Im Kunst Museum Winterthur ist der amerikanische Künstler Jack Goldstein zu entdecken, der mit Filmen, Gemälden und Sound experimentell arbeitete.
Jack Goldstein (1945-2003) gilt als Schlüsselfigur der Pictures Generation. Diese hatte sich in den 1970er Jahren von traditionellen Kunstformen abgewandt und sich Bilder aus Werbung und Populärkultur angeeignet. Die Ausstellung Jack Goldstein – Pictures, Sounds and Movies ist die erste Einzelausstellung des amerikanischen Künstlers in der Schweiz. Von Lynn Kost kuratiert, ist sie im Kunst Museum Winterthur l Beim Stadthaus zu sehen.
Jack Goldstein, ohne Titel, 1982 (rv)
Jack Goldstein gehörte zur ersten Generation, die mit dem Fernsehbildschirm aufwuchs. Früh experimentierte er mit dem beweglichen Bild. In den 1970er Jahren schuf er kurze 16-mm-Filme in Dauerschlaufe wie The Jump: Vor einem blauen Hintergrund springt ein Turmspringer immer wieder ins Nichts. Der Künstler hatte die Figur aus Leni Riefenstahls Film Olympia isoliert und mittels Animationstechnik zu einer leuchtenden Struktur verfremdet. Ihn interessierte der Moment zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen Sichtbarkeit und Leere – ein Sinnbild auch für sein eigenes Ringen um Präsenz und Auslöschung, das ihn durch sein ganzes Leben begleitete.
Jack Goldstein, The Jump, 1978. Filmstill
Neben der Filmarbeit beschäftigte sich Goldstein auch mit Soundarbeit und produzierte 1976 die Schallplattenreihe A Suite of Nine 7-inch Records. Dafür montierte er Archivklänge zu Soundtracks ohne Film. Die im Soundstudio bearbeiteten Geräusche von Explosionen, Gewitter oder Tierlauten sollen beim Zuhören an eigene Bilder anknüpfen und dadurch Teil des kreativen Prozesses werden.
Jack Goldstein, Ohne Titel, 1980. Airbrush-Technik
Von den 1980er Jahren an realisierte der Künstler grossformatige fotorealistische Gemälde mit spektakulären Naturerscheinungen, auch Kriegsszenerien. Als Vorlagen dienten ihm Bilder aus den Medien, der Wissenschaft und der Populärkultur. In seinen Schwarz-Weiss-Gemälden knüpfte Goldstein auch an historische Fotografien der Nachkriegszeit an. Er wollte, dass seine Bilder makellos wie Maschinenprodukte aussehen, glatt und kühl, dennoch mit minimalen Unschärfen. Um Pinselstriche zu vermeiden, liess er die weissgrundierte Leinwand mit Airbrush besprühen. Dafür hatte er seine eigene Technik entwickelt. Die Herstellung seiner Bilder überliess er seinen Assistenten.

Jack Goldstein, Ohne Titel, 1985
Goldsteins intensiv farbige Bilder in Acryl erscheinen wie diffuse Malereien, sie sind jedoch hochkomplex aufgebaut. Die Formen sind nicht aufgemalt, sondern bilden sich mittels schmaler, wellenförmiger dicht nebeneinander aufgeklebter Farbstreifen. Doch um dies zu erkennen, muss man sehr nahe an das Bild herantreten. Auch diesen aufwendigen Herstellungsprozess übernahmen seine Mitarbeitenden. Er selbst wollte als Kunstschaffender im Hintergrund bleiben und nur die glänzende Oberfläche der Bilder sprechen lassen.
Jack Goldstein, Ohne Titel, (Ausschnitt aus Titelbild). Acryl auf Leinwand, 1988 (rv)
Goldstein erlebte die digitalen Bilder mit makellosen Oberflächen auf dem Smartphone oder Tablet von heute nicht mehr. So wie er arbeitete, verschwand er auch still und leise von dieser Welt: 2003 durch Suizid. Auf jüngere Kunstschaffende übte sein Werk grossen Einfluss aus, in der Schweiz blieb er bis heute weitgehend unbeachtet.
Fotos: Kunst Museum Winterthur
Bis 31. Mai 2026
Jack Goldstein. Pictures, Sounds and Movies, im Kunst Museum Winterthur I Beim Stadthaus
Publikation: Alexander Dumbadze, Jack Goldstein – All Day Night Sky, Chicago 2025, CHF 48.00
