Die Weihnachtsmärkte in Mitteleuropa seien austauschbar, heisst es. Überall Glühwein, Stollen, Christbaumschmuck, Kerzenziehen sowie warme Mützen. Auf dem Marienplatz in München sticht die Vielfalt der „Schmankerl“-Buden ins Auge.
Was passiert, wenn ein Münchner in den Himmel kommt, wissen wir dank der über hundertjährigen Satire des Schriftstellers Ludwig Thoma. Wie sich das Christkind fühlen könnte, würde es in der Weihnachtszeit den Marienplatz besuchen, dürfen wir uns mit etwas Fantasie in festlichem Geist vorstellen.
Der Traditionsmarkt mit Wurzeln im 14. Jahrhundert gilt als das Original unter den Münchner Weihnachtsmärkten. Vor der romantischen Kulisse des neugotischen Rathauses verzaubert die Budenstadt mit altbayerischem Charme und lädt zum Geniessen mit allen Sinnen ein. Lebendiges Brauchtum und alte Handwerkskünste sind hier ebenso vertreten wie Deutschlands wohl grösster „Kripperlmarkt“.
Wachsprodukte und Honig.
Von der Laterne für den Stall bis zu den Gaben der Heiligen Drei Könige findet sich hier alles, was für eine echte Krippe benötigt wird. Bereits 1757 fand in München zum ersten Mal ein eigenständiger „Kripperlmarkt“ statt. In diesem Jahr dauert der Christkindlmarkt am Marienplatz einen ganzen Monat, vom 24. November bis 24. Dezember 2025.
Die Himmelswerkstatt für Kinder von sechs bis zwölf Jahren ist ein kleines Paradies für junge Kreative: hier ist kostenloser Bastelspass angesagt. Wer Zinngiessen oder Kerzenziehen möchte, findet ebenfalls entsprechende Angebote. Beim Krampuslauf muss sich niemand vor den schaurigen Gestalten und zotteligen Gesellen fürchten. Gesorgt wir täglich ab 18 Uhr für weihnachtliche Klänge: Bayerische Stubenmusik, Bläser und Chöre stimmen live vom Rathausbalkon auf die Adventszeit ein.
Liebevoll geschmückte Buden
Rund um den Platz und in den angrenzenden Fussgängerpassagen befinden sich 137 „Waren- und Gastronomiestandl“, die eine grosse Auswahl an Weihnachtsgeschenken, darunter Glasbilder, Wollschuhe, Spiele, Papiersterne und Honig anbieten. Auch Christbaumschmuck, Lichtersterne und Strohsterne für die Weihnachtsdekoration gibt es zu erwerben.
Rathaus, Baum und Glühwein.
Vor dem Rathaus leuchten die unzähligen Lichter eines imposanten Weihnachtsbaums und tauchen den Platz in eine festliche, besinnliche Atmosphäre. Für den Glanz sorgen 265 Lichterketten, 100 Leuchtsterne und zwei Schäfflertanz-Figuren. Eingeschaltet werden die Lichter täglich gegen 16 Uhr. Die rund 25 Meter hohe Fichte stammt heuer aus der österreichischen Gemeinde Ellmau (Tirol), die sich dafür auf dem Christkindlmarkt an einem eigenen Stand vorstellen darf. Jedes Jahr liefert eine andere Gemeinde einen Baum, der eh gefällt werden müsste.
Das Christkind hätte seine wahre Freude an der Vielfalt der Buden und der Präsenz der vielen Einheimischen sowie Touristen. An den Ständen werden wärmende Getränke und weitere „Schmankerl“ angeboten. Die typischen Köstlichkeiten wie Glühwein und Punsch sowie Snacks, Bratwurst oder Flammenkuchen gibt es „en masse“, ebenso Schokolade- und Mehlspeisen. Selbstverständlich befinden sich auch vegane, glutenfreie, laktosefreie oder diabetische Speisen und Getränke im Angebot.
Offizielle Markttouren für besondere Erlebnisse
Ein besonderes Erlebnis ist der Rundgang über den Weihnachtsmarkt in Begleitung eines Guides, der spannende Geschichten und Wissenswertes über die traditionsreiche Geschichte des Marktes zu erzählen weiss. Die Stadtführer kennen viele Originale, die ein „Standl“ betreiben, persönlich und wenn diese berichten, wie viel Liebe und handwerkliches Geschick in ihren Waren stecken, hat man anschliessend grosse Lust, die von Hand gebackenen Stollen oder die hausgebrannten Liköre selbst zu kosten oder eine handbemalte Christbaumkugel zu kaufen.
Der Sternen-Franz, eines der Originale.
Auch mit den typischen Münchner Weihnachtsbräuchen kennen sich die Guides bestens aus. Wer ausserdem wissen möchten, wie der Glühwein auf den Münchner Christkindlmarkt kam oder wer die Münchner Stadtkrippe erbaut hat, sollte auf keinen Fall eine offizielle Führung verpassen, zumal es am Ende des Rundgangs als kostenloses „Schmankerl“ noch ein Säcklein Mandeln und einen Glühwein gibt.
Ein „Schmankerl“ ist übrigens im Bayrischen und Österreichischen „ein besonders leckeres Essen“, eine „kulinarische Spezialität“, ursprünglich oft eine süsse Mehlspeise wie ein feines Gebäck. Im übertragenen Sinn kann damit auch etwas „Besonderes“ oder ein „kleiner Leckerbissen“ in anderen Bereichen gemeint sein, etwa ein „musikalisches Schmankerl“ für ein besonders schönes Musikstück.

Weniger gefallen würde dem Christkind die das leuchtende Bild störende Armut. Am Rand des Marktes, vor allem bei den Abgängen zu den U-Bahnen, lassen sich jeden Abend Bettler, Menschen ohne Wohnung sowie Süchtige nieder, um ein paar Almosen zu erbetteln. Streng ist die omnipräsente Security. Wer stört, wird weggewiesen. Aus Terrorismus-Angst sind alle Zugänge zum Weihnachtsmarkt mit Schranken abgesperrt und werden überwacht. Aber keine Sorge: Das Christkind findet seinen Weg und wird München wohl auch im nächsten Jahr wieder besuchen.

Titelfoto: Der Münchner Christkindl-Markt zwischen Tradition und Moderne. Die Fotos der folgenden Bilder-Galerie wurden am 1. Dezember 2025 von Peter Schibli aufgenommen.

















Das Christkind würde sich eher wundern, Kommerz, Umsatz, Gewinn, und auf der anderen Seite Armut, unbezahlbare Wohnungen und Wohnungsknappheit, die Rentner auf der Suche nach Pfandflaschen, Tafeln, damit Menschen nicht darben müssen… was ist aus der staaden Zeit mit einem Christkindlmarkt, der besondere Schmankerl, evtl. Baumschmuck und Kerzen sowie Krippenfiguren anbot? Das Christkind würde den Kopf schütteln.