StartseiteMagazinWissenNaturkatastrophe zerstörte vor 5860 Jahren Dorf am Bielersee

Naturkatastrophe zerstörte vor 5860 Jahren Dorf am Bielersee

Der Archäologische Dienst des Kantons Bern hat beim Bau des neuen Campus der Berner Fachhochschule in Biel ein Dorf aus der Jungsteinzeit entdeckt und dessen Ausmasse rekonstruiert.  Ein Sturm zerstörte im Sommer 3838 v. Chr. die Siedlung nur vier Jahre nach deren Entstehung.

Bei archäologischen Rettungsgrabungen vor dem Bau des Campus Biel wurden 2018 und 2019 Überreste eines jungsteinzeitlichen Dorfes freigelegt. Neben Funden aus dem Alltag der Dorfgemeinschaft dokumentierte der Archäologische Dienst des Kantons Bern (ADB) rund 2000 erhaltene Hölzer, darunter 1500 Pfähle, die tief in den Boden eingerammt waren. Aus dem dichten Pfahlfeld lassen sich Häuser rekonstruieren, die dicht an dicht standen. Zur Seeseite hin hatten die Bewohnerinnen und Bewohner palisadenartige Wellenbrecher aus einem engen Gewirr aus Pfählen oder Ästen aufgerichtet.

In der Baugrube am Bielersee wurden die Schichten abgetragen und Überreste des Dorfes freigelegt. © ADB/SAB, Khaled Bordji.

Um festzustellen, welche Hölzer zusammen zu den einzelnen Gebäuden gehörten, kamen neben einer Bestimmung der Holzart die Dendrochronologie, das heisst die Jahrringanalyse, ins Spiel. Bis auf ein halbes Jahr genau konnte so der Bau des Dorfes in einer detaillierten Abfolge rekonstruiert werden. Nach ihrer Gründung im Jahr 3842 v. Chr. war die Siedlung rasch angewachsen, zuerst von einem auf vier, dann bis auf 23 Gebäude – doch ihr Niedergang kam plötzlich.

So könnte das Dorf ausgesehen haben. Illustration Andreas Marti / ADB.

Spuren der Zerstörung

Die Lage der Pfähle und ihre Einbettung in den Schichten zeigen auffällige Muster. Deshalb sind noch während der Ausgrabungen detaillierte Beobachtungen und eine grosse Menge an dreidimensionalen Daten zu den Hölzern gesammelt worden. Deren Analyse erlaubt die Interpretation, dass eine Naturkatastrophe die Siedlung zerstört hatte: Im Sommer 3838 v. Chr. traf ein verheerender Sturm mit starken Winden und Überschwemmungen die Siedlung.

Mächtigen Holzpfähle brachen unter grosser Krafteinwirkung. © ADB/SAB, Khaled Bordji.

Viele der mächtigen Pfähle wurden in die gleiche Richtung umgestossen oder geknickt. Manche dieser tief verankerten Hölzer wurden offenbar von Wind und Wellen aus dem Boden gehoben und danach wieder in den Boden eingedrückt. Mindestens 13 Gebäude wurden durch die gewaltigen Kräfte des Naturereignisses schwer beschädigt oder völlig zerstört. Anhand der Neigung der Hölzer lassen sich sogar jene Zonen erkennen, die vom Naturereignis am stärksten getroffen worden waren. Sie lagen am nächsten zum See. Nicht oft lassen sich in der Archäologie prägende Einzelereignisse aus der Vergangenheit derart detailliert fassen.

Nur eine kurze Rückkehr

Nach dem verheerenden Sturm Biel kehrten die Menschen noch einmal in die zerstörte Siedlung am unteren Ende des Bielersees zurück. Im Herbst oder Winter 3838 v. Chr. wurde an der Stelle des ältesten Hauses im Dorfzentrum noch einmal ein Gebäude errichtet. Danach endete die Bautätigkeit aber. Der Schluss liegt nahe, dass die Menschen ihre Siedlung nach der einschneidenden Naturkatastrophe aufgegeben hatten.

Text: Pressedienst des Archäologischen Dienstes / Titelbild: Zeichnerische Rekonstruktion des Dorfs (links). Scherben von Gefässen aus der Jungsteinzeit. Zeichnung und Fotos ADB.

Angaben zur Publikation

Blaise Othenin-Girard et al., Die neolithische Ufersiedlung Biel, Campus (3842 bis 3838 v. Chr.). Hefte zur Archäologie im Kanton Bern 16. Bern 2026. 520 S., Preis: CHF 50.– (zuzgl. MwSt. und Versand). ISBN: 978-3-9526152-1-8.

LINK

Archäologischer Dienst des Kantons Bern

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