Seit dem 1. August leitet Jürg Mausch (39) das Lerncenter der Stiftung Pro Seniorweb. Er war IT-Ausbildner bei der Siemens Schweiz AG, dort führte er vor allem junge Menschen in die digitalen Medien ein. Jetzt hat er eine völlig andere «Kundschaft», vor allem ältere Menschen.
Seniorweb wollte von ihm wissen: Was hat Sie zum Wechsel bewogen?
Jürg Mausch: Grundsätzlich habe ich mich nicht gegen den Unterricht mit Lernenden entschieden, sondern für die Möglichkeit, eine komplett neue Aufgabe zu übernehmen. Ich will mich mit einem anderen Umfeld auseinanderzusetzen. Ich war nun fast 15 Jahre Berufsbildner und freue mich auf die neue Herausforderung.
Und was ist nun vor allem anders?
Als Leiter des Lerncenters für die Pro Seniorweb Stiftung kann ich mich viel mehr in der Breite verschiedener Gebiete engagieren. Einerseits in der Themenvielfalt der Kurse und anderseits aber auch mit dem ganzen Ausbau des Lerncenters. Ich sehe hier eine grosse Chance, Angebote zu entwickeln, von denen Menschen im dritten Lebensabschnitt direkt profitieren können.
Sind die Voraussetzungen, um das Internet kompetent zu nutzen, bei älteren Menschen anders als bei Jungen?
Das Internet steht für alle Nutzer gleich zur Verfügung. Der springende Punkt, um es kompetent zu nutzen, ist auch die Bereitschaft, sich für die so schnell wachsende digitale Welt überhaupt zu öffnen. Da ist viel Neugier gefragt. Ich beobachte, dass die jungen Leute das digitale Umfeld eher wie ein Spiel benutzen. Wenn sie was Falsches drücken, starten sie einfach neu. Ältere Menschen haben eher Angst davor, dass sie etwas kaputt machen könnten. Es braucht hier einen guten Mittelweg: Neugier fürs Ausprobieren und genug kritisches Denken, um nicht auf unseriöse Angebote reinzufallen.
Was haben Sie vor? Werden Sie Schwerpunkte im Angebot setzen? Und wenn ja, welche?
Aufgrund meiner ersten Erfahrungen sind es vor allem die Kurse zur generativen künstlichen Intelligenz, die sehr beliebt sind. Ich strebe aber nicht ein spezifisches Themenfeld an. Wir möchten bei seniorweb Kurse anbieten, die von Teilnehmenden gefragt sind und ihnen den grössten Nutzen bringen. Dazu werden wir mit Feedback nach den Kursen, mit Umfragen evaluieren, welche Bedürfnisse künftig abzudecken sind. Weiter strebe ich auch weiterführende /mehrteilige Workshops an, damit sich Teilnehmende vertieft mit einem Thema, wie Office365 beispielsweise, vertraut machen können. Zurzeit sind wir auch noch in der Diskussion, ob und wie umfassend wir ein «mobileres» Angebot machen sollen. Viele Leserinnen und Leser sowie Mitglieder von Seniorweb wohnen nicht in der Nähe des Lerncenters (Werdstrasse 8 in 8004 Zürich) und können so nicht vor Ort teilnehmen. Wir denken an Online-Angebote (über Teams oder Zoom), mit denen Interessierte zu Hause an Kursen oder auch Beratungen teilnehmen können.
Sie wollen junge, lernende Menschen aus der Lernwerkstatt «Tie International» als Kursleiter einsetzen. Was versprechen sie sich davon?
Tie International ist eine Lernwerkstatt, die eine sehr hohe Praxiserfahrung mit ihren Lernenden anstrebt. Ich finde diese Haltung wunderbar, dass man nicht einfach «Alibiübungen» macht, sondern auch mit den jungen Menschen «Kundenaufträge» abwickelt. Weiter beschäftigt die Lernwerkstatt Lernende im ganzen ICT-Umfeld. So ist beispielsweise eine Mediamatikerin im höheren Lehrjahr auch fachlich sehr fit und kann meines Erachtens einen Kurs zum Fotografieren besser geben wie ich.
Wie muss man sich den Ablauf eines Kurses vorstellen. Wie gross ist die optimale Anzahl der Teilnehmenden an einem Kurs?
Das kann ich nicht pauschal beantworten, da es sehr auf das Thema eines Kurses ankommt. Wir vermitteln das notwendige Wissen nicht allein mit Referaten, sondern in Kombination mit praxisnahem, direktem Üben. Die Teilnehmenden sollen in den Kursen die gewonnenen Erkenntnisse direkt auf ihren eigenen Geräten lernen umzusetzen. Aber auch hier: Je nach Themengebiet ist ein kleinerer oder höherer Anteil an Praxis möglich. Die optimale Anzahl der Teilnehmenden variiert je nach Kurs zwischen 8 und 12 Personen.
Was bietet das Lerncenter künftig sonst noch an?
Nebst den Kursen sollen vor Ort weitere Hilfestellungen angeboten werden: Sprechstunden, Livesupport etc. Aber wie vorhin angetönt, ist es auch essenziell, dass wir die weniger mobilen Leute oder auch Personen, die weit weg von Zürich wohnen, mit Angeboten abholen können.
Und schliesslich, was kostet die Teilnahme an einem Kurs, bei den anderen Angeboten, gibt es Vergünstigungen?
Ja, für unsere Mitglieder von Seniorweb kostet die Teilnahme an einem Kurs 55 anstelle von 65 Franken. Es lohnt sich also, als Mitglied dabei zu sein. Die Details über Kursinhalte, Daten und über die Preise der weitern Angebote publizieren wir auf der Website unter https://seniorweb.ch/angebote/kursangebote

Dass seniorweb.ch jüngere und ganz junge Fachpersonen für die IT beizieht, finde ich gut, denn für sie ist der Umgang mit neuen Programmen und mit KI eine normale Entwicklung. Das Internet und die Möglichkeiten, die sich damit für uns Anwender:innen aufgetan haben, ist für mich heute noch ein Meilenstein, von der IBM-Kugelkopfschreibmaschine in meiner KV-Lehre, zum PC und Laptop heute sozusagen. Ich möchte es keinesfalls missen.
Vielleicht von einigen wenigen Senior:innen abgesehen, die sich vertieft mit diesen neuen Errungenschaften längerfristig beschäftigen und evtl. noch Geld damit verdienen wollen, sollten die Kurse für Betagte vor allem aktuelle Informationen und die Hinweise auf mögliche Gefahren sowie die möglichst praktische Umsetzung und einfache Anwendung zum Ziel haben. Meine Meinung.