand.

Anfangs fühlte ich mich wie eine exotische Pflanze. Inzwischen bin ich angekommen. Vor allem habe ich Freude an der sehr aktiven Seemer Gemeinde. Es ist sehr abwechslungsreich. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren, Altersheim… Diese Schwerpunkte fallen zurzeit in meinen Aufgabenbereich.

Seelsorge in Winterthur-Seen

Woran mir speziell gelegen ist? An Spiritualität, zum Beispiel bei den Exerzitien im Alltag. Jeweils an einem Abend in der Woche treffe ich gleichgesinnte Gemeindemitglieder. Dazu kommen Gottesdienste alle zwei Wochen für demenzkranke Menschen. Auch Pilgerwanderungen sind mir ein Anliegen. Am 10. Juni findet eine Wanderung für Frauen von Schaffhausen zum Kloster Rheinau statt.

Sie fragen mich nach meinem Gott? Warum ein persönlicher Gott alles Unrecht in der Welt zulässt, den Ukraine-Krieg, das Erdeben in der Türkei und Syrien kürzlich, die tägliche Verantwortungslosigkeit im Leben, den Neid, die Gier, die Brutalität der Menschen untereinander und gegenüber anderen Lebewesen? Gott hat uns die Welt als Geschenk übergeben und uns verantwortlich dafür gemacht. Wir sind freie Wesen. Es ist an den Menschen, ihren Garten zu pflegen. Wo der angeblich so allmächtige Gott dabei bleibt? Manche Zusammenhänge werden wir erst verstehen, wenn wir vor ihm stehen.»

Titelbild: Irena Widmann hatte ihr Erweckungserlebnis als Organistin in der Kirche
Fotos: Christine Kaiser

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