In der laufenden März-Session werden die eidgenössischen Räte entscheiden, ob sie dem sogenannten «Crans-Montana-Gesetz» des Bundesrates zustimmen oder nicht. Ob sie damit zur Beruhigung beitragen und dem Schrecken ein vorläufiges Ende setzen wollen. Und damit selbst Giorgia Meloni (49), die italienische Ministerpräsidentin, zufriedenstellen, die nach wie vor mehr Einbezug an den Ermittlungsverfahren reklamiert. Genügt das Gesetz oder ist es lediglich »Pflästerlipolitik», wie die Sonntagspresse schreibt. Oder folgen die Räte gar Rolf Cavalli, dem Chefredaktor des Blicks, der im Titel seiner Kolumne fordert, dass keine Steuerfranken an Morettis, Crans-Montana und ans Wallis fliessen. Cavallis Schlagzeile greift zu kurz. Das Geld geht sicher nicht an Morettis, Crans Montana oder gar an den Kanton Wallis, und das Gesetz entlastet sie auch nicht. Im Gegenteil. Das Geld geht direkt an die Opfer und ihre Familien. Und zwar jetzt.
Die Morettis (Jacques, 49 und Jessica,40), die Gemeinde Crans Montana, vielleicht gar der Kanton Wallis, je nach Anklage, werden sich vor Gerichten zu verantworten und aufgrund der Urteile zu zahlen haben. Doch diese Verfahren werden möglicherweise mit Appellationen an obere Gerichte Jahre dauern. Es liegt an den Gerichten, die dannzumal Verurteilten, vorab die unmittelbar Schuldigen zu verpflichten, die Eidgenossenschaft für ihre Vorleistungen zu entschädigen. Die Verfahren werden dauern. So lange darf die Schweiz die Betroffenen nicht im Stich lassen.
Es steht zu viel auf dem Spiel, vor allem die Reputation unseres Landes. Unsere Nachbarstaaten, insbesondere Italien, beobachten uns genau. Und im Hintergrund stehen nicht nur diplomatische Verstimmungen im Raum, sondern möglicherweise auch wirtschaftliche Sanktionen. Am 11. Januar schrieb ich an dieser Stelle, Bundespräsident Guy Parmelin müsse handeln (siehe: „Crans Montana: Die Schweiz in der Pflicht“. Er habe die ungewöhnliche, aber staatsmännische Aufgabe, die finanziellen Mittel bereitzustellen: für die Erstversorgung der Brandopfer, für die aufwendigen Transporte der Toten und Schwerverletzten sowie für die langfristigen Heilungskosten. Ebenso seien die Familien der Verstorbenen rasch und angemessen zu entschädigen. Zunächst für die unmittelbaren Auslagen, später für den unermesslichen Verlust ihrer Töchter und Söhne. Das wird viel Geld kosten. Sehr viel Geld. Mehr noch: Parmelin solle Vertreter der betroffenen Länder, Kantone, Krankenkassen, Versicherungen sowie die von den Familien mandatierten Anwälte an einen runden Tisch holen. Und siehe da – spät, aber nicht zu spät – handelte er. Der Runde Tisch steht. Und er wird intensiv genutzt. Parmelin hat damit umgesetzt, was notwendig war. Dafür gebührt ihm Anerkennung.0
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41 Tote,114 Verletzte. Das ergibt 155 Dossiers, die zu bearbeiten sind. Eine Anzahl, die administrativ bewältigbar ist, auch wenn jeder einzelne Fall völlig unterschiedlich gelagert ist: Alter, Herkunft, Familienkonstellation, Beruf, Versicherungsstatus, gesundheitliche Langzeitfolgen. Die Dossiers der Verstorbenen können – so schrecklich das klingt – vergleichsweise rasch abgeschlossen werden. Voraussetzung ist, dass die entstandenen Kosten für Transporte und Bestattungen vergütet sind und das Schmerzensgeld von 50’000 Franken ausbezahlt wird. Dieses Geld lindert den Schmerz nicht. Aber es ist ein Zeichen der Verantwortung und der Verlässlichkeit der Schweiz.
Ob der italienische Staat, die Medien und vor allem die eingeschalteten Anwälte damit zufrieden sein werden, ist offen. Parmelin spürte den Argwohn Italiens deutlich, als ihn Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Mailand demonstrativ mied. Staatspräsident Sergio Mattarella (85) hingegen empfing ihn und dürfte ihm seine Erwartungen klar signalisiert haben. Mattarella hat hautnah erfahren, was die schweren Verbrennungen für die jungen Menschen bedeuten. Ohne mediales Getöse hat er auch die Verletzten im Kinderspital Zürich besucht, in seiner vorbildlichen, leisen Art, staatsmännisch.
Jetzt ist das Parlament in der laufenden Session gefordert. Und es ist keineswegs sicher, dass das Gesetz die Hürde mühelos nimmt. Die SVP sowie Teile der FDP haben Widerstand angekündigt. Besonders exponiert haben sich Barbara Steinemann (50), SVP, Zürich und Philippe Nantermod (50), FDP, Wallis. Sie verkennen, dass ausserordentliche Ereignisse ausserordentliche Massnahmen verlangen. Und dass diese Massnahmen letztlich im Interesse unseres Landes liegen, sowohl politisch, wirtschaftlich als auch moralisch.
Die Schweiz darf jetzt eines nicht sein: kleinlich. Sie muss zeigen, was sie immer für sich in Anspruch nimmt: Verlässlichkeit, Humanität und staatliche Verantwortung.
