Eine Gewissheit gibt es zum Jahreswechsel: Das Leitmotiv, es soll doch alles so bleiben wie es ist, wie es immer war, wird im neuen Jahr 2026 endgültig nicht mehr gelten und unser Dasein bestimmen. Trump (79), der Geldgierige, Putin (73), der Machthungrige, und Xi Jinping (72), der erstaunlich stille, leise Welteroberer, werden uns 2026 nicht in Ruhe lassen. Im Gegenteil. Unser kleines, aber starkes Land wird vor allem wirtschaftlich von den weltweiten Eruptionen nicht verschont bleiben. Im Gegenteil. Die Konsequenzen sind brutal.
Das Wohnen wird zunehmend zum Luxusprodukt. Die Gesundheitspolitik mutiert zum Horrortrip. Die Altersvorsorge blüht mit der 13. AHV-Rente noch einmal auf, bevor sie unfinanzierbar zu werden droht, weil das Parlament zu keiner tragfähigen Lösung findet. Die Armee gleitet ab und wird zum Sicherheitsrisiko, weil bloss ein Drittel der Soldatinnen und Soldaten kampftüchtig ausgerüstet werden kann, von einer funktionierenden Luftabwehr kann schon gar nicht geredet werden. Und das alles, obwohl unser Land die tiefste Staatsversschuldung aufweist, sieht man von Liechtenstein ab. Damit ist die Schweiz an sich hervorragend aufgestellt, um die zitierten Probleme auch zu lösen. So sind zum Jahresbeginn doch Parlament, Bundesrat, aber auch wir, Bürgerinnen und Bürger dazu eingeladen, nicht zu zögern, sondern tatkräftig anzupacken.
So ist es bei diesem Formtief der Schweiz zumindest absonderlich, was uns SVP-Granden vor Augen führen. Ist es nur eine Bieridee, eine völlig absurde Stammtisch-Einsicht oder «einfach nur lustig», wie die NZZ schreibt: «Ein eigenes Ländchen für Ueli Maurer (75) und Toni Brunner (51)?» Oder ganz andersrum: Posaunten die beiden ehemaligen SVP-Parteipräsidenten vom «Wirtshaus der Freiheit» im Toggenburg aus zu voreilig, zu vorlaut in die Welt hinaus, was die einzige, die wirkliche Volkspartei der Schweiz, wie sich die SVP selbst sieht, tatsächlich will: eine Schweiz ohne die rebellischen Welschen, ohne die weltoffenen Basler, ohne die in Stadt und Land gespaltenen Zürcher, sicher ohne die rotgrünen Städte in unserm Land? Schon während der Pandemie trug Maurer im «Haus der Freiheit» ein T-Shirt mit der Aufschrift: «Tell, wo bist du? Die verfluchten Vögte sind wieder im Land.» Und diese Vögte können sie sich, so ihre Gewissheit, nur vom Leibe halten, wenn sie sich in ihren SVP-Stammlanden einhegen und den Ballast, welche die rotgrünen Städte, die Romande und die beiden Basel bilden, abwerfen und diese unverbesserlichen «Europäer» nach Brüssel ziehen lassen oder gar dahin vertreiben.
Selbst Christoph Blocher ist das zu viel, zumindest zu früh. Und es könnte für ihn in der daherkommenden Dreistigkeit kontraproduktiv sein, wenn er sein Lebensziel erreichen will: Die Schweiz definitiv von der Europäischen-Union EU so weit wie möglich fernzuhalten.
Ohne tief zu schürfen, kann mit der Mission Maurer/Brunner zu Tage treten, was nahe an einen Staatsstreich herankommt? Aber lassen wir die Kirche im Dorf.
Es ergab sich vor einiger Zeit, dass wir wegen einer technischen Panne im Studio von Tele Ostschweiz eine Stunde warten mussten, bevor wir eine geplante Diskussions-Sendung mit Christoph Blocher, Toni Brunner und andern aufzeichnen konnten. In dieser Stunde übertrafen sich die beiden mit eidgenössischen Witzen und Begebenheiten, die kein Auge trocken liessen. Und ich fragte mich danach: Warum haben wir nicht die Stunde davor aufgezeichnet und ausgestrahlt, anstelle der offiziellen Sendung mit den abgewogenen, vorbereiteten Statements. Die Antwort ist klar: Wir hatten es nicht getan, weil damals Konventionen das Handeln bestimmten.
Heute liefern Maurer/Brunner von sich aus öffentlich, was sie sich vorstellen könnten. Vorerst bleibt uns überlassen, ob wir ihre gewagte Idee eines SVP-Ländchen als Witz oder als ernsthafte Botschaft, als Drohung verstehen wollen. Nimmt man die beiden ernst, so heisst das doch: Wenn ihr der Initiative «10 Millionen Schweiz» nicht zustimmt, wenn ihr gar den «Unterwerfungsvertrag» mit der EU billigt, sind wir gerüstet und gründen unserer kleines SVP-Ländchen. Spätestens jetzt sollten wir im Witz den wahren Kern erkennen. Witze erzählen können sie.


Ueli
Aber wenn selbst in den heiligen Hallen in Bern die Zweifler übermässig zu Wort kommen, stimmt das nachdenklich. Bauernschlau, wie der Ueli* seinen Auftritt im Freiheitstrychlerchutteli begründete, wäre dies der Anlass gewesen, ihn wegen vermuteter Amtsbehinderung abzusetzen. Zusammen mit seinen sechs Kolleginnen und Kollegen bildet er nämlich die Exekutive. Einer seiner Vorgänger wurde wegen seiner mangelten Schulbildung gehänselt, aber der war wenigsten sympathisch.
Hat diese seltsame Bewegung keine valablen Kandidaten zu bieten? Wobei Bewegung eigentlich der falsche Begriff ist, Stehenbleiben ist ihre eigentliche Devise.
Gott sei Dank hat sich in Guy Parmelin einen würdigeren Vertreter gefunden; anscheinend muss man eher bei den Welschen nachsuchen. Gerade jene belächelte Welsche, die den Röschtigraben als historisch begründete, aber keinesfalls trennende Grenze zu den compatriots allémaniques betrachten. Jene Welsche, die es vielleicht schaffen, hoffentlich, dem Spaltpilz aus dem SVP-Labor den Garaus zu machen. Die dort bewusst angeheizte Spaltung Stadt-Land zu verhindern, denn die beiden gehören längst zusammen. Denn letztlich handelt es sich um reich gewordene oder aufs Land vertriebe Städter und angezogene Wirtschafts- und Bildungsmigranten aus den ländlichen Gegenden.
Bauernschläue ist wohl verzeihlich. Schliesslich hat alles eine Gotthelfsche Logik: der Knecht stieg auf zum Pächter, aber nach wie vor hat der Hofbauer ihm alles nur geliehen. Übrigens, dank den modernen Medien soll der Gottvater von Herrliberg im selben Chutteli abgelichtet worden sein. Aber der, der braucht keine faule Ausrede. Als abgewählter Bundesrat hatte er sich bis dahin noch ganz andere Stücklein geleistet.
Aber zurück zu den Saubannerzügen in Sachen Demokratie. Sollte wider allen Erwartungen der Neinsager ein Gesetz auch im zweiten Anlauf angenommen werden, drohen sie umgehend mit einem zweiten Referendum. Was für ein seltsames Demokratieverständnis haben diese johlenden und keifenden Gestalten, die selbst mit rechtswidrigen Aktionen die Abstimmung nach ihrem Gusto entscheiden wollen?Unfähig, selbst Begriffe wie Demokratie, Solidarität, Toleranz, Anstand und Würde zu kennen, geschweige denn anwenden zu können. Nachhilfe nicht nur in Staatskunde ist dringend! Das Mass ist übervoll.
*Ein schöner Teil der Zürcher ist sich einig: Der Ueli, der ist nicht wirklich einer von uns.
Herr Anton Schaller – meiner Ansicht nach, überschreitet Ihre Kolumne deutlich die Grenze zwischen legitimer Meinungsäusserung und politischer Polemik.
Die einseitige Darstellung sowie die pauschalisierenden und teilweise abwertenden Aussagen gegenüber einer demokratisch gewählten Partei – inklusive namentlich erwähnter Personen – empfinde ich als unangemessen und sie tragen weder zu einer sachlichen Diskussion noch zu einem respektvollen, zwischenmenschlichen Umgang bei. Ganz abgesehen davon, dass diese Aussagen meines Erachtens an der (gesellschafts-) politischen Realität vorbeigehen.
Politische Zuspitzung darf provozieren – sie sollte jedoch nicht belehren oder verächtlich wirken. Gerade auf einer Plattform für Seniorinnen und Senioren erwarte ich einen respektvollen, differenzierten und faktenbasierten Umgang mit politischen Themen!
Dies betrifft und gilt im übrigen auch für den Kommentar dazu von Jean Thomas Weber – notabene nach Frankreich abgewandert – was mich zudem zur berechtigten Frage führt – wer denn jetzt nun «nicht zu uns gehört», wie Herr Weber es formuliert – der Ueli oder der Jean Thomas…?!
…und übrigens mit Ihrer Aussage – ich zitiere nochmals…:
«Was für ein seltsames Demokratieverständnis haben diese johlenden und keifenden Gestalten, die selbst mit rechtswidrigen Aktionen die Abstimmung nach ihrem Gusto entscheiden wollen? Unfähig, selbst Begriffe wie Demokratie, Solidarität, Toleranz, Anstand und Würde zu kennen, geschweige denn anwenden zu können. Nachhilfe nicht nur in Staatskunde ist dringend! Das Mass ist übervoll.»…
treffen Sie genau ins Schwarze, was die links-grünen Chaoten betrifft…Danke, dass Sie uns wenigstens darüber so genau aufklären…denn das Mass von deren Verhalten ist wirklich voll, meiner Meinung nach sogar «übervoll» !
Geschätzter “Steiner”
Ganz zuerst: Anton Schaller hat mit seiner Kolumne in keiner Weise irgendwelche Grenzen überschritten; er vertritt seine Meinung wie immer auf pointierte Weise. Mais naturellement toujours à mon avis. Allenfalls hat der Betreuer der Kolumnen meinen Beitrag vielleicht etwas grosszügig durchgewinkt, ich danke ihm dafür.
Zugegeben, ich habe mich da eine bisschen in Rage geschrieben; als Zürioberländer sind und gehen einem die Dinge schon etwas nahe. Und dann sagt oder schreibt man zuweilen, was man empfindet, eben in unserer etwas raueren Sprache. Eine Sprache, die eigentlich gerade der SVP sehr vertraut ist. Wer dräut da ständig mit der Hellebarde? Vielleicht erinnern Sie sich, Steiner, an das Pressebild in Bern: Eine Hundertschaft der Chutteli- und Trychlenträger, die johlend und schreiend an den Gittern des von der Polizei abgesperrten Bundeshauses rüttelt.
Diese demokratisch gewählte Partei trägt auch Mitglieder mit, die nicht jedermanns Gusto sind: stehend applaudierend an Anlässen von undemokratischen ausländischen Staatschefs, Putin verehrende Journalisten, intime Abendessen mit AfD-Grössen und Wahlkampfhilfe an eine gerichtlich anerkannten rechtsextremen Bewegung, usw. Gott sei Dank sind 30% keine Mehrheit.
PS: der abgewanderte Weber verfolgt nach wie vor als stimm- und wahlberechtigter Schweizerbürger die Politik seiner 1. Heimat. Auf das Angebot des französischen Bürgerrechts nach mittlerweilen 22 Jahren hat er verzichtet.
Da ein rechtsradikales, von allen abgeschottetes Miniland SVP, unter der Ägide von Christoph Blocher, in der Schweiz in 100 Jahren keine Chance hat, denn eine echte Demokratie zeichnet sich ja durch Meinungsfreiheit für alle und ein friedliches Miteinander durch faires Aushandeln von Kompromissen aus, sehe ich zwei (Aus)wege für die SVP:
Offiziellen Anschluss an die AfD, inkl. Verlegung des SVP-Hauptsitzes nach Ostdeutschland; Ulrich Maurer hat dort ja schon tüchtig vorgearbeitet. Oder die reichen SVPler nehmen ihr ganzes Geld und melden sich damit bei Multimiliardär und Nichtmenschenfreund Elon Musk für den ersten bemannten Flug zum Mars an.
Mir scheint, die zweite Variante würde der demokratischen Erneuerung und dem Frieden zusammen mit unseren Nachbarn innerhalb unseres Europäischen Kontinents, am wenigsten Schaden anrichten.