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Welttheater mit Uraufführung in Davos

Das war grossartig inszeniertes Welttheater mit Donald Trump, Regisseur und Hauptdarsteller zugleich. Gesteuert von J. D. Vance (41), seinem Vize und seiner Administration zu Hause in Washington und nicht zuletzt gestossen von den Tech-Milliardären mit ihren Ansprüchen. Wer es hätte wissen wollen, hätte es wissen können, zumindest ahnen. Trump wird letztlich einlenken, wird zu Kompromissen bereit sein. Es durfte nur nicht öffentlich werden. Das Schauspiel war ja erst gestartet worden. Das Happy End hatte zu warten.

Der Reihe nach, vom Akt zu Akt. Trump hatte beim Auftakt zur Davoser Welturaufführung noch in den USA auf dem Rollfeld vor seiner Air Force One unmissverständlich den Tarif durchgegeben: «Ich will die Insel, ich muss Grönland haben…». Und seinen Finanzminister Scott Bessent (67) schickte er vor. Er hatte der Weltpresse und so indirekt den WEF-Teilnehmenden, der Weltöffentlichkeit und letztlich ganz besonderes den Herren Macron (49), Merz (70) und Starmer (63) den Puls zu fühlen. Im US-Pressecenter, eingerichtet im  Altarraum der ehemaligen Freien Evangelischen Kirche in Davos, stellte sich Scott Bessent am letzten Dienstag vor dem Start zum WEF gross auf. Quasi als Pfarrer verkündigte er in der Pressekirche der USA von oben herab: „Entspannt euch. Ich rechne mit einem Ergebnis, das für alle, für die nationale Sicherheit, für die USA und für Europa sehr positiv sein wird.» Um dann etwas einzuschränken: «Natürlich ist Europa weiterhin ein Verbündeter. Das aber bedeutet nicht, dass wir keine Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft Grönlands haben können.“

KI machts möglich: Welttheater-Uraufführung mit Donald Trump in Davos. (zvg)

Niemand setzte eine Schlagzeile: «Trump setzt auf einen Kompromiss». Und tatsächlich. Die Europäer fielen auf die Avancen des Finanzministers auch nicht herein. Im Gegenteil. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) und Emmanuel Macon (49) blieben hart. Sie erklärten ihrerseits Trump den Tarif: Er wird Grönland nicht bekommen, auch nicht kaufen können. Und wenn er auf den zusätzlichen Zöllen besteht, werden wir massive Gegenmassnahmen in Kraft setzen, ihren unmissverständlichen Positionsbezug im Vorspiel zum Hauptakt. Nicht verwunderlich, was Nachrichten-Agenturen berichteten: Vor dem grossen Auditorium, wo der Hauptakt stattfand, standen die 3000. Alle wollten Trump im Hauptakt direkt sehen und hören. Nur 1800 hatten Platz. Man muss sich das mal vorstellen. Die vornehmen, betuchten Damen und Herren lieferten sich ein Gerangel um Einlass und um einen Platz.

Der Hauptakt mit Trump fiel völlig durch. Über den ist schon alles geschrieben worden. Hier nur so viel. Zuerst las er vom Teleprompter ab, was ihm aufgeschrieben worden war. Dann plötzlich, als er Bundesrätin Karin Keller-Sutter nachzuäffen versuchte und Emmanuel Macron zu beleidigen begann, sprach er frei von der Leber weg und präsentierte sich als das, was er ist: ein unberechenbarer Egomane, der sich als der Grösste unter der Sonne sieht. Unfehlbar und ohne Tadel. Während er beim Auftritt noch warm begrüsst wurde, musste er mit einem kläglichen Beifall die Bühne verlassen und zum nächsten Akt schreiten, der als Plan B sehr gut vorbereitet war.

Er traf Mark Rutte (58), den Nato-Generalsekretär, der ihm immer zu schmeicheln versteht. ihm präsentierte er das vorbereitete Verhandlungsergebnis, mit dem Rutte danach als exzellenter Verhandler dastehen kann, was seine Position in der Nato und bei den Europäern stärkt. Die zusätzlichen Zölle sind vom Tisch. Trump kann auf Grönland seine Militärbasen einrichten, sein milliardenschweres Projekt «Goldenen Dom» installieren. Mit dem er Putin im Zaum halten, die USA schützen will. Putin, der in der Arktis bereits mit mehreren atombetriebenen Eisbrechern sehr präsent ist. Am Schluss dieser Inszenierung stellt sich nur eine Frage: Ist Trump mit dieser Welturaufführung in Davos zufrieden, sind es seine Getreuen und J. D. Vance auch? Oder sind diese bereits an einer neuen Inszenierung, die zum Ziele hat, Grönland, gar Island doch noch in die USA einzuverleiben? Wir wissen es beim besten Willen nicht. Unberechenbar sein ist das Leitmotiv der Administration Trump. Darauf hat sich auch die Schweiz einzustellen. Selbstbewusst.

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3 Kommentare

  1. Da wäre nur noch eine Frage: Wie hoch belaufen sich eigentlich die Kosten für dieses WEF-Theater, insbesondere die riesigen Sicherheitsmassnahmen, ohne die der aufgeblähte US-Zirkus gar nicht hätte stattfinden können? Und wer bezahlt das?

    Währenddessen haben Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE, erneut auf offener Strasse in Minneapolis einen unbescholtenen US-Staatsbürger mit mehreren Schüssen getötet. Er hatte sich an den Protesten gegen die Einwanderungspolitik beteiligt. Auf SRF gibt’s den Bericht dazu.

    Es ist erschreckend, dieses Vorgehen Trumps erinnert an die Gestapomethoden Nazi-Deutschlands, die angestammte Bürger:innen verfolgten, nur weil sie Jüdischen Glaubens waren. Wie das endete wissen wir.
    Es scheint, dass der US-Präsident den brutalen Weg Hitlers, gegen die eigene Bevölkerung geht. Es soll später niemand behaupten, wir hätten die schlimmen Vorzeichen nicht mitbekommen.

  2. Wohl die meisten von uns würden diesen US-Präsidenten am liebsten ausblenden und sagen: «Mit diesem Menschen kann ich nichts anfangen.» Aber wir müssen lernen, mit diesem Trump umzugehen.

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