Bruxismus ist ein stilles Leiden, aber gut zu hören. Denn Zähneknirschen ist ein verbreitetes Phänomen. Oft allerdings ein unbewusstes, wissen doch viele Betroffene gar nicht, dass sie nachts oder auch tagsüber die Kiefer so stark zusammenpressen, dass Zähne und Kiefergelenke Schaden nehmen. Bis zum nächsten Termin beim Zahnarzt.
«Reiss Dich zusammen!», «Musst halt ein bisschen auf die Zähne beissen», «Mach Dir doch keine Sorgen, kommt schon gut» – solche Ratschläge kennen wir doch alle. Als wir Älteren jung waren, wurde in den meisten Familien weniger empathisch erzogen als heute. Schliesslich soll das Kind, die Jugendliche aufs Leben vorbereitet werden – und das agierte auch nicht immer mit Samthandschuhen.
So ist das Erstaunen oft gross, wenn die Zahnärztin, der Zahnarzt einem in höherem Alter schonend beibringt, dass die Kopfschmerzen, die Verspannungen im Rücken, die steifen Kiefermuskeln am Morgen nicht auf eine Krankheit, sondern auf eine über Jahre praktizierte schlechte Angewohnheit zurückzuführen sind, das Zähneknirschen. Es sind massive Kräfte, die da im Schlaf auf die Zähne einwirken. Die Beisskraft der Stockzähne kann rund 800 Newton betragen, das sind etwa 80 Kilogramm.
Zahnschäden
Weil wir den Zustand unserer Zähne normalerweise nicht selber beurteilen können, es sei denn, es handle sich um Karies oder Entzündungen, bemerken wir auch nicht, dass der Zahnschmelz an exponierten Zähnen förmlich abgeschmirgelt ist, dass Füllungen an Kauflächen richtig weggeraspelt sind. Ein Röntgenbild kann zudem belegen, dass die Zähne tiefe Furchen in die Kieferknochen gegraben haben.
Das Röntgenbild beweist es: Da wirken des Nachts massive Kräfte auf Zähne und Kieferknochen ein.
Die Behandlung solcher Zahnschäden ist einerseits langwierig, andererseits aber einfach. Zeit braucht es, um den Ursachen dieser Angewohnheit auf die Spur zu kommen. Sind es psychische Ursachen wie Stress oder Angst vor Überforderung, wie sie oft beim Wachbruxismus, aber auch beim nächtlichen, manchmal gut hörbaren Knirschen auftreten? Beim nächtlichen Zähnezusammenbeissen können zudem auch Schlafstörungen wie eine Schlafapnoe, Medikamente oder Drogen, Reflux oder gar Erkrankungen des zentralen Nervensystems der Grund sein. Vielfach sind mehrere Faktoren Ursachen der Störungen und sollten sorgfältig abgeklärt werden.
Grosse Dunkelziffer
Tatsächlich wissen viele Menschen gar nichts von solch nächtlichen Aktivitäten und reagieren erst mal erstaunt. In der Schweiz geht man von zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung aus, die an dieser schlechten Angewohnheit leiden. Fachleute weisen allerdings auf eine grosse Dunkelziffer hin, weil Beschwerden erst in fortgeschrittenem Alter auftreten.
Aber irgendwann spürt man, dass die Zähne empfindlich auf Kälte, Hitze oder Säure reagieren. Denn wenn der Zahnschmelz weitgehend fehlt und das darunter liegende weiche Dentin, das Zahnbein, freiliegt, dann tut das weh. Solche Zähne reagieren nicht nur empfindlicher, es besteht auch ein höheres Kariesrisiko oder die Zähne neigen gar zu Absplitterungen oder Rissen.
Einfache Lösung: eine Zahnschiene
Natürlich können solche «nackte» Zähne in der Zahnarztpraxis durch Kronen oder Füllungen gestärkt werden. Ist aufwendig und teuer. Auch Zahnpasten gibt es, die eine Remineralisierung versprechen. Auch das ist nicht von heute auf morgen zu erreichen. Wichtig ist, dass die Gelees und Pasten etwas einwirken können. Nach dem Zähneputzen sollten also mit dem Ausspülen des Produkts etwas zugewartet werden.
Gegen nächtliches Zähneknirschen hilft am besten eine Zahnschiene, auch Beissschiene genannt. Sie wird in der Zahnarztpraxis mittels Zahnabdruck passgenau für die obere oder untere Zahnreihe hergestellt, aus Kunststoff. Am Abend wird sie ganz einfach über die dafür vorgesehene Zahnreihe gestülpt. Sie schützt nicht nur die Zähne vor Abrieb, sie entlastet auch die Kiefergelenke. Parallel dazu sind eine gezielte Physiotherapie und Entspannungsübungen sinnvoll. Und wichtig: Bei Problemen oder Schmerzen besser nicht die Zähne zusammenbeissen! .
